Halbzeit in Europas Ligen – der Fußball macht Pause und weicht Keksen, Tee und Geschenken. Zeit, die besten Spieler des ersten Durchgangs zu küren.... Das abseits.at Team der Hinrunde – sechs Wiener, einige Underdogs, aber kein Salzburger!

Halbzeit in Europas Ligen – der Fußball macht Pause und weicht Keksen, Tee und Geschenken. Zeit, die besten Spieler des ersten Durchgangs zu küren. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Einsatzzeit, Disziplin, Laufpensum, Zweikampfstärke und Effizienz. Die Besten der Besten hat abseits.at herausgefiltert.

 

Tor

Szabolcs Safar

Ersatz: Jörg Siebenhandl

Von der Austria im Sommer abgeschoben, erlebte der 37-Jährige im Herbst seinen x-ten Frühling. Nichts mehr zu sehen von der angeblichen Schwäche bei hohen Bällen, keine Spur mehr von Patzern und Aussetzern wie bei der Austria. Dass die Innsbrucker so gut dastehen, ist auch ein Verdienst des ungarischen Schlussmanns. Trotzdem profitierte Safar bei der Wahl auch von der unglaublichen fehlenden Konstanz der anderen Vereine auf der Position des Schlussmanns. Gratzei verletzte sich schwer und fiel lange aus, Payer und Gustafsson wurden von ihren jeweiligen Coaches nach anfänglichem Vertrauen degradiert. Bei der Austria ließ Coach Daxbacher, normalerweise nicht als sehr rotationsfreudig bekannt, Pascal Grünwald durch Heinz Lindner ersetzen. Safars Ersatzmann in unserem Team der Hinrunde heißt Jörg Siebenhandl. Der Wiener-Neustadt-Goalie mauserte sich mit glänzenden Paraden und starken Reaktionen zum Leistungsträger bei den Niederösterreichern. Sogar ins Nationalteam schaffte er es: Siebenhandl wurde als 21-Jähriger für die „Ost-Tournee“ gegen Aserbaidschan und Kasachstan einberufen.

 

Innenverteidigung

Thomas Reifeltshammer, Georg Margreitter

Ersatz: Harald Pichler, Christopher Dibon

Knifflig! Durch die hohe Ausgeglichenheit der Liga ist es schwer, sich für zwei Spieler im Abwehrzentrum zu entscheiden. Da wir es aber doch tun müssen, stehen Thomas Reifeltshammer von Ried und Georg Margreitter von der Austria in unserem Team der Hinrunde. Reifeltshammer war wohl einer der meist unterschätzten Spieler in Österreich. Als Oliver Glasner wegen einer Hirnblutung seine Karriere beenden musste, bescheinigten viele der SV Ried eine ganz schwere Saison mit vielen Gegentreffern. Aber nichts da – in typischer Rieder Manier zauberte Paul Gludovatz Reifeltshammer aus dem Hut – und sollte damit goldrichtig liegen. Der lange Innenverteidiger zeigte in der Bundesliga und der Europa League ganz starke Partien und führte Ried sogar zum Aufstieg über Favorit Bröndby. Auch gegen Eindhoven hielt man im Heimspiel die Schotten dicht, erst in den Niederlanden brachen die Dämme. Reifeltshammer hat aber nicht nur defensiv seine Qualitäten: mit drei Toren ist er auch der torgefährlichste Verteidiger der Liga. Georg Margreitter entwickelte sich bei der Austria ebenfalls zum unumstrittenen Stammspieler. International wie national verteidigte er eisern das violette Tor. Wie wichtig der Vorarlberger für die Veilchen ist, zeigte sich in der letzten Runde gegen Salzburg. Ohne Margreitter ging die Austria 0:3 unter – was Karl Daxbacher seinen Job kostete.

 

Außenverteidigung

Markus Suttner, Michael Schimpelsberger

Ersatz: Florian Klein, Martin Hinteregger

Im österreichischen Nationalteam gibt es eine große Baustelle, die seit Jahren kein Teamchef in den Griff bekommt. Welche das ist, errät man schnell. Nämlich dann, wenn man sich zwei (bzw. vier) Spieler überlegen muss, die in der Außenverteidigung konstant gute Leistungen gebracht haben. Markus Suttner verpasste in der Bundesliga und der Europa League kein einziges Spiel und spielt sich bei der Austria immer mehr in den Vordergrund. Als Roland Linz auf der Bank Platz nehmen musste, durfte Suttner sogar zeitweilig die Kapitänsschleife der Violetten tragen. Ein Zeichen des Respekts, den sich der 24-Jährige hart erarbeitet hat. Auch nach vorne schaltet sich Suttner immer wieder gut mit ein, was ihn insgesamt zum wohl besten Außenverteidiger in Österreich macht. Beim Erzrivalen aus Hütteldorf sicherte sich Michael Schimpelsberger einen Aboplatz auf der rechten Abwehrseite. Aufgrund von starken Leistungen gab es keinen Grund für Peter Schöttel, auf Schimpelsberger zu verzichten, fairerweise sei aber betont, dass Schöttel auch gar keine ernsthaften Alternativen gehabt hätte.

 

Defensives Mittelfeld

Anel Hadzic, Stefan Schwab

Ersatz: Christoph Leitgeb, Tomas Abraham, Markus Heikkinen

Die Kleinen überflügeln die Großen! Auf der Schlüsselposition des modernen Fußballs wird deutlich, dass die Liga keinen Unterschied mehr zwischen Top-Klubs und Underdogs macht. Während Anel Hadzic und Stefan Schwab für Klubs mit bescheidenen Mitteln abräumen, verdienen Christoph Leitgeb und Florian Mader in Salzburg und Wien fürstliche Gehälter. Alle vier haben aber eines gemeinsam: sie brachten allesamt im Herbst starke Leistungen. Stefan Schwab war wesentlich mitverantwortlich für den Höhenflug der Admira, Anel Hadzic schlug bereits Angebote von Rapid und Greuther Fürth aus. Hadzic war es auch, der mit seinem Last-Minute-Treffer in Kopenhagen erst die Spiele gegen den PSV Eindhoven in der Europa League möglich machte. Überhaupt ist Hadzic heuer der Mann für die wichtigen Tore. Auch beim Auswärtssieg gegen Rapid im Cup traf Hadzic und kegelte so den Rekordmeister aus dem Bewerb, der wieder einmal früh die Segel streichen musste.

 

Offensives Mittelfeld

Zlatko Junuzovic, Steffen Hofmann

Ersatz: Jakob Jantscher, Patrik Jezek, Marco Meilinger, Leonardo

Auch diese Entscheidung ist nicht leicht – allerdings aus anderen Gründen als auf der Außenverteidigerposition. Zum Glück gibt es hier einige Alternativen, die ernsthaft in Betracht gezogen werden müssen. Am Ende wurden es Zlatko Junuzovic und Steffen Hofmann. Warum? Das ist schnell erklärt. Die beiden sind nicht nur der Dreh- und Angelpunkt ihrer Klubs, sondern auch die beiden ersten Spieler in der Scorer-Statistik. Kein anderer Spieler in Österreich bringt es auf mehr Scorerpunkte als Junuzovic. Der Austria-Regisseur steuerte sechs Tore und acht Vorlagen bei, Hofmann hält bei vier Toren und neun Assists. Doch nicht nur die Zahlen sprechen für die beiden Spielmacher. Junuzovic wurde von Nacer Barazite als kongenialer Partner bezeichnet, wie wichtig Hofmann für Rapid ist, sieht man erst, wenn der Kapitän nicht dabei ist. Wie in Kapfenberg, als Hofmann wegen einer Augenverletzung früh vom Platz musste  und Rapid nicht über ein 0:0 gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten hinauskam. Als Ersatzmänner werden Patrik Jezek und Jakob Jantscher nominiert. Jantscher war vor allem in der letzten Phase der Hinrunde konstant stärkster Salzburger und übernahm Verantwortung. Wie beim Elfmeter in Bratislava, als Salzburg 0:2 zurücklag. Jezek führte den Admira-Kindergarten zu Saisonbeginn von einem Sieg zum nächsten, ohne mit der Wimper zu zucken. Didi Kühbauer spricht nur in den höchsten Tönen vom Tschechen, auch bei der Wahl zu Österreichs Fußballer des Jahres war Jezek unter den Top-5 zu finden. Viele Spieler hätten es sich ebenfalls verdient, in der Elf der Hinrunde zu stehen: die beiden Rapidler Drazan und Trimmel sowie Dusan Svento und Leonardo von Salzburg, Marco Meilinger von der SV Ried oder Carlos Merino von Wacker Innsbruck.

 

Sturm

Nacer Barazite, Darko Bodul

Ersatz: Patrick Bürger, Stefan Maierhofer, Phillip Hosiner

Wo wäre die Austria ohne Nacer Barazite? Schwer zu sagen, aber viel besser würden die Violetten wohl nicht dastehen. Die Zahlen der Hinrunde sprechen Bände. Barazite traf in 18 Bundesligaspielen acht Mal und bereitete vier Tore vor, in der Europa League hieß der Torschütze elf Mal Barazite, dazu kommt ein Assist. Ein solcher Stürmer muss ohne Wenn und Aber im Team der Hinrunde stehen. Zumal Barazite nicht nur viele, sondern auch wichtige Tore macht. Neben ihm stürmt Darko Bodul. Der Führende der Torschützenliste erwies sich speziell nach der Verletzung von Roman Kienast als absolute Glücksgriff und bedankte sich bei Trainer Franco Foda für das Vertrauen in Form von neun Toren (in nur 13 Spielen) in der Bundesliga, darunter das wichtige Siegestor im Derby gegen Kapfenberg, als Bodul in der 96. Minute (!) die drei Punkte für Sturm sicherte. Auch sehenswerte Treffer von Bodul gab es zu bestaunen. Bei der 2:3-Auswärtsniederlage gegen Rapid traf Bodul aus 25 Metern mit einem satten Schuss genau unter die Latte. Auf der Bank gönnen wir uns den Luxus, drei Stürmer in den Talon zu mischen. Jeder dieser drei hat seine Berechtigung, im Team der Herbstsaison zu stehen. Maierhofer führt die Schützenliste an, Hosiner legte einen Raketenstart in der Bundesliga inklusive Teamdebüt hin, Patrick Bürger traf für den Abstiegskandidaten Mattersburg bereits acht Mal.

Joker: Der Jolly Joker unserer Truppe ist Hamdi Salihi. Der Albaner traf drei Mal nach Einwechslungen und kürte sich damit zum Joker der Hinrunde.

Archimedes, abseits.at

Archimedes