Im Topspiel der zehnten Runde der österreichischen Bundesliga gewann die Wiener Austria gegen Altach mit 2:0. Dabei offenbarten die Wiener in dem Spiel zwei... Analyse: Austria gelingt Revanche gegen Altach

Im Topspiel der zehnten Runde der österreichischen Bundesliga gewann die Wiener Austria gegen Altach mit 2:0. Dabei offenbarten die Wiener in dem Spiel zwei Gesichter. Während man sich in der ersten Halbzeit noch schwer tat und eher passiv agierte, konnte man in der zweiten einige Gänge hochschalten, wesentlich mehr für das Spiel tun und auch Torchancen kreieren. Dies machte sich letztlich bezahlt und man feierte einen verdienten Erfolg, womit man sich für die 0:3 Klatsche zum Saisonstart revanchierte.

Erneut notgedrungene Umstellungen bei den Veilchen

Der Austria blieb nach dem harten Europacup-Fight in Athen wenig Zeit zum durchschnaufen und es galt sich bereits wieder auf den nächsten Gegner einzustellen. Erschwert wurde diese Aufgabe zusätzlich durch die kurzfristigen Ausfälle von Holzhauser und Prokop, die über Nacht erkrankten und sich abmeldeten, zusätzlich zu den weiteren zahlreichen Verletzten. Dadurch musste der brasilianische Neuzugang Ruan Renato notgedrungen sein Bundesliga-Debüt feiern, nachdem er eigentlich erst nach der Länderspielpause ein Thema werden sollte, und bildete gemeinsam mit dem jungen Kadiri die Innenverteidigung. Stattdessen nahm Serbest seine angestammte Position auf der Sechs wieder ein und übernahm zusätzlich auch noch die Kapitänsbinde von Holzhauser.

Durch die vielen Ausfälle und schweren Beine, aufgrund der vielen englischen Wochen, entschied sich Trainer Fink die Spielanlage etwas anzupassen und vom dominanten Ballbesitzspiel teilweise abzurücken. Das lag aber vor allem auch daran, dass von der wichtigen zentralen Achse de facto nur noch Serbest übrigblieb und es deshalb an den Automatismen klarerweise noch mangelt. Man formierte sich in der gewohnten 4-1-4-1 Anordnung, verzichtete jedoch zumeist auf das höhere Attackieren und agierte wesentlich tiefer und abwartender als gewohnt. Der Plan der Violetten sah zunächst vor, den Gegner kommen zu lassen und ihm den Spielaufbau zu überlassen, damit man auf etwaige Fehler lauern kann und dann im Umschaltspiel Nadelstiche setzt, wie es in den vergangenen beiden Partien ebenfalls der Plan war. Im Ballbesitz verzichtete man ebenfalls zumeist auf das gewohnte Abkippen und Serbest besetzte konstant den Raum vor der Abwehr, um für Stabilität im Zentrum zu sorgen.

Die Gäste aus Altach wollten auf der anderen Seite eine etwaige Müdigkeit der Austria von Beginn an ausnutzen und sie setzten deshalb auf ein frühzeitiges Attackieren, um möglichst hohe Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte zu erzielen. Trainer Schmidt schickte mit diesem Ziel seine Mannschaft in der gewohnten 4-1-4-1 Formation auf das Feld, wobei es gegen den Ball im Pressing auch mal zu einem 4-2-3-1/4-3-3 wurde, wenn sich der Sechser der Austria nach hinten fallen ließ. Aber auch sonst orientierte sich ein Offensivspieler immer an dem Sechser (Serbest) und versuchte Anspiele auf diesen zu unterbinden. Im Ballbesitzspiel wollte man anders als in der Vergangenheit ebenfalls aktiv sein und versuchte durchaus spielerisch und gepflegt nach vorne zu kommen. Der Fokus lag dabei ganz klar auf Flügeldurchbrüche, die man u.a. mithilfe der beiden offensivstarken Außenverteidiger kreieren wollte. Darüber hinaus setzte man im Mittelfeld auf eine asymmetrische Formation, in welcher der Flügelflitzer Gebauer eine breitere und höhere Rolle zugewiesen bekam, um dem Spiel Breite zu geben und für mehr Präsenz in höheren Zonen zu sorgen, während auf der linken Seite Dobras immer wieder ins Zentrum einrückte und dort immer wieder aufzufinden war.

Durchwachsene und ereignisarme erste Halbzeit

Das Spiel nahm zunächst den zu erwartenden Verlauf an. Altach konnte höhere Ballbesitzanteile verzeichnen, während die Austria passiver agierte und den Gegner bei diesem Unterfangen zunächst gewähren ließ. Die Gäste ließen den Ball relativ gemächlich in den eigenen Reihen zirkulieren und versuchten dann meistens nach dem gleichen Muster in höhere Zonen vorzustoßen. Man lockte den Gastgeber auf eine Seite und wartete auf das Verschieben, um dann immer wieder Spielverlagerungen auf die andere Seite einzubauen und mit dem hinterlaufenden Außenverteidiger Räume für Durchbrüche zu schaffen. Dies klappte jedoch nur in den seltensten Fällen, da die Austria meist schnell genug nachrückte und auf die Außenverteidiger scheinbar gut vorbereitet war.

Auf der anderen Seite versuchte die Austria durchaus auch, das Spiel von hinten aufzubauen und längere Ballbesitzphasen zu verzeichnen. Jedoch wurden sie immer wieder von den Vorarlbergern vorne angelaufen und hatten damit Probleme. Zwar leistete man sich kaum Ballverluste und konnte sich auch mal aus der Umklammerung befreien, jedoch waren die Automatismen sichtlich nicht ausgereift und es mangelte immer wieder an passsenden Anschlussaktionen nach vorne. Dadurch kam man nur selten wirklich gefährlich in Nähe des gegnerischen Strafraumes und erspielte sich auch kaum aussichtsreiche Situationen. Einzig der formstarke Pires konnte mittels Einzelaktionen hier und da für etwas Betrieb sorgen, aber die Gäste deckten ihn auch meist konsequent mit mindesten zwei, manchmal auch drei Mann, wodurch es selbst für ihn schwierig wurde Lösungen zu finden.

Altach andererseits tat sich ebenfalls schwer, wirkliche Lösungen gegen die gut gestaffelte Defensive der Wiener zu finden. Der Versuch, über die Flügel zu agieren und dort den Fokus zu legen, wurde vom Gegner gut unterbunden. Das Zentrum vermochte man ebenfalls nicht passend einzubinden, da auch Serbest den Spielmacher Nutz gut bewachte und immer wieder gut unter Druck setzte. Nutz versuchte deshalb immer öfter sich die Bälle sehr tief zu holen und Anschluss ans Spiel zu finden, jedoch fehlte er dann in höheren Zonen. Durch all diese Faktoren wurde es ein ziemlich schwaches und ereignisloses Bundesligaspiel, wo sich beide Mannschaften mehr oder weniger neutralisierten.

Nach gut zwanzig, fünfundzwanzig Minuten verzeichnete die Austria höhere Ballbesitzanteile, als es noch zu Beginn der Fall war und nahm das Spiel etwas mehr in die Hand. Jedoch fand man in höheren Zonen kaum Lösungen und war gezwungen immer wieder nach hinten zu spielen und die Angriffe abzubrechen oder fand kein Durchkommen. Das lag auch daran, dass die beiden Achter Lee und Alhassan kaum ins Spiel fanden und sich vor allem mit dem Pressing der Altacher mühten. Dadurch blieben Chancen auch weiterhin Mangelware. Die beste und einzig nennenswerte auf beiden Seiten hatten noch die Gastgeber, als nach einem Eckball Lienhart den Kopfball von Alhassan vor der Linie klärte. Dadurch verbrachten beide Torhüter einen ruhigen Nachmittag und mussten in dieser ganz schwachen Halbzeit gar nicht eingreifen, womit es torlos in die Kabine ging.

Austria erhöht die Schlagzahl und wird aktiver

Nach der Halbzeit reagierte Trainer Fink auf die schwache Performance seiner Mannschaft und nahm Anpassungen vor. Er veränderte die Strategie und kehrte nun zum normalen Spielstil zurück, womit man wieder deutlich aktiver agierte und die Altacher nun frühzeitig mittels Angriffspressing anlief. Das schien auch gleich zu fruchten und die Gäste wirkten von dieser Rhythmusveränderung etwas überrascht. Die Austria konnte nun einige hohe Ballgewinne erzwingen und schien allgemein in den Zweikämpfen nun präsenter. Auch im Ballbesitz rückte man nun wesentlich weiter auf und spielte mutiger nach vorne. Dabei waren speziell immer wieder die beiden Flügelspieler Pires & Tajouri Ausganspunkte für die Offensivaktionen. Speziell Letzterer rückte nun immer wieder in die Mitte ein, übernahm quasi die Rolle des Spielmachers und sorgte so für Unordnung beim Gegner.

Trotz der Überlegenheit der Wiener, hatte zunächst Altach die erste große Chance in Halbzeit zwei. Gebauer setzte sich mit etwas Glück gegen Kadiri durch, setzte den Ball alleine vor dem Torhüter allerdings an die Latte. Die Austria schien sich davon jedoch nicht beirren zu lassen und machte in der gleichen Tonart weiter. Man verzeichnete ebenfalls einen Aluminiumtreffer. Nach schöner Vorarbeit von Serbest, knallte Friesenbichler den Ball an den Pfosten und Pires setzte den Nachschuss neben das Tor. An der nächsten Großchance war Pires ebenfalls beteiligt. Nach schönem Zuspiel von Klein scheiterte der Brasilianer zweimal an Torhüter Kobras.

Die dritte Großchance der Gastgeber wurde dann allerdings verwertet. Nachdem Serbest im Pressing den Ball erobern konnte, kam im Anschluss Salamon an den Ball, der per Maßflanke Alhassan bediente, welcher aus dem Rückraum gesprintet war und den Ball ins Netz zum 1:0 beförderte. Mit der Führung im Rücken strahlten die Veilchen nun Ruhe aus und kontrollierten die Partie auch weiterhin. Jedoch zwang eine weitere Verletzung die Veilchen zu erneuten Umstellungen. Innenverteidiger Ruan musste angeschlagen raus, weshalb Serbest erneut in die Innenverteidigung musste und das Zentrum nun die beiden Achter De Paula und Alhassan bildeten. Diese Umstellungen sollten jedoch nicht mehr ausgetestet werden. Kapitän Netzer brannten die Sicherungen durch und er leistete sich einen Kopfstoß, weshalb er folgerichtig mit Rot vom Platz flog und seiner Mannschaft damit einen Bärendienst erwies.

In Unterzahl konnten die Gäste nicht mehr zulegen, im Gegenteil. Nach einem hohen Ballgewinn von De Paula, bediente dieser Friesenbichler, der mit einem satten Schuss zum 2:0 traf und damit für den Endstand in dieser Partie sorgte.

Fazit

Die Austria feierte letztlich einen verdienten Heimerfolg und hält somit auch weiterhin den Kontakt zur Tabellenspitze. Dabei war vor allem die deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit ausschlaggebend, die den Weg für diesen wichtigen Sieg ebnete. Hoch anzurechnen ist es jedenfalls, dass man trotz vieler Ausfälle und Umstellungen erneut ungeschlagen blieb und mittlerweile eine Serie von acht ungeschlagenen Spielen vorzuweisen hat. Umso bemerkenswerter wird diese Tatsache wenn man bedenkt, dass gegen Altach – im Vergleich zur vergangenen Saison – mit Serbest und Abstrichen Tajouri de facto nur noch zwei Stammspieler übriggeblieben sind. Altach hingegen muss punktelos die lange Heimreise nach Vorarlberg antreten. Zwar trat man recht ordentlich auf in der ersten Halbzeit, strahlte jedoch insgesamt zu wenig Gefahr aus, um einen Sieg einfahren zu können. Einzig die Chance von Gebauer hätte dem Spiel wohl eine andere Wendung gegeben, die man jedoch nicht nutzen konnte und sich somit geschlagen geben musste.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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