Wenn es um die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen geht, treibt die Fantasie führender Fußballfunktionäre mitunter bunte Blüten. Eine besonders originelle Idee des UEFA-Exekutivkomitees wurde vergangene... Pfosten der Woche (KW 43) – UEFA

Wenn es um die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen geht, treibt die Fantasie führender Fußballfunktionäre mitunter bunte Blüten. Eine besonders originelle Idee des UEFA-Exekutivkomitees wurde vergangene Woche publik und zeigt, wieviel brachliegendes Potential nach wie vor im Produkt Fußball schlummert.

Bereits vor einiger Zeit hat die UEFA beschlossen, die Zahl der teillnehmenden Nationen ab der EM 2016 in Frankreich von 16 auf 24 zu erhöhen. Eine feine Sache für kleinere Länder wie Österreich, die künftig vielleicht auch ab und zu an einer Endrunde teilnehmen können, ohne sie deshalb gleich veranstalten zu müssen. Vor allem aber für die UEFA selbst ist Aufstockung ein Segen – denn mehr Starter bedeuten automatisch mehr Spiele und damit auch mehr Geld: anstelle von derzeit 31 können bis zu 52 Partien an TV-Sender und Sponsoren verkauft werden.

Eine Kleinigkeit wurde dabei aber leider übersehen: da sich von den 53 Mitgliedsverbänden der UEFA ab 2016 fast die Hälfte für die EM-Endrunde qualifizieren wird, dürfte die Qualifikationsphase deutlich an Spannung verlieren und das öffentliche Interesse dementsprechend zurückgehen. Für sich genommen wäre das noch kein Problem, träte nicht dummerweise an genau dieser Stelle die erstmalige Zentralvermarktung der TV-Rechte für die Qualifikationsspiele auf den Plan: um dieses Projekt durchzubringen, hat die UEFA ihren Mitgliedsverbänden fixe Zahlungen in Millionenhöhe vertraglich garantiert; kann sie diese beim Rechteverkauf nicht erlösen, muss sie die Differenz aus eigener Tasche drauflegen.

Die gleichermaßen groteske wie sinnbefreite Lösung dieses Dilemmas liegt für die UEFA in der Veranstaltung einer kleinen EM ein halbes Jahr vor der eigentlichen EM; ein Miniturnier, bei dem die Gruppensieger und der/die Gastgeber gegeneinander antreten sollen, um eine Art “Qualifikationseuropameister” auszuspielen. Dass es sich hierbei mutmaßlich um dieselben Mannschaften handelt, die sechs Monate später zu den Titelfavoriten zählen, liegt auf der Hand und ist erwünscht – umso besser lässt sich das Produkt “Mini-EM” an die TV-Sender verkaufen. Es geht also wieder einmal nur ums Geld, und zwar ohne Rücksicht auf Kollateralschäden: die ohnehin schon an der Grenze ihrer Belastbarkeit stehenden Spieler dürfen noch ein paar Spiele mehr absolvieren, und die Zuschauer bekommen wenig motiviertes Gekicke der immergleichen Teams um die goldene Ananas geboten.

Wenn die Ermittlung des Qualifikationseuropameisters kurz vor der Ermittlung des eigentlichen Europameisters schon eine der besseren Ideen war, gibt das, was sich in den Untiefen diverser Funktionärsschreibtische sonst noch so verbirgt, durchaus Anlass zur Besorgnis. Sollten sich die aktuellen Pläne nämlich nicht durchsetzen lassen, hat die UEFA lt. DFB-Generalsekretär Niersbach “noch einige andere Denkmodelle in der Schublade”, die ebenfalls diskutiert werden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass nach Mini-EM und EM eine Meta-EM stattfindet, bei der alle ehemaligen Europameister und EM-Gastgeber gegeneinander antreten oder die Viertplazierten der Champions League-Gruppenphase demnächst in Topf 5 der EM-Qualifikation weiterspielen. Klingt absurd? Abwarten. Geld stinkt bekanntlich nicht, und andere Kriterien sind offensichtlich immer dünner gesät.

(Lichtgestalt)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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