Am fünften Spieltag in der Meisterrunde der österreichischen Bundesliga, gastierte die Austria zum Rückspiel beim SKN St. Pölten. Für die Wiener hatte dieses... Analyse: Austria müht sich in St. Pölten zum Sieg

 

Am fünften Spieltag in der Meisterrunde der österreichischen Bundesliga, gastierte die Austria zum Rückspiel beim SKN St. Pölten. Für die Wiener hatte dieses Spiel dabei Endspiel-Charakter, denn nur ein Sieg hätte die Möglichkeit auf den Europacup-Startplatz gewahrt, nachdem man unter der Woche nur ein Unentschieden gegen die Niederösterreicher erringen konnte. Dementsprechend groß war auch der Druck bei den Veilchen, vor allem nachdem auch bei den Fans der Geduldsfaden riss und sich Unmut breitmachte. Trainer Robert Ibertsberger griff dann auch zu einer Maßnahme, mit denen die wenigsten gerechnet hätten.

Versuch den Spielaufbau zu verbessern

Die Austria veränderte im Vergleich zum letzten Spiel gegen die Niederösterreicher die Mannschaft auf mehreren Positionen. So rutschten nicht nur der wieder verfügbare Madl und Kapitän Grünwald in die Mannschaft, sondern darüber hinaus wurde mit Demaku und Matic das zentrale Mittelfeld personell neu aufgestellt. Die größte Überraschung war allerdings ein vollzogener Torwartwechsel, denn statt Pentz rückte Lucic ins Tor und durfte damit ein Debüt in der Bundesliga feiern. Das System der Austria blieb dabei recht ähnlich wie im Hinspiel, nämlich eine 3-4-3/3-4-1-2-Mischformation im Ballbesitz, die gegen den Ball zu einem 5-2-3 mutierte. Grünwald und Turgeman mussten in der Defensive die Außenpositionen doppeln, während sie im Ballbesitz ins Zentrum rücken konnten – ergo Grünwald auf die Zehnerposition und Turgeman in die Sturmspitze. Das Positionspiel der Austria kann man beim nächsten Bild recht gut erkennen:

Das System der Austria wird im Ballbesitz zu einem 3-4-1-2, wo Kapitän Grünwald stark ins Zentrum einrückt und Turgeman mit Monschein die Doppelspitze bildet.

Durch die leichte Systemumstellung, musste das Bewegungsspiel der Offensivspieler natürlich adaptiert werden. So waren nun die beiden Stürmer gefragt, sich nach hinten fallen zu lassen und anspielbar zu werden, da sonst Kapitän Grünwald alleine den Zwischenlinienraum bearbeiten hätte müssen. So gab es vor allem von Turgeman starke Fallbewegungen zu beobachten, einerseits auf den linken Flügel, aber ebenso in Richtung linken Halbraum.

Diese Bewegungen von Turgeman kombinierte die Austria mit Verbesserungen im Spielaufbau. Auf der linken Seite lag dabei der Fokus, wo Igor mit dem Ball nach vorne stoßen, während Flügelverteidiger Martschinko weit aufrückte und seinen Gegenspieler nach hinten drücken sollte, damit dieser nicht herausrücken konnte. Es öffnete sich immer wieder die Schnittstelle zwischen den drei Stürmern der St. Pöltner und Igor konnte dadurch den zurückfallenden Turgeman in der Anfangsphase einige Male anspielen, wodurch die Austria ins letzte Drittel kam. Darüber hinaus sollte Madl seine Positionierung sehr breit auslegen, weshalb er oft nahe an der Seitenlinie stand und mehr oder weniger einen Rechtsverteidiger gab, der auch immer wieder nach vorne stieß. Dadurch wollte man die drei Stürmer der Niederösterreicher auseinanderziehen und Platz für die beiden Sechser schaffen. Ergänzend dazu sollten sich nämlich auch die beiden neuen Sechser Matic und Demaku wechselseitig kurz anbieten und den Ball hinter der Sturmreihe der Gastgeber fordern.

Diese Adaptionen im Spielaufbau, wirkten sich zunächst auch positiv auf das Spiel der Austria aus. Man konnte dadurch die St. Pöltner einige Male von hinten aufreißen und einen wesentlich flüssigeren Übergang in die gegnerische Hälfte gewährleisten, als es noch wenige Tage zuvor der Fall war. Dadurch zwang man auch die Niederösterreicher öfter zu einem tiefen 5-4-1, da sie weiter zurückwichen, um das Durchspielen der Austria zu unterbinden und hinten kompakter zu stehen. Das war beim Spiel in Wien noch gänzlich anders gelagert, da St. Pölten die meiste Zeit im 5-2-3 verteidigte und die Austria kaum über die erste Pressinglinie der Wölfe kam. Das war damit schon mal ein kleiner Erfolg der Violetten, die auch zu einer guten Anfangsphase führten, wo man nicht nur in Führung hätte gehen können, sondern auch mit über 70 Prozent Ballbesitz in dieser Hinsicht drückend überlegen war und das Spiel vollkommen kontrollierte.

