Nach der 1:3-Niederlage Rapids in Wolfsberg äußerten wir uns in einem Artikel durchaus bissig. Die Resonanz war entsprechend groß und intensiv. Aber keine Kritik... 7 Dinge, die Rapid bis zur Winterpause verbessern muss

Nach der 1:3-Niederlage Rapids in Wolfsberg äußerten wir uns in einem Artikel durchaus bissig. Die Resonanz war entsprechend groß und intensiv. Aber keine Kritik ohne Verbesserungsvorschläge. Was kann Rapid bis zur Winterpause machen – und lässt sich das Ruder noch vollständig herumreißen?

Eine komplette Trendumkehr zu fordern, wäre vermessen. Dafür ist vor der Winterpause zu wenig Zeit. Die zweiwöchige Länderspielpause ist nun die einzige Chance etwas am Mindset und der Physis der Mannschaft zu ändern. Ab dem 25.November geht es mit sechs Spielen in 22 Tagen in den Meisterschafts- und Europacupendspurt. An ein paar Rädchen kann man im Laufe der nächsten Wochen dennoch drehen. Und das nicht nur auf dem Platz.

Hände aus den Taschen

Die Grundtugenden jedes Profisports sind gefragt. Kämpfen ist angesagt. In einigen Spielen der letzten Monate hatte man bei Rapid häufig das Gefühl, dass die Spieler lieber einen Alibipass oder noch weniger machen, um ja keinen Fehler zu begehen. Nichts zu tun schien oft besser zu sein, als einen Fehler zu machen und daraufhin ausgepfiffen zu werden. An dieser Einstellung muss sich etwas ändern, denn auch wenn das Publikum aktuell natürlich nervös und ungeduldig ist, kann das Gros der Zuschauer immer noch zwischen unglücklich verlaufenem Bemühen und Nichtstun unterscheiden. Dieses nötige Bemühen wird speziell in den nächsten Wochen definitiv vom Publikum honoriert werden.

Körper und Geist ausruhen

Rapids Sportchef Fredy Bickel betonte zuletzt in einem Interview, dass man sich Müdigkeit auch einreden könne. Vielleicht ist es für die Rapid-Spieler sogar wichtiger, ihre Seelen auszuruhen, bevor es ins wichtige Herbstfinish geht. Was die Kicker mit ihren Körpern tun sollen, wird ohnehin durch das Trainerteam entschieden. Hier ist nun größtes Fingerspitzengefühl gefragt, denn der körperliche Zustand der Mannschaft ist alarmierend und sollte schleunigst verbessert werden. Trainingssteuerung ist hier das große Zauberwort. Und ab Winter muss man wohl auch über eine Änderung in der Fitnessabteilung des Staff nachdenken.

Selbstreflexion und kein Halt vor großen Namen

Bei seinem Amtsantritt betonte Didi Kühbauer, dass er nicht vor Namen in die Knie gehen würde, wenn die Leistungen nicht passen. Dies soll auch eine Forderung des Präsidiums gewesen sein. Es wäre an der Zeit diese „Drohung“ wahr zu machen. Zugleich sollten aber auch die Spieler die Größe zur Selbstreflexion besitzen und klar kommunizieren, wenn man derzeit nach eigenem Ermessen nicht in der Lage ist, der Mannschaft zu helfen. Das betrifft speziell die Stammspieler, allen voran die inferiore Mittelfeldzentrale um Schwab und Ljubicic, aber auch so manchen Flügelspieler. Ein Spiel Pause kann bei dem einen oder anderen Spieler Druck abbauen. Rotation ist nicht nur bei dichtem Programm wichtig und sollte nicht derart selektiv vonstattengehen. Auch Schlüsselspieler brauchen gelegentlich eine Nachdenkpause – und aktuell ist sie bei mehreren Akteuren überfällig.

Mentaltraining als wichtiger Baustein unserer Zeit

Jeder Top-Verein verfügt über einen oder mehrere Mentaltrainer. Dieser Aspekt hat auf internationaler Ebene bereits längst Einzug in den Alltag gehalten. Bei Rapid wird dieses Thema noch stiefmütterlich behandelt, wäre aber momentan ein wichtiger Baustein, um die Spieler wieder aufzurichten und ihnen dabei zu helfen, besser mit der schwierigen Situation umzugehen. Von Vereinsseite muss hier einerseits mehr kommen, andererseits mehr von den Spielern gefordert werden und diese wiederum müssen auch mitmachen. Das Training des Kopfes muss zu einem täglichen Aspekt werden und wann wäre die Einführung eines entsprechenden Rhythmus geeigneter als jetzt?

Vertrauen in die Wissenschaft

Mentaltraining ist eine hochwissenschaftliche Angelegenheit, die Ausbildung und Knowhow benötigt. Im modernen Fußball sind die angewandten Methoden ebenso wichtig wie andere Formen der Leistungsdiagnostik. Auf ebendiese wissenschaftlichen Möglichkeiten muss man als Spieler vertrauen, zumal sie in keiner Weise werten oder anprangern, sondern sie anhand von klar definierten Abläufen unterstützen. Dass der Fußballgott derzeit kaum Geschenke für Rapid parat hat, wurde erst wieder in der Nachspielzeit in Wolfsberg deutlich. Die unausgeschöpften wissenschaftlichen Möglichkeiten bieten hingegen deutlich mehr Lösungen an…

Transferoptionen überdenken

Winterzeit ist „softe“ Transferzeit. Einen Umbruch kann man natürlich noch nicht erwarten und es ist auch fraglich, ob der x-te Umbruch in wenigen Jahren nun endlich etwas bringen würde. Punktuell kann Rapid aber sicher schon reagieren. Fredy Bickel kündigte bereits an, dass der eine oder andere Spieler ausgemustert werden könnte, aber auch nach anderen Optionen könnte man bereits jetzt aktiv suchen. So soll norwegischen Medienberichten zufolge, der Erstligaaufsteiger Viking Stavanger an einer Rückholaktion von Veton Berisha interessiert sein. Dies würde Rapid wiederum die Chance geben, einen weiteren potentiellen Stamm- oder Schlüsselspieler zu holen. Die letzten beiden Meistersaisonen Rapid bewiesen, dass selbst kleine Adaptierungen Berge versetzen können: Vor dem Meistertitel 2005 holte Rapid erst im Winter Jozef Valachovic als stabilisierenden Abwehrchef und vor dem Meistertitel 2008 holte man ebenfalls in der Wintertransferzeit den damals noch verschmähten Stefan Maierhofer. Der Rest ist Geschichte.

Nicht blenden

Einen Tag nach dem Spiel gegen den LASK steht die ordentliche Hauptversammlung des SK Rapid an. Das Trainingszentrum wird dort ein wichtiger Tagesordnungspunkt sein, der die Stimmung bestimmt ein bisschen heben kann. Immerhin ist das neue Trainingszentrum ein weiterer Meilenstein in der Ära des „Baumeister-Präsidenten“ Michael Krammer. Ellenlange wirtschaftliche Abhandlungen in unverständlicher Sprache sollte man sich bei der Hauptversammlung jedoch sparen und auf kurze, trockene Fakten ohne langes Drumherum herunterbrechen. Klar ist Rapid in vielen Bereichen nicht untätig und einige Errungenschaften verschwinden aufgrund der sportlichen Misere unter dem Radar, aber sicher ist, dass die übliche Selbstbeweihräucherung die Stimmung nicht besser machen wird. Wenn dauernd von einem insgesamt weiterhin fragwürdigen „Gemeinsam“ die Rede ist, braucht es keine Blendgranaten in Form von halbwichtigen Erfolgsmeldungen von der Sponsorenfront oder aus der eSports-Bundesliga. Was zählt findet immer noch am Platz statt und dort haut’s gerade nicht hin, wie’s sollte – und das sollen bei der Hauptversammlung ruhig auch „alle gemeinsam“ auslöffeln und nicht nur die Spieler.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen