Der SK Rapid Wien gab mit dem 2:1 in Ried die richtige Antwort auf die letztwöchige Niederlage gegen Red Bull Salzburg und gewann somit...

Christopher Dibon - SK Rapid WienDer SK Rapid Wien gab mit dem 2:1 in Ried die richtige Antwort auf die letztwöchige Niederlage gegen Red Bull Salzburg und gewann somit vier seiner letzten fünf Spiele. Das Auswärtsspiel in Ried ist als „schmutziger Sieg“ zu bezeichnen und Rapid machte sich das Leben phasenweise schwerer als nötig. Ried präsentierte sich einfallslos und konnte nach Rapids Doppelschlag zu Beginn der zweiten Hälfte nur noch wenig entgegensetzen.

Rapids Leistung gegen RB Salzburg war weitgehend uninspiriert. Am eigenen Strafraum eroberte Bälle wurden zumeist weit nach vorne geschlagen, um das Gegenpressing der Salzburger zu umgehen. Dadurch war in der Offensive jedoch sehr viel auf dem Prinzip Hoffnung aufgebaut. Die erste Halbzeit gegen Ried wies in manchen Situationen Parallelen mit dieser Spielweise auf.

Zu viele weite Bälle in die Spitze

Zwar war die erste Halbzeit zerfahren und kampfbetont, wodurch es immer wieder zu Menschenansammlungen in engen Räumen am Flügel kam, aber Rapid tat nicht genug, um dieses Problem in Ruhe zu lösen. Erneut operierten die Hütteldorfer mit zahlreichen weiten Bällen in die Spitze, wo Robert Beric zumeist allein auf weiter Flur war – auch weil die einrückenden Flügel Kainz und Schaub nicht schnell genug mit nach vorne kamen.

Mehr Spielverlagerungen hätten Hektik aus dem Spiel genommen

Rapid hätte zwei Optionen gehabt, um die insgesamt schwache erste Halbzeit strukturierter zu gestalten. Die „einfachere“ dieser Möglichkeiten wäre schlichtweg weniger Hektik gewesen. Ried baute vieles auf die aggressive Führung seiner Zweikämpfe auf und Rapid nahm diesen Kampf im Mittelfeld teils unüberlegt an. In vielen Situationen wäre Rapid besser gefahren, wenn man das Spiel beruhigt und vor allem verlagert hätte. Immer wieder verliefen sich die Innviertler in schaurige, gruppentaktische Formationen, in denen der aktive Flügel in unübersichtlichen Situationen mehr als nur überladen wurde. Rapid versäumte es aber, häufiger die Seiten zu wechseln, wodurch die teils schweren taktischen Fehler Rieds nicht ausgenutzt werden konnten.

Hypothetisches 4-4-2 als zweite Lösungsvariante

Die allgemeinere Variante, um das Spiel flüssiger und zusammenhängender zu machen, wäre im Fall der gestrigen Partie eine 4-4-2-Formation gewesen. Diese war grundsätzlich sehr unwahrscheinlich, weil Rapid nicht über das Spielermaterial verfügt. Zwei versetzt spielende Angreifer hätten jedoch die zahlreichen weiten Pässe ihrer Hinterleute wesentlich einfacher sichern und verarbeiten können. Zudem hätte eine zweite Spitze dem Konterspiel Rapids in der zweiten Halbzeit gut getan und die insgesamt schwachen und oft zu tief spielenden Flügel besser in Szene gesetzt bzw. diesen größere Räume eröffnet.

Kragls 1:0 als wichtiger Weckruf für Rapid

So blieb das Spiel jedoch zerfahren und alles roch nach einem 0:0 zur Pause. Dass Oliver Kragl aus einem Freistoß kurz vor der Halbzeit das 1:0 für Ried erzielte, war für Rapid im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar gut. Schwabs unnötiges Foul gegen Möschl, der sich in dieser Szene bereits vom Tor wegbewegte, leitete den Rückstand ein. Kragl überzeugte mit feiner Schusstechnik und brachte die Rieder in Führung, was Rapid in der zweiten Halbzeit schnell aufweckte und ein Einschlafen der Partie verhinderte.

Rapid nützt schwere Abwehrfehler nach Standards

Es ist fast schon ironisch, dass Rapid ausgerechnet über Standards zum Erfolg kam. Obwohl man sich in den letzten Wochen auf diesem Gebiet leicht verbesserte, sind Eckbälle und Freistoßflanken weiterhin Baustellen bei den Hütteldorfern. Abgesehen davon, dass Kapitän Steffen Hofmann – der einmal mehr aufopferungsvoll kämpfte, sechs Torchancen auflegte und beide Tore mit einleitete – die Ecken vor den Treffern sehr gut trat, nützte es Rapid aus, dass der Gegner desolat verteidigte. Vor beiden Toren ließ man Christopher Dibon, der als einer der wenigen wirklich kopfballstarken Rapid-Akteure bekannt ist, völlig frei zum Kopfball kommen – Beric und Sonnleitner sagten „Danke“.

Zu spät auf Konterspiel umgestellt?

Doch nachdem Rapid das Spiel gedreht hatte, fand Grün-Weiß plötzlich nicht mehr statt und verabsäumte es, den Sack frühzeitig zuzumachen. Zoran Barisic wartete nach dem 2:1 dreizehn Minuten, bis er zum ersten Mal auswechselte. Der konterstarke Philipp Schobesberger hätte durchaus schon früher statt des bereits verwarnten Kainz oder statt des schwachen Schaub kommen können. Rapid versuchte stattdessen geradlinig weiterzuspielen, obwohl man sich schon zuvor kaum eine klare Torchance aus dem Spiel heraus erarbeiten konnte. Möglicherweise wäre gerade in Ried eine früher eingeleitete Kontertaktik beim Stand von 2:1 fruchtbarer gewesen.

Zurückgekämpft – und am Ende noch Glück gehabt

Zoran Barisic fand es nach dem Spiel zu Recht ärgerlich, dass Rapid seine durchaus guten Kontermöglichkeiten nicht konsequent genug zu Ende spielte. Dies brachte Rapid gegen Ende der Partie sogar noch einmal fast in die Bredouille. Ein Elfmeterfoul von Thomas Schrammel am starken Stefan Lainer – dem die Einwechslung von Schobesberger auf Rapids linker Seite sogar eher noch entgegenkam – wurde von Schiedsrichter Hameter ignoriert. Aber manchmal braucht man auch das Quäntchen Glück, das Rapid an diesem Tag durchaus auf seiner Seite hatte. Und das wiederum verdiente sich Rapid im Laufe der Partie selbst, denn die Grün-Weißen kämpften sich Partie zurück und drehten das Spiel.

Ideenlose Rieder lassen Rapid spielen

Die Rieder wiederum besiegten sich – wie schon beim 0:1 in Wien – selbst. Die inferiore Abwehrleistung bei den entscheidenden Eckbällen ist eine Sache; die andere ist die fehlende Abgebrühtheit, als man in Führung lag. Ried ist nicht die erste Mannschaft, die den Fehler macht, trotz Führung gegen Rapid munter weiter zu spielen, anstatt sich einzuigeln und in der Spitze Mann zu decken. Rapid spielt nicht unbedingt anders als zu Saisonbeginn und lieferte in Ried eine spielerisch eher durchwachsene Vorstellung. Allerdings lassen die Gegner Rapid derzeit auch spielen und konzentrieren sich auf ihre eigenen, zumeist taktisch unzulänglichen Spielkonzepte, während man vergisst, Rapid so zu bespielen bzw. vor allem so zu reagieren, wie es Rapid so gar nicht ins Konzept passt.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Euro_Klausi

    7.Oktober.2014 #1 Author

    Wenn man einen spielentscheidenden Elfer nicht bekommt, besiegt man sich selbst. Interessante Interpretation. Selten so gelacht…

    Antworten

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