Im Laufe der Saison haben sich verschiedene Methoden herauskristallisiert, die von verschiedensten Mannschaften gegen Barcelona eingesetzt wurden. Dabei ging es nicht immer nur um... Die Saison des FC Barcelona (3) – Taktische Mittel gegen Barcelona, Teil 1

FC Barcelona Logo 2Im Laufe der Saison haben sich verschiedene Methoden herauskristallisiert, die von verschiedensten Mannschaften gegen Barcelona eingesetzt wurden. Dabei ging es nicht immer nur um das Ausschalten von einzelnen wichtigen Spielern wie Messi oder Busquets sondern auch um tiefgreifende mannschaftstaktische Änderungen, um Barcelona Paroli zu bieten.

Das Abwehrdreieck um Lionel Messi

Die erste Problemstellung, die sich generell für jeden Trainer ergibt, ist die Frage, wie man Messi ausbremsen soll, schließlich befand sich dieser nahezu die ganze Saison in bestechender Form und erzielte Tor um Tor. Bereits in den letzten Jahren gab es verschiedene Versuche, den Argentinier aus dem Spiel zu nehmen, so reaktivierte Otto Rehhagel kurzerhand die doppelte Manndeckung bei der WM 2010 und Bielsa versuchte Messi durch geschickte Mannorientierung bis in die eigene Hälfte zurückzudrängen.  Keine dieser Methoden funktionierte allerdings so gut, wie es das System von Allegri im diesjährigen Champions League Achtelfinalhinspiel: Der Italiener stellte Messi eine Extrabewachung aus gleich 3 Spielern zur Seite. Die beiden Innenverteidiger und einer der Sechser bauten konsequent ein Dreieck um den Starstürmer.

Barcelona Saisonrückblick Grafik1

Eine Spielszene aus dem 2:0-Sieg Milans gegen Barcelona. Ein langer Ball geht in die Richtung des Milan-Tores. Messi wird von drei Spielern in ein Dreieck genommen, das ihm, sollte der Ball ihn erreichen, nur den Pass nach hinten oder zur Seite ermöglicht. Der direkte Weg zum Tor oder zu einem seiner gut positionierten Mitspieler ist versperrt.

Durch dieses Dreieck ergaben sich zwar ähnlich viele Ballkontakte für Messi, wie auch in anderen Spielen, von denen er auch mehr als gewöhnlich, nämlich 91% wieder an den Mann brachte,  jedoch konnte er nur 4 Dribblings für sich entscheiden und kam selbst nur ein einziges Mal aus dem Spiel heraus zum Abschluss. Versuchte Messi auszuweichen, machte er sich entweder selbst ungefährlich, da er den Ball weit außerhalb der Gefahrenzone bekam oder er wurde von den Milan-Verteidigern erneut in das Dreieck aufgenommen, sobald er sich dem Tor näherte. Durch dieses geschickte Abwehrverhalten konnte der AC Mailand das Offensivspiel der Katalanen fast gänzlich neutralisieren, sie kamen über 90 Minuten nur einmal zu einem gefährlich Abschluss auf das Tor der Italiener.

Vereiteln des Spielaufbaus über Sergio Busquets

PSG-Trainer Ancelotti fand beim 2:2 in Paris eine neue Methode, den FC Barcelona auszubremsen. Er versuchte Sergio Busquets konsequent zuzustellen und damit den vielleicht wichtigsten Mann für den Spielaufbau der Katalanen aus dem Spiel zu nehmen. Busquets leitet durch seine Pässe das Spieltempo und den Takt des FC Barcelona, gleichzeitig bringt er den Ball aus der Defensive durch geschickte Pässe zwischen die Linien nach vorne und umgeht so ein frühes Abfangen der Bälle durch den Gegner. Versucht man nun Busquets zu stoppen bzw. zu decken, verringern sich selbstverständlich seine Ballkontakte, Barcelona versucht den Spielaufbau über andere Spieler, dass damit ein Qualitätsabfall der Pässe stattfindet ist nur logisch.

Barcelona Saisonrückblick Diagramm

Busquets hatte in jedem seiner CL-Spiele über 90 Minuten mehr als 100 Ballkontakte, erst mit dem Spiel in Paris änderte sich dies. Auch die Bayern setzten in ihrem Heimspiel gegen Barcelona auf die Taktik, die Ancelotti erstmals effektiv anwendete.

Isolieren der Flügelspieler Barcelonas

Ein weiterer Punkt der individiualtaktischen Mittel gegen Barcelona ist das Isolieren bzw. das Aus-dem-Spiel-Nehmen der Barcelona-Flügelspieler.  Da die Außenverteidiger, meistens Jordi Alba und Alves, im Barcelona-System extrem hoch agieren, schieben sie ihre Vordermänner, meistens Alexis Sanchez und Pedro, vom Flügel in andere Räume, dadurch entsteht rein theoretisch eine Fünferangriffskette. Dabei werden allerdings die offensiven Flügelspieler in eine Enge getrieben, die durch das natürlich Verschieben der Gegner zustande kommt.

