Der Prozess gegen Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig zieht sich in die Länge, mit einem Urteil ist erst im kommenden Frühjahr zu rechnen. Während Richter und... Pfosten der Woche (KW 51) – Hannes Kartnig

Der Prozess gegen Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig zieht sich in die Länge, mit einem Urteil ist erst im kommenden Frühjahr zu rechnen. Während Richter und Staatsanwaltschaft weiter auf die Zeugenaussage von Frank Stronach warten, stellt der Angeklagte in der Zwischenzeit medienwirksam seine völlige Uneinsichtigkeit zur Schau.

Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig, der sich seit einem guten dreiviertel Jahr wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss (es gilt die Unschuldsvermutung), nutzte am vergangenen Donnerstag ein Interview mit dem TV-Sender “Puls 4”, um einige Missverständnisse rund um seine Person auszuräumen. Dazu gehörte auch die aus seiner Sicht irrige Annahme, die ihm und sieben weiteren ehemaligen Vorstandsmitgliedern zur Last gelegten Vergehen wären mehr als geringfügige Kavaliersdelikte:

“Die Leute die heute auf der Anklagebank sitzen, sind keine Kriminellen im herkömmlichen Sinn. […] Ich hab niemanden vergewaltigt, ich hab keinen umgebracht, das was wir getan haben: steuerschonend gearbeitet.”

Nun lautet die Anklage weder auf Mord, noch auf Vergewaltigung; in diesem Punkt scheint die Staatsanwaltschaft also mit Kartnig einer Meinung zu sein. Unterschiedliche Denkmodelle dürften hingegen  dem Begriff des ”steuerschonenden Arbeitens” zugrundeliegen – versteht die Anklagebehörde darunter normalerweise, im Gesetz vorgesehene Gestaltungsmöglichkeiten bestmöglich zu nutzen und die Abgabenlast für Verein und Spieler zu minimieren und nicht mit allerlei Finten und Tricks öffentliche Kassen um ihnen rechtmäßig zustehende Mittel zu prellen. Denn das ist kriminell, egal ob im herkömmlichen oder irgendeinem anderen Sinn.

Kartnig erklärt weiters, er und seine Mitstreiter seien lediglich Sportfunktionäre und Idealisten gewesen, vielleicht ein bisschen schlampig, aber keinesfalls kriminell. Auf den Einwand, dass man geltende Gesetze doch einhalten müsse, erwidert er:

„Da bin ich bei Ihnen, das ist richtig…aber ich hab halt geglaubt, uns dawischt man nicht!“

Gesetze einhalten gut und schön, aber zumindestens sollte man so gut betrügen, dass man ungeschoren bleibt: offensichtlich waren die Beteiligten also zu blöd für einen gelungenen Beschiss. Kartnigs Auslegung ist ebenso entlarvend wie sein Unrechtsbewusstsein überschaubar; dass sich vermutlich nicht einmal grenzenlose Optimisten der Illusion hingeben, es handle sich damit bei ihm unter ehemaligen oder aktuellen Fußballfunktionären um einen bedauerlichen Einzelfall, ist allerdings wirklich besorgniserregend.

Hannes Kartnig ist davon überzeugt, kein Gauner zu sein. Und selbst wenn er einer ist, bestünde sein Hauptvergehen darin, sich erwischt haben zu lassen – angesichts der Menge unappetitlicher Fakten aus Sport, Wirtschaft und Politik, die in den letzten Jahren insbesondere an den Schnittpunkten dieser drei Bereiche an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist das traurigerweise gar nicht so extrem weit hergeholt.

(Lichtgestalt)

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