Red Bull Salzburg musste sich nach dem erfolgreichen Euro-League-Auftritt am Donnerstag gegen Konyaspor in der Südstadt gegen die Admira mit einem glücklichen Unentschieden zufrieden... Analyse: Schmeichelhafter Punkt für Salzburg in der Südstadt

Red Bull Salzburg musste sich nach dem erfolgreichen Euro-League-Auftritt am Donnerstag gegen Konyaspor in der Südstadt gegen die Admira mit einem glücklichen Unentschieden zufrieden geben. Die Mannschaft von Ernst Baumeister hat dabei erneut unter Beweis gestellt, dass sie mit ihrer Spielanlage und den vorhandenen Spielertypen jeden Gegner in dieser Liga bespielen können. Auch gegen Salzburg kamen sie zu etlichen Torchancen und gefährlichen Aktionen im dritten Drittel, welche aber nicht konsequent zu Ende gebracht wurden. Salzburg hingegen konnte nicht den typischen RB-Fußball auf den Rasen bringen, was vermutlich auch mit der Doppelbelastung zusammenhängen dürfte. Eine Analyse der wesentlichsten Aspekte in diesem Spiel.

Grundordnungen und Personal

Ernst Baumeister schickte seine Mannschaft wieder in einer 4-4-1-1-Grundordnung in das Spiel gegen den amtierenden Meister. Vor Andreas Leitner im Tor bildeten wie gewohnt Strauss und Wostry das stabile und robuste Innenverteidiger-Duo. Auf der linken Abwehrseite kam Allrounder Ebner zum Zug, welcher im Aufbauspiel zumindest in Ansätzen eine taktisch interessante Rolle auszufüllen hatte. Die rechte Abwehrseite besetzte Stephan Zwierschitz.
Das zentrale Mittefeld bestand ebenfalls wieder aus Lackner und Knasmüllner, welche beide sehr beweglich und weiträumig agierten und so immer Verbindungen und die notwendige Kompaktheit zu den vorderen vier Spielern hielten. Die angesprochenen vorderen vier Spieler bei der Admira waren die beiden Flügelspieler Sax und Starkl sowie das interessante Sturm-Duo Grozurek und Youngster Kalajdzic. Dieses Quartett sollte für so manche Probleme in der Salzburger Hintermannschaft sorgen.

Bei Marco Rose blieb die ganz große Rotation aus, auch aufgrund der nach wie vor ziemlich angespannten Personalsituation. Lediglich Wolf, Haidara und der gesperrte Caleta-Car bekamen eine Pause. Jerome Onguene besetzte deshalb neben Miranda die vakante Innenverteidiger-Position. Christoph Leitgeb kam auf der frei gewordenen Achter-Position zu seinem zweiten Startelfeinsatz in dieser Saison und Xaver Schlager ersetzte Hannes Wolf auf der Zehn in der gewohnten 4-3-1-2 Grundordnung von Marco Rose. Ansonsten blieb die personelle Zusammensetzung bei den Bullen unverändert. Heißt auch, dass die in den letzten Spielen sehr gut zueinandergefunden Dabbur und Gulbrandsen wieder die Sturmlinie bildeten.

Admira spielt richtig guten Fußball

Hans Krankl hat vor dem Spiel im Sky-Studio die einfache Sprache von Ernst Baumeister gelobt, deshalb nehmen wir uns, zumindest in der Überschrift, ein Beispiel daran. Aber diese Schlichtheit trifft auch ganz gut auf das Spiel der Admira zu. Sie sind weder im Spiel gegen den Ball noch im eigenen Ballbesitzspiel irgendwie ungewöhnlich oder gar spektakulär, aber sie machen die einfachen Dinge konstant gut und sehr sauber. Und diese Einfachheit scheint auch positive Auswirkungen auf die Kreativität im eigenen Angriffsspiel zu haben.

Zuvor werfen wir aber noch kurz einen Blick auf das Defensivkonzept der Südstädter gegen RB Salzburg. Die Admira positionierte sich dabei wieder in einer 4-4-1-1 Ordnung, in der Kalajdzic immer etwas tiefer als Grozurek spielte und sich dabei auch am Bullen-Sechser Samassekou orientieren konnte.

