Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (5): Lieber Zoran Barišić!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag adressieren wir unseren Brief an …

Lieber Zoran Barišić!

Wer hätte das gedacht: Du bist wieder zurück in Hütteldorf! Dort, wo dein Herz schlägt, sagst du.  Dort, wo du hingehörst, sage ich. Lieber Zoki, du bist eine der wenigen Fußballpersönlichkeiten, die man ganz klar mit einem Verein assoziiert. Du hast dem Traditionsverein aus Wien-Hütteldorf viel zu verdanken und er dir auch. Organisch ist eure Verbindung, hast du gesagt. Und was die Natur zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen. Oder?

So wie die Vertragsauflösung zwischen dir und dem SCR 2016 überraschend kam, ist dein neuer Posten beim SK Rapid ebenso ungewöhnlich: Feiner Zwirn statt Trainingsanzug. Tribüne statt Bank. Du bist wieder eine Lösung mit grün-weißem Hintergrund anstatt ausländischer Kompetenz. Dein Vorgänger war ein Versuch, sich einen Blick von außen zu holen, einen, der in Österreich nicht verhabert ist, der die Fußballwelt kennt. Doch Fredy Bickel geht jetzt mit traurigem Gesicht. „Es gibt hier wirklich kaum eine Chance, etwas aufzubauen.“, muss der Schweizer bittere Bilanz ziehen.

Hoffentlich ist das bei dir anders: Erfahrung als Sportdirektor hast du zwar keine, aber du kennst Rapid und hast bei dem Umfeld und den Fans vielleicht doch mehr Kredit zu verspielen. Eines wirst du jedoch sicher brauchen: Zeit. Zeit hat man aber bei Rapid nicht. Du hast dein Verhältnis zu Präsident Krammer zwar wieder gekittet und mit Didi Kühbauer einen Hawara auf der Bank sitzen, doch trudelst du justament wieder beim Rekordmeister ein, nachdem der Notstand ausgerufen wurde. Wenn die Kacke am Dampfen ist, dann müssen die Treuesten der Treuen ran. Das ist ziemlich schade und kopflos von Rapid.

Es schweben viele Fragezeichen über diesem Engagement. Mögen viele mit dir einst nicht zufrieden gewesen sein, deine Bilanz als Trainer war (für die hohen Ansprüche des Klubs) nicht so schlecht. Doch um die große Hildegard Knef zu zitieren: „Dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“ Ich wünsche dir wirklich, dass das einmal nicht über deine Zeit als Sportdirektor gesagt werden wird, sondern dass deine Arbeit noch während ihrer Verrichtung entsprechend gewürdigt wird.

Lieber Zoki, alles Gute wünscht dir

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag