Drei Millionen Euro soll Red Bull Salzburg für Kevin Kampl gezahlt haben. Dabei wechselte der bald 22-Jährige erst im Frühjahr vom VfL Osnabück um... Dafür kann er nichts – Das ist Kevin Kampl

Drei Millionen Euro soll Red Bull Salzburg für Kevin Kampl gezahlt haben. Dabei wechselte der bald 22-Jährige erst im Frühjahr vom VfL Osnabück um 200.000 Euro vom deutschen Drittligisten zu VfR Aalen, den Ralph Hasenhüttl erst in der letzten Saison in die zweite Bundesliga geführt hatte.

Wer ist Kevin?

Vorneweg – für den Vornamen kann er nichts. Immerhin hatte „Kevin allein zu Hause“ am 16. November Premiere in den USA, der Kicker Kampl erblickte am 9. Oktober 1990 das Licht der Welt, einen Monat davor. Er kam in Solingen im Raum Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen zur Welt. Im zarten Alter von sieben Jahren wechselte der talentierte Mittelfeldspieler 1997 zu Bayer Leverkusen. 2010 wurde er, der in Jupp Heynckes einen Förderer finden sollte, mit einem Profivertrag ausgestattet. In der kommenden Saison verlieh ihn die Werkself an den damaligen Zweitligisten Greuther Fürth, wo er am 29. Oktober 2010 sein Profidebüt feiern konnte. Doch er brach sich den Fuß und wurde an die Zweitmannschaft der Fürther weitergereicht. Zurück in Leverkusen agierte er hauptsächlich in der vierten Liga, stand 15 Mal im Kader der ersten Mannschaft, spielte gegen Metalist Kharkiv sein erstes Europacupspiel am 24. Februar 2011. Er wechselte im Sommer 2011 zum VfL Osnabrück, da ihm bei seinem Stammverein die Perspektive fehlte.

Wie tickt er?

Bis dato war Kampl nicht unbedingt ein Spieler, der viel nach hinten arbeitet, bei Red Bull tut er es. Vielleicht hat es ihm bisher niemand so vermittelt. Auch dafür kann er nichts. Eine entscheidende Sache ist, dass der Sohn zweier in Deutschland lebenden Slowenen, für ebenjenes Land aufläuft. Seit 2009 gehört er der U21-Mannschaft des südlichen Nachbarn an, im Mai 2012 stand er erstmals im Kader des A-Nationalteams. „Mein großes Ziel war der Durchbruch bei Leverkusen“, sagte Kevin Kampl bei der Vorstellungspressekonferenz. Sein Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl meinte gegenüber den Salzburger Nachrichten, er sei „für höhere Aufgaben geeignet. Für viel höhere.“ Dazu passt seine Bescheidenheit. In einem von Red Bull produzierten Vorstellungsvideo wirkt er zurückhaltend, fast schüchtern. Die neuen Förderer des linken Mittelfeldspielers, Salzburg-Sportdirektor Ralf Rangnick und Roger Schmidt, weisen in Kombination nicht viel weniger Kompetenz vor als sein früherer Mentor Heynckes. Das Ziel ist die deutsche Bundesliga. Von Salzburg aus erfüllten sich allerdings noch nicht viele Kicker den Traum der deutschen Bundesliga. Direkt in die erste deutsche Bundesliga hat das noch niemand geschafft, sieht man ein bisschen von Timo Ochs ab, der ganze 122 Minuten für Hertha BSC spielte.

Wie kickt er?

Jonathan Soriano konnte gegen die SV Ried erst die vierte großartige Vorlage des Slowenen verwerten. Nicht seine Schuld. Kevin Kampl kommt gerne aus der Tiefe, zieht die Spieler an sich. Das mag nach Lobhudelei klingen, allerdings stimmt es für die heimische Bundesliga. Er ist ein Vorlagengeber. Für Aalen lief er in vier Spielen auf, traf nicht nur zwei Mal, sondern bereitete auch drei weitere Tore vor. In der Vorsaison beim VfL Osnabrück traf er ebenfalls zwei Mal, bereitete sieben Tore vor. Betrachtet man die Osnabrücker Zeit in der dritten Liga Deutschlands, sind das durchaus gute Werte. Ein Leonardo kam in der letzten Saison auf vier Treffer und sieben Assists in der Liga, Dusan Svento, der zumeist ebenfalls links im Mittelfeld agierte, kam in der tipp3 Bundesliga 2011/12 auf drei Tore und sieben Assists. Das sind Werte, die Kevin Kampl sicherlich erreichen kann. Noch dazu ist er ja nach wie vor U21-spielberechtigt, Leonardo und Svento haben ein paar Jahre mehr Erfahrung am Buckel. Dazu kommt noch, dass Roger Schmidt seinem Primgeiger vermittelte, auch vermehrt an der Defensive teilzunehmen. Das macht den Edelzangler zu einem noch wertvolleren Spieler und bedingt auch, dass er seine Läufe auch aus der eigenen Spielhälfte starten kann.

Und wo geht er hin?

Gegenwärtig ist der Slowene mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. Hier ausnahmsweise ein Punkt, wofür er etwas kann: Macht er weiter so, wird er den Kontrakt nicht erfüllen. Das wäre auch im Sinne seines Arbeitgebers, denn drei Millionen Euro sind auch für Red Bull keine Peanuts für einen U21-Spieler. Betrachtet man die Transferhistorie der Bullen, muss er aber sehr außergewöhnlich sein, denn in Topligen wechselten nur wenige Bullen: Alexander Manninger (AC Siena bzw. Udinese Calcio), Christian Tiffert (MSV Duisburg), Ezequiel Carboni (Catania Calcio), Djordje Rakic (Reggina Calcio), Somen Tchoyi (West Bromwich Albion), Marc Janko (Twente Enschede), Gerhard Tremmel (Swansea City) und Jakob Jantscher (Dinamo Moskau). Alle wechselten zu dem Zeitpunkt in die höchste Spielklasse, außergewöhnliche Leistungen zeigten Carboni, Tchoyi und Janko, eventuell Jantscher. Einzig der Sechser Carboni konnte sich bis dato längerfristig durchsetzen, verbrachte drei Jahre in Italien, ehe er 2011 zu Club Atlético Banfield nach Argentinien ging. Lange Rede, kurzer Sinn: Will Kampl wirklich hoch hinaus, dann muss er Außergewöhnliches leisten.

Mit Kevin Kampl haben die roten Bullen einen ausgezeichneten Transfer getätigt und ist davon auszugehen, dass er ein Vielfaches dessen einbringt, was für ihn gezahlt hat.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander