Nach wochenlangen Gerüchten und zähen Verhandlungen wurde der Transfer von Robert Beric vom SK Rapid zum AS Saint-Etienne am letzten Tag des Sommertransferfensters fixiert.... Hohe Anforderungen: Rapids neuer Stürmer Matej Jelic und sein schweres Erbe

SK Rapid Wien - Wappen mit Farben_abseits.atNach wochenlangen Gerüchten und zähen Verhandlungen wurde der Transfer von Robert Beric vom SK Rapid zum AS Saint-Etienne am letzten Tag des Sommertransferfensters fixiert. Kurze Zeit später gab der Rekordmeister den Nachfolger für den scheidenden Torjäger bekannt: Matej Jelic vom MSK Zilina.

Bis zu sieben Millionen Euro könnte Rapid mit dem Transfer von Beric zum französischen Erstligisten angeblich einnehmen. Nur einen Bruchteil – kolportierte 800.000 Euro – davon investierte man in den neuen Stürmer, der ein schweres Erbe antritt. abseits.at erklärt welche Aufgaben Jelic im grün-weißen System erwarten und betrachtet seine Stärken bzw. Schwächen.

Zilina passte perfekt zu Jelic

Die Torausbeute von Jelic liest sich hervorragend: mit 19 Toren in 29 Einsätzen holte er sich letzte Saison den Titel des Torschützenkönigs in der slowakischen Liga. In den zwölf Pflichtspielen der laufenden Saison konnte er bereits 13-mal jubeln. Zilina ist unter dem aktuellen Trainer, Adrian Gula, generell eine sehr torgefährliche Mannschaft. In der ersten Saison des 40-Jährigen wurde man zwar nur Neunter, erzielte aber ligaweit die drittmeisten Tore (49 in 33 Spielen). Letztes Jahr konnte diese Zahl auf 68 erhöht werden – mehr als jede andere Mannschaft. Auch aktuell ist Zilina wieder das Team mit den meisten erzielten Toren.

Großen Anteil hatte einerseits selbstverständlich Jelic selbst, andererseits profitierte dieser auch von seinen Mitspielern. Aus dem Mittelfeld erhielt er nämlich viel Unterstützung: auf den Seiten von den zielgerichteten Flügelspielern Jaroslav Mihalik und Jakub Paur. Zentral hat Zilina mit dem 17-jährigen Laszlo Benes und dem 19-jährigen Box-to-Box-Akteur Miroslav Kacer zwei hochveranlagte Talente. Interessanterweise war Jelic mit seinen 24 Jahren sogar der älteste Offensivakteur. Ersatz holten die Slowaken übrigens nicht; auch weil der 23-jährige Willian, der Jelic meist ersetzte bzw. ergänzte, bisher eine gute Figur macht. Der bullige Angreifer hält nach sieben Pflichtspielen bei ebenso vielen Scorerpunkten.

Schwerpunkt im Angriffszentrum

Zu behaupten, das Spiel von Zilina extra auf Jelic zugeschnitten wurde, wäre wohl zu viel, letztlich passte die Ausrichtung unter Gula aber perfekt zum Spielstil des Angreifers. Vom Bewegungsprofil erinnert der Neuzugang an Ex-Rapidler Terrence Boyd, wobei es in den individuellen Fähigkeiten und Abläufen teils große Unterschiede gibt. Wie der US-Amerikaner besetzt auch Jelic meist das Sturmzentrum und ist gleichzeitig bereit, einen hohen Arbeitsaufwand zu betreiben. Hohe Bälle auf ihn waren zwar nicht das primäre, aber ein regelmäßiges Mittel.

Auf der anderen Seite ist Jelic bei einer Körpergröße von 1,83m weniger wuchtig als der physisch enorm präsente Boyd und auch hinsichtlich der Schusstechnik kann er diesem – ebenso wie Beric –nicht das Wasser reichen. Andererseits ist er spritziger und schneller als seine beiden Vorgänger und wurde von Gula auch am Flügel eingesetzt, während Willian im Angriff agierte. Dabei konnte man erkennen, dass die grundsätzlich passenden individuellen Fähigkeiten alleine im modernen Fußball nicht ausreichen, um eine Position passend spielen zu können.

Berics Stärke ist Jelics Schwäche

Wo Jelic nämlich die meiste Luft nach oben hat und deshalb vor allem Flügel überspielt wurde, ist sein Bewegungs- und Kombinationsspiel – genau jener Bereich, in dem Beric in seiner Zeit in Österreich herausragend war. Bei Sturm leistete er dank dieser Fähigkeiten in seiner ersten Saison starke elf Torvorlagen. In seiner Anfangszeit bei Rapid schien das sogar zu einem Problem werden zu können. Zu sehr fokussierte er sich auf eine Zuarbeiter-Rolle, leitete die Angriffe zwar stark ein, fehlte aber in den entscheidenden Momenten in der Gefahrenzone.

Im Laufe der Zeit bekam man dies jedoch sehr gut in den Griff – auch weil sich Stefan Schwab neben Thanos Petsos als Fixpunkt im Zentrum etablierte und die Rolle von Beric so etwas verändert werden konnte. Der Slowene konnte sich verstärkt auf die gefährlichen Räume konzentrieren – nur eines seiner 30 Ligatore für Rapid erzielte er von außerhalb des Strafraums. Seine Stärken wurden dennoch gezielt ins Spiel eingebunden.

Durch oft unscheinbare Bewegungen schaffte es Beric Räume für seine Mitspieler oder Passwege zu öffnen, dem Spiel die entscheidende Portion Dynamik einzuhauchen und sich von seinem Bewacher im Strafraum zu lösen. Erst dadurch wurde aus dem eintönigen Ballgeschiebe das zielgerichtete Ballbesitzspiel, das Rapid in den letzten 19 Bundesligaspielen 13 Siege und 49 Tore bescherte und zu einem Meisterkandidaten machte. Mit dem Abgang von Beric könnte dies alles nun ins Wanken kommen.

Wie reagiert Barisic?

Jelic weiß sich zwar ohne Zweifel im Strafraum so zu bewegen, dass er vor seinem Bewacher zum Abschluss kommen kann, andererseits sind seine Bewegungen nicht darauf ausgerichtet, die Mitspieler in Szene setzen zu können. In einigen Situationen lief er sogar so, dass er weder vom Ballführenden direkt angespielt werden konnte, noch dadurch die Kombinationsstruktur stärkte – im Gegenteil. Auch Boyd war in dieser Hinsicht bei seinem Abgang tendenziell stärker, da er durch seine physische Präsenz die Gegenspieler besser binden konnte.

Das Trainerteam um Zoran Barisic steht also vor einer durchaus heiklen Aufgabe. An welcher Stellschraube wird man drehen? Wird man eventuell Anpassungen an den Abläufen, die nach langer, harter Arbeit nun weitestgehend den Vorstellungen entsprechen, vornehmen? Oder wird man versuchen, den Neuzugang an das Spiel anzupassen? Die Zeit ist in jedem Fall ein wichtiger Faktor. Insofern dürfte man bei Grün-Weiß durchatmen, dass zunächst mal Länderspielpause ist.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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