St. Pölten stellt um und bekommt mehr Zugriff  

Nach rund einer Viertelstunde, erkannte der SKN-Trainer Popovic allerdings die Problematik, dass seine Mannschaft zu tief verteidigte und die linke Zone nicht in den Griff bekam. Also stellte er das System mehr auf ein 5-3-2 um, indem der eingewechselte Schütz auf einer Höhe mit der Sturmspitze Gartler beorderte, während sich auf der anderen Seite Balic fallen lassen und damit auf einer Höhe mit den beiden Sechsern der Niederösterreicher agieren sollte. Der Hintergedanke dahinter war, dass Schütz durch sein Vorrücken den spielstarken Igor die Passwege zustellen und dessen Vorrücken nach vorne erschweren konnte, während hinter den Stürmern Gartler und Schütz, die drei Mittelfeldspieler des SKN stärker zur ballnahen Seite verschieben konnten, um ebenfalls diese Region zuzustellen und die Austria auf die andere Seite zu drängen. Dadurch gewährleistete man also, dass man in dieser Zone massiver dastand und mit der erhöhten Präsenz ein Vorwärtskommen erschwerte.

Und diese Umstellung sorgte prompt dafür, dass die Gastgeber die Wiener besser in den Griff und verteidigt bekamen. Die Austria fand nun kaum mehr Turgeman im Halbraum, musste oft die Seite verlagern und über die rechte Seite versuchen, Lücken zu finden. Die Folge war, dass die Austria viel in die Breite spielte, aber nur selten wirklich in den Zwischenlinienraum und den zentralen Regionen durchdrang. Dadurch verstärkte sich immer mehr der Fokus auf das Flügelspiel und auch hohe Bälle wurden vermehrt eingestreut, um die Niederösterreicher zu knacken. Nach wie vor hatte man aber hohe Ballbesitzanteile, auch wenn nun mehr in die Breite gespielt wurde. Etwa zehn Minuten nach dieser Umstellung, kam der SKN nach gut einer halben Stunde das erste Mal in den gegnerischen Strafraum und holte prompt einen Elfmeter heraus, den man souverän zur 1:0 Führung verwandelte. Die Austria fühlte sich in einem Déjà-vu gefangen und trotz drückender Ballbesitzüberlegenheit und Chancenplus, lag man wieder einmal in Rückstand.

Der Motor im Offensivspiel der Austria stotterte dadurch weiter und man tat sich schwer, konstruktiv ins letzte Drittel einzudringen und dort dann Lösungen zu finden. Es fehlten den Wiener sichtlich dribbelstarke Akteure in ihren Reihen, die auch einmal mit Dynamik ein Eins gegen Eins gewinnen und so Lücken beim Gegner aufreißen konnten. So blieb das Spiel im letzten Drittel oft recht statisch und man beschränkte sich darauf, viele Flanken in den Strafraum zu schlagen, die jedoch wenig erfolgsversprechend und relativ einfach von den Gastgebern verteidigt werden konnten. Die einzig beiden Ausgleichsmöglichkeiten fand die Austria nach einem Distanzschuss von Martschinko und einem Kopfball von Schoissengeyr, der nach einem Grünwald-Freistoß von der Mittellinie nur die Stange traf. Somit ging es mit dem 1:0 für den SKN in die Halbzeitpause.

Zerfahrenes Spiel mit vielen Zweikämpfen und Fouls

Nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, versuchten die Gastgeber etwas aktiver zu sein und streuten auch Pressingsequenzen ein, wo sie den Gegner frühzeitig unter Druck setzten. Dadurch konnte der SKN die ersten Minuten etwas offener gestalten und man blieben nun nicht nur tief in der eigenen Hälfte stehen. Doch nach einigen Minuten flachte dieser Ansatz rasch wieder ab und man bekam das gewohnt tiefe Bild der St. Pöltner zu sehen, die den Gegner kommen ließen. Die Austria versuchte durch eine etwas tiefere Positionierung von Martschinko das Aufbauspiel besser in den Gang zu bringen und über die Außenbahn die Gastgeber zu knacken. Da SKN-Verteidiger Ingolitsch den fallenden Martschinko verfolgte, versuchte die Austria hohe Bälle in dessen Rücken zu spielen, um so nach vorne zu kommen. Nach einem ähnlichen Muster erzielte dann die Austria auch den Ausgleichstreffer, wie man im Vorfeld dieses Tores zu sehen bekam:

Die Austria in Ballbesitz, Igor stößt mit dem Ball nach vorne und dribbelt an, Flügelverteidiger Martschinko kommt etwas entgegen und lockt seinen Gegenspieler heraus. Turgeman erkennt diese Situation und dass er ebenfalls verfolgt wird, lässt sich zunächst kurz in den Halbraum fallen, um sich dann umzudrehen, in die Tiefe zu starten und den freien Raum zu attackieren, wo ihn Igor mit einem Chipball auch anspielt (gelbes Fenster). Die nachfolgende Flanke von Turgeman, verwertet Kapitän Grünwald zum Ausgleich.

