Jeden Morgen warten Programmplaner und Senderchefs sehnsüchtig auf jene Daten, die ihnen bescheinigen sollen, wie gut das Fernsehprogramm des Vortages angekommen ist. Die Zuschauermessung... König Fußball und die Jagd nach Einschaltquoten bei Großereignissen | powered by Media Markt

Jeden Morgen warten Programmplaner und Senderchefs sehnsüchtig auf jene Daten, die ihnen bescheinigen sollen, wie gut das Fernsehprogramm des Vortages angekommen ist. Die Zuschauermessung erfolgt in Österreich durch die Arbeitsgemeinschaft Teletest (AGTT), während sich in Deutschland die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) dieser Aufgabe annimmt.

Derzeit nehmen 1.590 österreichische und 5.640 deutsche Haushalte an diesen Messungen teil. Sie stellen dabei eine Art Miniaturversion des gesamten Landes dar, denn es müssen alle Alters- und Bevölkerungsschichten berücksichtig werden, um die Daten von der Stichprobe auf die Gesamtbevölkerung hochzurechnen.

Unterschieden wird bei der Auswertung zwischen Reichweite und Marktanteil. Die Reichweite gibt an, wie viele Personen sich eine gewisse Sendung angesehen haben, während der Marktanteil darüber Auskunft erteilt, wie viel Prozent der gerade vor dem Fernsehschirm sitzenden Menschen eine Sendung verfolgt hat. Beide Werte sind einerseits wichtig, um den Erfolg des Programms zu messen, dienen aber auch als Grundlage für die Werbetarife.

Da die Zeit der großen Samstagabendshows mit der Einführung des Privatfernsehens zu Ende ging, sind auch so enorme Zuschauerzahlen wie die 21,77 Millionen Westdeutschen, die sich 1983 „Verstehen Sie Spaß“ angesehen haben, mit regulärem Programm nicht mehr zu erreichen.

Lediglich der Fußball schafft es noch, derartige Massen vor die Bildschirme zu locken – das gilt gleichermaßen für Deutschland und Österreich. Seit die Quotenmessung durchgeführt wird, hält das Semifinale der Fußball-Weltmeisterschaft von 2010 zwischen Deutschland und Spanien mit 31,10 Millionen Zuschauern bei unseren nördlichen Nachbarn den Rekord inne – zudem wurden damals unglaubliche 83,2 Prozent Marktanteil erreicht.

Auf den Plätzen folgen Deutschland – Italien (Semifinale der Weltmeisterschaft 2006) mit  29,66 Millionen sowie 84,1 Prozent und Deutschland – Türkei (Semifinale der Europameisterschaft 2008) mit 29,43 Millionen beziehungsweise 81,5 Prozent. Interessanterweise kam das Finale gegen Spanien (25,96 Millionen, 79,8 Prozent) auf weniger Zuschauer als das Vorrundenduell mit Österreich sowie das Viertelfinale gegen Portugal.

In Österreich sind abgesehen von den Nachrichtensendungen in der Regel die Übertragungen vom Opernball, dem Villacher Fasching sowie die Wintersportevents in Bischofshofen, Kitzbühel und Schladming die meist gesehenen Sendungen. Sie erreichten zuletzt bis zu 1,7 Millionen Zuschauer.

Auch die Sportübertragung mit den meisten Zuschauern (seit Beginn der Messung 1991) ist dem Wintersport zuzuschreiben, denn 2003 verfolgten 2,217 Millionen Menschen, wie Michael Walchhofer Abfahrtsweltmeister wurde.

Direkt dahinter kommt mit 2,186 Millionen Zuschauern und 72 Prozent Marktanteil jedoch bereits König Fußball. So viele Zuschauer verfolgten 2008 das entscheidende Gruppenspiel zwischen Österreich und Deutschland, das die ÖFB-Elf mit 0:1 verlor und somit aus dem Turnier ausschied.

Zieht man allerdings in Betracht, dass das Spiel von weiteren 222.000 Österreichern in der ARD verfolgt wurde, wird damit auch Walchhofers Erfolg übertrumpft. Zudem ist stets zu beachten, dass bei all diesen Zahlen die Unmengen von Public Viewings nicht berücksichtigt werden. Beim Nachbarschaftsduell 2008 waren noch weitere 350.000 Fans auf der Straße, was die Zuschauerzahl ebenfalls noch einmal erhöht.

Die in Österreich meist gesehene Sendung überhaupt stammt aus dem November 2002. Damals verfolgten 2,6 Millionen Menschen die Berichterstattung zur Nationalratswahl, dahinter folgt mit 2,585 Millionen die Peter Alexander Show von 1991.

Solche Zahlen sind heute allerdings nicht mehr erreichbar. Der ORF verliert aufgrund der immer stärker werdenden Konkurrenz Monat für Monat an Marktanteilen und lediglich Sportereignisse, die über exklusive Lizenzen vergeben werden, können noch solche exorbitant große Massen vor den Bildschirm locken.

Was in Deutschland schon lange Usus ist, setzt sich nun auch in Österreich durch. Das Privatfernsehen angelt sich immer mehr Senderechte, die einst beim öffentlich-rechtlichen Monopolisten lagen. So werden die Auswärtsspiele der ÖFB-Elf für die WM-Qualifikation 2014 exklusiv bei ATV laufen, während sich Puls 4 ab der kommenden Saison die Champions League sichern konnte.

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OoK_PS, abseits.at

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