Nun stellt sich die Frage, ob dies von Barcelona selbst gewollt ist oder ob es eine Maßnahme der Gegner ist, die Flügelspieler dadurch unschädlich zu machen. Grundsätzlich nutzen nahezu alle Mannschaften Europas das weite Aufrücken der Außenverteidiger, dass dadurch die offensiven Außenspieler irgendwie ihre Position ändern müssen, ist klar. Allerdings geschieht dies meist durch das Hinterlaufen, bei dem der Außenverteidiger die Linie zur Flanke durchgeht, der Außenstürmer allerdings stehen bleibt um eine Anspielstation zu bieten oder quer zum Strafraum geht, um eine Flanke oder einen möglichen Abpraller zu holen.

Bei Barcelona wird der Außenstürmer allerdings nach innen geschoben, ohne dass eine Flanke zu erwarten ist, erst im Endspurt der Saison kamen immer wieder Flanken von der rechten Seite, die allerdings wirkungslos verpufften, da die physische Präsenz im Strafraum einfach nicht gegeben ist.

Barcelona Saisonrückblick Grafik2

Der Ball ist auf der linken Seite beim nach innen tendierenden Iniesta, dieser sucht eine Anspielstation. Dani Alves hatte den Ball auf der rechten Seite nach vorne getrieben und setzt jetzt seinen Weg fort. Pedro zieht deshalb von rechts nach innen, begibt sich dabei allerdings in ein unerreichbares Feld.

Dieses Verhalten im Spiel gegen Espanyol Barcelona zeigte deutlich, wieso die Flügelspieler Barcelonas, mit großem Abstand, meist die wenigsten Ballkontakte ihres Teams hatten. Beispiel: Bei besagtem Spiel gegen Espanyol Barcelona kam der immer sehr zentral ausgerichtete Iniesta vom linken Flügel auf 137 Ballkontakte und befand sich damit zusammen mit Busquets, Xavi, Fabregas und Messi in guter Gesellschaft. Auch die beiden Außenverteidiger Alba und Alves kamen jeweils über 110 Ballkontakte. Pedro auf der rechten Seite hatte dagegen nur 63 Ballberührungen, obwohl er den recht fehlplatziert wirkenden Capdevila als Gegenspieler hatte.

Dennoch erzielte Pedro in diesem Spiel 2 Tore. Problem dabei: Das erste Tor entstand daraus, dass sich Iniesta sich auf der linken Seite durchgesetzt hatte und Pedro in der Mitte einen Schuss von Messi ins Tor abfälschte, das Zweite war ein genialer Pass ebenfalls von der linken Seite durch die stark nach links verschiebende Abwehr der Gäste. Beide Male hatte Messi sich aus dem Sturmzentrum nach hinten fallen lassen, wodurch Pedro als Mittelstürmer einrücken konnte und sich so mit Alves nicht gegenseitig den Platz nahm. Rückte Messi allerdings wieder nach vorne, musste Pedro den rechten Halbraum bespielen, der bei zwei Viererketten vor dem Tor extrem undankbar für jeden Stürmer ist.  Über die rechte Seite konnte Barcelona nicht ein einziges Mal für Gefahr sorgen, nur 2 von 19 Schüssen kamen von der rechten Seite, obwohl gut ein Drittel der Angriffe über Rechts gespielt wurde.

Konsequente Manndeckung in der eigenen Hälfte

Lange Zeit galt der Trainer, der die Manndeckung gegen Barcelona wieder ausgrub, als Nummer 1 der Nachfolger für Guardiola. Marcelo Bielsa versuchte es in seinen Spielen gegen den FC Barcelona mit einer Manndeckung, wie man sie sonst nur aus längst vergangenen Zeiten kennt. Er teilte jedem seiner Spieler einen eigenen Mann zu, den dieser frei durch die eigene Hälfte verfolgte.

Barcelona Saisonrückblick Grafik3

Die Abbildung zeigt deutlich, wie Bilbao gegen Barcelona agierte. Jeder Barcelona-Spieler hat einen klar zugeteilten Gegenspieler, der sich um ihn kümmert. Dennoch ist aufgrund der tiefen Stellung Bilbaos ein Innenverteidiger frei, sowie der Mittelstürmer Llorente, der die Innenverteidiger attackierte.

Bielsa stellte erst nach einem 25-minütigen Feuerwerk der Katalanen auf diese Form der Deckung um, zwar blieb der große Erfolg aus, da Barcelona bereits führte, danach hatte Bilbao die Spieler Barcelonas aber gut in der Hand und kam deutlich besser ins Spiel als zuvor. Plötzlich waren die Chancen für Bilbao da, da Barcelona nur schlecht aus der eigenen Hälfte kam und große Probleme damit hatte, die Bälle in Ruhe zu verarbeiten und vor allem anzunehmen.

Das einzige Problem dieser Defensivart ist, dass Barcelona durch Einzelaktionen, wofür Messi und Co. bestens geeignet sind, einfach Chancen kreieren kann, die einzige Absicherung dafür ist der freie Innenverteidiger, der allerdings wegfallen kann, wenn Barcelona plötzlich sehr weit aufrückt oder sogar Überzahl erzeugt und nur noch mit einem Spieler absichert, was die Manndeckung sofort extrem risikoreich macht. Spielt man allerdings in der eigenen Hälfte mit Überzahl bietet sich diese Form der Deckung gegen Barcelona durchaus an. Einziges Problem dabei sind mögliche Verwarnungen durch den Schiedsrichter, da die Unparteiischen bei einer sehr engen Manndeckung des Öfteren eingreifen müssen, um ein zu hartes Einsteigen zu verhindern.

Ben Pedro, abseits.at

Ben Pedro

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