Die Pressinghöhe wurde dabei ähnlich moderat gewählt wie die Grundordnung, aber sie war in diesem Spiel gegen die Bullen durchaus passend. Dabei wählte Baumeister ein etwas höher angelegtes Mittelfeldpressing, in dem man den Salzburgern in deren eigenen Hälfte etwa 30 Meter ohne Druck zugestand, aber bei Pässen in die eigene Pressingzone konsequent und sehr aggressiv Druck auf den ballführenden Spieler ausübte. Das Mittefeld schob dabei meist gut nach und schloss den Raum hinter den beiden vordersten Spielern, sodass deren Pressingbewegungen meist mit dem nötigen Nachdruck ausgeführt werden konnten.

Innerhalb dieser 4-4-1-1 Grundordnung ist das Defensivverhalten der Flügelspieler sehr mannorientiert an den gegnerischen Außenverteidigern angelegt. Gegen Red Bull mit deren hoch aufgerückten Außenverteidigern hätte dies im Normalfall sehr häufig zu aufgefüllten Sechserketten und sehr passiven Positionierungen führen können. Ehrlich gesagt hätte ich vor Spielbeginn auch fix damit gerechnet, schließlich hätte dies Red Bull auch zu mehr Dominanz und Spielkontrolle verholfen. Gekommen ist es dann aber doch anders. Ulmer und Lainer blieben in der ersten Aufbauphase bei Ballbesitz von Walke bzw. den Innenverteidigern ungewöhnlich tief und somit vor den Flügelspielern der Admira. Diese konnten dadurch ihre Positionen halten und mussten sich nicht nach hinten, neben die beiden Außenverteidiger, fallen lassen. Dies wirkte sich äußerst positiv auf die Kompaktheit und den Zugriff im Spiel gegen den Ball aus.

Eine höhere Positionierung im Aufbauspiel der Salzburger Außenverteidiger im Rücken von Starkl und Sax hätte die Statik des gesamten Spiels vermutlich doch wesentlich verändert. So konnte Salzburg aber über die gesamten 90 Minuten den Ball und den Gegner nie wirklich kontrollieren und es entstand ein Spiel mit vielen engen Zweikämpfen, vielen Umschaltmomenten und teilweise großen Abständen innerhalb der einzelnen Mannschaftsteile, was Marco Rose auch im Anschluss des Spiels angesprochen hat.

In dieser Grafik sieht man die Strukturen beider Teams bei Aufbauspiel von Salzburg. Die Innenverteidiger von Salzburg wurden dabei nicht sofort attackiert, vielmehr wurden ihnen mit vielen lokalen Mannorientierungen die Optionen nach vorne genommen und das Spiel somit immer wieder auf die Außenverteidiger und die Flügelzonen gelenkt.

Ab und zu streuten die Südstädter in ihr Spiel gegen den Ball auch ein situatives Angriffspressing ein, allerdings nur sehr vereinzelt und äußerst dosiert. Abstöße von Alex Walke zum Beispiel wurden versucht zuzustellen. Dafür stellten die beiden Stürmer Grozurek und Kalajdzic die Passwege auf die Salzburger Innenverteidiger zu, der dadurch geöffnete Passweg auf Samassekou wurde durch das mannorientiere Aufrücken von Knasmüllner neutralisiert. Dies reichte aber aus und war ein weiterer kleiner Rhythmus-Brecher im Spiel der Salzburger Bullen.

Ein Versuch der Asymmetrie im Aufbauspiel der Admira

Auch wenn es kein wirklich spielentscheidendes Element war, muss man die asymmetrische Struktur im Aufbauspiel der Admira in dieser Analyse zumindest erwähnen. Die Idee dahinter war ja grundsätzlich gut, nur gab es schlichtweg zu wenig klare Aufbauszenen in dieser offenen Partie für die Südstädter, um aus dieser Struktur auch geplant vorgetragene Angriffe starten zu können.

Kommen wir aber noch einmal zurück zur Asymmetrie. Schlüsselrollen hatten dabei die beiden Außenverteidiger Zwierschitz und Ebner inne. Während Zwierschitz aufrückte und sich auf Höhe der Mittellinie positionierte, blieb Ebner tief und kreierte zusammen mit den Innenverteidigern eine Dreierkette in deren hintersten Linie. Strauss positionierte sich dafür in der zentralen Position, Wostry gab in diesen Situationen den rechten Halbverteidiger. Vor dieser Dreierkette war es Lackner, der sich für vertikale Pässe im Sechserraum hinter der ersten Pressingreihe von Salzburg anbot. Der zweite Sechser Knasmüllner positionierte sich derweilen schon in höheren Zonen und driftete häufig in den rechten Halbraum, wo die Admira aufgrund der asymmetrischen Ausrichtung versuchte, Überzahlsituationen herzustellen und mit vielen kleinräumigen Aktionen über die Flügel bzw. die Halbräume durchzubrechen. Bei der Großchance von Kalajdzic zu Spielbeginn konnte man dies zum Beispiel erkennen. Dazu kommt, dass Ernst Baumeister mit seinen schnellen und technisch beschlagenen Akteuren die passenden Spielertypen dazu hat. Für Salzburg war diese Konstellation einfach sehr unangenehm zu verteidigen. In der unten stehenden Grafik sieht man eine solche Spielsituation.

Große Probleme in diesem Zusammenhang hatten die Salzburger Abwehrspieler mit dem groß gewachsenen Kalajdzic, der logischerweise als Zielspieler für die langen Bälle aus der Abwehr fungierte und diese entweder sofort weiterleitete oder behauptete und auf die umliegenden Spieler ablegte. Oder es ergaben sich dabei nur kurzzeitig offene zweite Bälle, die aufgrund der gegebenen Kompaktheit meistens bei den Südstädtern landeten.

Die grundsätzlich etwas asymmetrische Ausrichtung der Admira kann man auch anhand der Heatmaps der beiden Außenverteidiger Ebner und Zwierschitz nachvollziehen. Solche Heatmaps sind zwar immer mit Vorsicht zu genießen und lange nicht so aussagekräftig wie zum Beispiel Positionsdaten, dennoch geben sie uns in diesem Fall einen guten Überblick über die durchschnittlichen Positionen der beiden Außenverteidiger.

Auf der linken Spielfeldseite sieht man die Aktionsräume von Ebner, auf der rechten Seite jene von Zwierschitz. Man sieht recht deutlich, dass Zwierschitz seine durchschnittliche Positionierung wesentlich höher anlegte als Ebner auf links.

Salzburg mit wenig Red-Bull-Fußball

Es ist zwar immer recht einfach, ein überschaubares Spiel auf die Doppelbelastung und die verkürzte Vorbereitungszeit zu reduzieren, im Fall von Salzburg dürfte dies aber tatsächlich ein wesentlicher Punkt für diese Leistung gewesen sein. Sie hatten nicht die nötige Frische und Schnelligkeit in ihrem Spiel, um für Kontrolle und Durchschlagskraft zu sorgen.

Vor allem die Strukturen und Positionen im eigenen Ballbesitz waren nicht so sauber und klar wie man das normal unter Marco Rose kennt. Über die tief stehenden Außenverteidiger haben wir bereits weiter oben in der Analyse geschrieben. Dadurch konnten die Bullen nie das Spiel kontrollieren und den Gegner in deren eigenen Hälfte für längere Zeit binden. Vielmehr waren überhastete Schnellangriffe über die Flügel oder Umschaltsituationen zu sehen, bei denen häufig letzten Endes der Strafraum nicht richtig besetzt worden ist. Deshalb liefen nach etwa 40 Spielminuten ca. 70 % der Angriffe über die Flügel. Normalweise kennt man dies von den Salzburgern genau umgekehrt (was von vielen ja kritisiert wird).

Der Zwischenlinienraum der Admira konnte ebenfalls zu selten bespielt werden. Xaver Schlager war häufig der einzige Spieler, der diesen Raum besetzte. Die Stürmer Dabbur und Gulbrandsen agierten wieder sehr weiträumig und wichen häufig auf die Flügel aus. Vor allem Dabbur war praktisch permanent am linken Flügel zu sehen. Die Achter Berisha und Leitgeb konnten dieses Vakuum auch nicht auffüllen, weil sie aufgrund des offenen Spielverlaufs sehr viele Meter zwischen den Sechzehnern abspulen mussten. Die fehlende Spielkontrolle machte sich auch hier bemerkbar.

Fazit

Die Admira war für die Salzburger ein undankbarer Gegner zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Schlüssel in dieser Partie war mit Sicherheit, dass die Admira das Spielgeschehen über die gesamten 90 Minuten offen halten konnte und von den Salzburgern nie in die eigene Hälfte zurückgedrängt wurde. Diese fehlende Spielkontrolle wurde vor allem den Bullen nach dem Europa-League-Spiel am Donnerstag zum Verhängnis, welche das Tempo nicht mitgehen konnten und so ungewöhnlich viele Chancen zulassen mussten. Deshalb konnte Marco Rose mit diesem Punkt auch gut leben. Wohl mit dem Wissen, dass dieser äußerst schmeichelhaft war…

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank

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