An diesem Spieltag empfing die SV Ried die SV Mattersburg zuhause und hatte somit ein wichtiges Spiel gegen einen unangenehmen Gegner. Die Mattersburger zeigten... Nicht restlos überzeugend, aber effizient: Ried besiegt Mattersburg mit 2:0 (1:0)

An diesem Spieltag empfing die SV Ried die SV Mattersburg zuhause und hatte somit ein wichtiges Spiel gegen einen unangenehmen Gegner. Die Mattersburger zeigten sich im Frühjahr etwas verbessert und hatten die Rieder vor zwei Monaten sogar bezwungen, die Oberösterreicher hingegen hatten ein paar anstrengende Wochen hinter sich. Verschiedenste Resultate und mangelnde Konstanz lässt sich ihnen vorwerfen. Allerdings ist es in den letzten Spielen bergauf gegangen und es war interessant zu sehen, ob man sich für die letzte Niederlage in Mattersburg revanchieren konnte. Letztlich war es zwar kein absolut überzeugender Sieg der Rieder, drei Punkte sind es dennoch geworden.

Die SV Ried konnte sich nicht wirklich viel mehr Torchancen als der Gegner erspielen, war allerdings von der Körpersprache her die bessere Mannschaft. Nach dem Führungstreffer ließ man das eigene Spiel etwas verflachen und konnte erst in der 90. Minute das zweite Tor erzielen. Mattersburg hielt dagegen und zeigte sich kämpferisch: mit 24 Fouls hatten die Burgenländer fast doppelt so viele wie der Gastgeber, doch diese aggressive Spielweise brachte letztlich nur einen Elfmeter ein. Mattersburg hatte sogar Glück, dass die Rieder bei den Standards nicht mehr an die Stärke früherer Tage herankommt, sonst hätte es noch schlimmer ausgehen können. Mit einem schnellen Konter kurz vor Abpfiff zeigte die SV Ried jedoch das, was den Klub eigentlich auszeichnet. Dynamisches Spiel nach vorne durch die Schnittstellen in den Rücken der Abwehr.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Die Gastgeber begannen mit ihrem 3-3-3-1-System. Ganz vorne begann man mit Zulj als Spitze, welcher von zwei Flügelstürmern flankiert wurde. Mit diesen sollte er die Verbindung halten und sich so nahe wie möglich um den ballnäheren Außenspieler orientieren. Über rechts begann Lexa, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Er sollte die Defensive unterstützen und mit Hinum gemeinsam schnell nach vorne kommen. Auf der gegenüberliegenden Seite spielte Meilinger, der die Aufgabe bekam, sowohl klassisch als auch invers zu agieren. Dies bedeutet, dass er einerseits die Grundlinie entlangmarschieren sollte, andererseits sich ebenso von Zeit zu Zeit diagonal Richtung Strafraum bewegen sollte. Dies war wichtig, damit man variabel über die Flügel kommen konnte. Schreiner spielte da sehr gut mit, ging manchmal schräg an Meilinger vorbei und bot sich für Lochpässe ab, welche er teilweise sogar selbst abschloss. In anderen Situationen, zumeist wenn er vom gegnerischen Außenstürmer verfolgt wurde, machte er das Spiel breit und positionierte sich näher an der Outlinie als Meilinger.

Mittig spielte Hadzic, der sich zumeist im Rücken Zuljs bewegte. Da Zulj sich Richtung Flügel orientierte, musste Hadzic sich dann nach vorne orientieren. Wenn er allerdings in der Mitte blieb, ging Hadzic auf eine Halbposition, von wo aus er die Flügel entlasten, sowie sich im Rücken der Abwehr positionieren konnte. Dahinter schloss Ziegl die Lücken der aufgerückten Abwehr und bildete mit dem ballfernen Flügelverteidiger ein Pärchen, welches Richtung Ball schob. Man füllte das Loch zwischen dem ballnahen Innenverteidiger und dem zentralen Innenverteidiger und dazu noch den freien Raum neben der Dreierkette. Damit hatte man defensiv eine Formation, die sowohl gegnerische Konter abfangen, als auch die eigene Offensive im Ballbesitz unterstützen konnte. Die Dreierkette spielte wie üblich sehr konservativ, beschränkte sich auf das Aufbauspiel und rückte maximal bei Standards und Ecken mit nach vorne auf.

Anders spielte die Gastmannschaft. Eine Viererkette mit den offensiven Außenverteidigern Rath und Farkas wurde vom defensiven Mittelfeldspieler Ilsanker unterstützt. Allerdings bildete er bei hohem Ballbesitz keine Dreierkette, weil man im Normalfall gar nicht so weit und gesichert aufrückte. Im Idealfall bewegte sich der ballferne Außenverteidiger nach vorne und bot sich für Spielverlagerungen an, während Ilsanker deswegen zentral spielen musste. Das hatte zur Folge, dass schwache Diagonalbälle gefährlich waren und Ilsanker nicht wirklich ballorientiert spielen konnte. Er blieb im Zentrum, um nach Möglichkeit beide Flügel defensiv sichern zu können. Die Innenverteidiger spielten etwas breiter und halfen Ilsanker beim Absichern, Seidl unterstützte ihn, indem er sich zwar nach vorne anbot, aber nur selten bis zum gegnerischen Strafraum ging. Somit spielte er als spielmachender und offensiver Achter, während Ilsanker in seiner Nähe blieb und man gemeinsam Konter unterbinden wollte.

Dank der offensiven Außenverteidiger wurden auch die Flügelstürmer nach vorne geschoben, man wollte mit dieser aufgerückten Formation den Gegner mit schnellen Kombinationen ausspielen. Damit man diese Lücken auch nutzen konnte, spielte zumeist der ballferne Außenstürmer eingerückt – die erste Chance der Mattersburger durch Höller entstand eben dadurch. Indem sie nach innen gingen, waren sie näher zum Tor und starteten in die Lücken zwischen den beiden äußeren gegnerischen Innenverteidigern oder diagonal aus der Position neben Flügel- und Innenverteidiger. Um diese offensive Ausrichtung zum Funktionieren zu bringen, spielte Naumoski oftmals etwas tiefer. Dadurch bildete er eine Verbindung zum defensiven Mittelfeld und den Flügel, öffnete desweiteren vorne Räume für den eingerückten Flügelstürmer. Mit dieser Methode spielte man fluide in der Offensive und attackierte das gegnerische Tor auf mehrere Varianten.

Zuljs Ausweichen

Normalerweise spielen Mannschaften mit einem 1-Stürmer-System anders als die Rieder. Beispielsweise Didier Drogba früher bei Chelsea, er positionierte sich ganz vorne an der Front und war der Wandspieler. Das hieß auch, dass es seine Aufgabe war, die gegnerische Viererkette in die Tiefe zu ziehen und für lange Bälle frei zu sein. Bei den Gastgebern begann man mit Zulj vorne, der sich ungemein viel bewegte. Andauernd lief er von Seite zu Seite und bot sich dort an, damit man immer eine Überzahl herstellen konnte. Diese entstand dadurch, dass die beiden Innenverteidiger, oder zumindest einer, ohne Mann in der Nähe übrig blieb. Somit konnte man in Ballnähe dank der hohen Zahl an Außenspielern und Zuljs Laufarbeit numerisch überlegen sein. Die Rieder attackieren nämlich generell lieber über die Außenbahn und besitzen kaum Spieler im Zentrum. Damit würde ein klassisches Spiel via Flanken nicht funktionieren, deswegen kommt man zumeist über die Außen und kombiniert sich dann in eine mögliche Position für den Abschluss oder spielt scharfe flache Bälle ins Zentrum. Hadzic hat hier die Aufgabe entweder das Zentrum zu besetzen, dann muss meist der ballferne Außenstürmer ein- oder Ziegl aufrücken, oder eben hinter Zulj im Rücken der Abwehr auf Hereingaben zu warten.

Schreiners Aufgabe war hier entscheidend. Wenn Schreiner nicht variabel aufrückte, dann konnte sich der Gegner mit dem Vorteil der Viererkette und dem 4-4-2 relativ einfach anpassen. Darum musste Meilinger von Zeit zu Zeit breiter agieren und mit Pässen an Schreiner und Zulj anderen die Wege zum Tor öffnen. Zulj bot sich für Pässe an, bei denen er sich umdrehen und aufs Tor ziehen konnte, während Schreiner sich diagonal Richtung Tor bewegte und den Abschluss suchte – alternativ eben auch Meilinger.

Lange Bälle der Mattersburger

In der Grafik erkennt man, wie genau die Mattersburger ein gegnerisches Aufrücken nutzen wollten. Hier hat man den Ball auf der linken Seite und man öffnete dem ballführenden Außenverteidiger möglichst viele Räume. Höller rückte auf, während Farkas einrückte, sich aber nach dem Pass ins zweite Drittel offensiver positionierte. Mit Höller und Bürger gab es zwei Spieler, die dynamisch in die Lücken und den Raum stießen, Naumoski ließ sich derweil fallen. Bei den Kurzpässen gab es mit Seidl und dem ballnahen Innenverteidiger weitere Optionen, wenn man den Ball halten wollte. Gegen die Rieder, die das Abwehrpressing bevorzugen, waren solche Querpässe nötig, um das gegnerische Bollwerk zu zerspielen. Ein andauerndes Verschieben der Rieder würde dann unumgänglich sein, während bei den Gästen die Offensivspieler immer die nötigen Lücken suchen können.

Dazu gab es mit Potzmann eine gemischte Anspielstation. Damit ist gemeint, dass er sich sowohl für weite als auch kurze Pässe anbieten konnte oder mit seinen Läufen nach vorne die Gegner von Rath wegziehen konnte. Dieser hätte dann mehr Raum für die weiten Bälle und konnte den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel abwarten. Interessant ist auch, wie sich die Flügelstürmer anpassten, wenn der lange Ball aus der zentralen Innenverteidigung kam. Hier würden sie beide einrücken, aber nicht so stark. Stattdessen bildete man quasi eine offensive Dreierkette mit Naumoski, während Bürger sich weiterhin vorne viel bewegte. Im Idealfall positionierte man sich in dem Raum zwischen dem Flügelverteidiger und Ziegl in der Mitte. Damit konnte man sich frei bewegen und dann mit dem richtigen Timing ins Loch starten. Wenn der Pass präzise war, hatte man den Gegner vor eine komplexe taktische Aufgabe gestellt sowie einen Geschwindigkeitsvorteil. Die Abwehr Rieds musste dann überlegen, wer wen übernimmt und wie sich die Flügelverteidiger verhalten, sowie wohin Ziegl verschiebt. Im Normalfall ging er dann zum ballnäheren Gegenspieler und Hadzic rückte nach hinten, was einigermaßen gut funktionierte. Die Außenverteidiger Mattersburgs schoben in diesem Szenario beide nach vorne, allerdings bewegte sich der ballferne nach dem Abspiel wieder etwas zurück. Da hatte er nämlich seinen primären Zweck bereits erfüllt, nämlich dem Spiel Breite zu geben und die Schnittstellen zu vergrößern.

Das zweite Tor

Abschließend noch ein kleiner Punkt zur Rieder Spielweise, erklärt anhand ihres zweiten Tores. Wie man sieht sind zwei Spieler breit draußen, während sich der eingewechselte Guillem in einer Halbposition freiläuft. Im Zentrum kam ein Flügelspieler nach innen gezogen und hatte sich den Ball zu weit vorgelegt, allerdings wurde dann vom tiefen Sechser der Ball aufgelesen und nach vorne gespielt. Beichler erhielt den Ball und passte perfekt auf den in die Lücke startenden Guillem, der dann eiskalt verwandelte. Nacho auf rechts war eine weitere Option und es ist gut erkennbar, dass die Rieder immer auf Raum und mehrere Passoptionen spielen wollen. Mit den beiden sehr breit spielenden Flügeln zog man die Viererkette auseinander, es war eine Schnittstelle offen, in welche Guillem instinktiv startete. Auch ohne Guillem wäre mit einem längeren Diagonalpass eine gefährliche Aktion möglich gewesen.

Bildquelle 2.Tor: Sky Sport Austria. Jetzt Sky Sport Austria auf Facebook liken!

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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