Nach dem Ausgleichstreffer der Austria, blieb das Spiel die meiste Zeit umkämpft und vor allem in den Zweikämpfen ging es zur Sache. Durch insgesamt 43 Fouls in dieser Partie, war der Spielfluss permanent gestört und das Spiel wurde immer zerfahrener. Beide fanden gegen den anderen keine wirklichen Lösungen und man neutralisierte sich mehr oder weniger. Die Austria hatte weiterhin zwar drückend viel Ballbesitz, vermochte es allerdings zu selten, geordnet und flach ins letzte Drittel einzudringen – vor allem aber über die zentralen Regionen. Zu oft traf man die falschen Entscheidungen, zeigte zu wenig Ruhe am Ball und bewegte sich nicht passend, um in den Zwischenlinienraum zu kommen. So ging das meiste über Flügelverteidiger Martschinko und allgemein das Flankenspiel, weshalb die Austria in dem Spiel auch 27 Flanken schlug, was ein extrem hoher Wert ist.

Die violetten Gäste versuchten mit ihren Wechseln offensiver zu werden und brachten mit Prokop und Edomwonyi frische Kräfte in das Spiel hinein. Vor allem Prokop konnte durch seine Präsenz und gute Positionierung im Halbraum, für zumindest etwas mehr Zug und Dynamik im zweiten Spielfelddrittel sorgen. Chancen blieben jedoch auf beiden Seiten Mangelware, wobei Prokop einmal Matic freispielte, dessen Distanzschuss jedoch von Riegler pariert wurde und Schoissengeyr zum wiederholten Male nach einer Standardsituation den Ball nicht im Kasten unterbrachte. Als es ganz so schien, als würde es auf ein Unentschieden hinauslaufen, bekam dieses Spiel noch einmal eine Priese Dramatik verpasst. Die Austria bediente, ähnlich wie beim Ausgleich, in der Nachspielzeit mit einem Chipball Edomwonyi im Rücken der rechten Seite des SKN, und dessen Flanke auf den zweiten Pfosten erreichte den aufgerückte Madl, der an Gegenspieler Haas vorbeizog und vom Flügelverteidiger regelwidrig zu Fall gebracht wurde, was einen Strafstoß zur Folge hatte.

Den fälligen Elfmeter von Turgeman, konnte der SKN-Torhüter Riegler stark parieren, ehe über Umwege der Ball erneut zum israelischen Nationalstürmer kam und dieser den Ball im Tor zum vielumjubelten 2:1-Siegestreffer unterbrachte, ehe der Schiedsrichter die Partie abpfiff.

Fazit

Die Austria kann es also doch noch. Nach einer wochenlangen Durststrecke, fuhren die Violetten den ersten Sieg in der Meisterrunde ein und wahrten damit die Chance auf einen Europacup-Startplatz. Dabei startete man wie so oft recht gut in die Partie hinein und dominierte nicht nur den Gegner nach Belieben mit temporären Ballbesitzwerten von bis zu 80 Prozent, sondern kam auch zu zwei guten Gelegenheiten, wo man in Führung hätte gehen können. Nach einer Viertelstunde, flachte dann diese gute Phase der Austria merklich ab, da sich auch der SKN besser auf das Spiel der Gäste einstellte. Die Wiener taten sich folglich äußerst schwer, geordnet und flüssig in das letzte Spielfelddrittel einzudringen und Lösungen gegen den tiefstehenden Gegner zu finden. Es kam sogar noch dicker für die Violetten, als nämlich der Gegner mit der ersten Offensivaktion prompt einen Elfmeter herausholte und aus dem Nichts in Führung ging.

Das Spiel der Austria wurde dadurch klarerweise nicht besser und man tat sich bis zum Schluss schwer, den Gegner mit spielerischen Mitteln zu knacken. Die Folge davon waren nicht nur viele Flanken, sondern auch, dass man hauptsächlich über Standards für Gefahr sorgen konnte. Man kämpfte sich allerdings dennoch zurück und erzwang förmlich den Ausgleich, ehe man in der Nachspielzeit auf hochdramatische Art und Weise den Sieg tatsächlich noch einfahren konnte. Letztlich war dieser Erfolg trotz der Schwierigkeiten und des spät erzielten Treffers durchaus verdient, denn nicht nur, dass man wesentlich mehr Ballbesitz und Kontrolle über das Spiel hatte, auch die Expected-Goal Wertung fiel mit 3:0,9 deutlich zu Gunsten der Austria aus. Damit melden sich die Veilchen zurück im Kampf um einen Europacup-Startplatz und halten die Chancen weiter am Leben.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic