Verwöhnung pur für die Ried-Fans in den letzten Jahren. Zwei Mal Cupfinale, einmal gab es den Titel, zwei Mal Herbstmeister. Mit der Auflösung des... Was tun mit Heinz F.? – Die SV Ried im Umbruch

Verwöhnung pur für die Ried-Fans in den letzten Jahren. Zwei Mal Cupfinale, einmal gab es den Titel, zwei Mal Herbstmeister. Mit der Auflösung des Duos Paul Gludovatz/Gerhard Schweitzer lief das „Wikingerschiff“ aus dem Ruder. Die Frage ist: Was kann Heinz Fuchsbichler?

Vorüberlegungen

Bereits beim Amtsantritt wurde vermutet, dass die SV Ried einen Mann für die Medien gesucht habe, Gerhard Schweitzer im Hintergrund weiterhin die Fäden ziehen würde. Allerdings muss vor der Bewertung der Trainingsarbeit auch die Transfertätigkeit bewertet werden. Manager Stefan Reiter verpflichtete mit Rene Gartler und Clemens Walch zwar zwei bekannte Spieler, allerdings gelten diese auch als durchaus nicht leicht zu behandeln. Die Spanier Casanova und Guillem galten als „brav“, mit Stefan Lexa ging der letzte Routinier. Der Kader hatte sich verändert, noch dazu sollte vom schwierig zu spielenden 3-3-3-1 auf ein modernes state-of-the-art 4-2-3-1 umgestellt werden. Ein System mit Viererkette wird seit August praktiziert und dieses hat nicht nur Vorteile. Im 3-3-3-1 ist die Defensive prinzipiell ein Mann mehr, da es drei Innenverteidiger, zwei Außenbahnspieler und einen Sechser gibt. Die Flügel im 4-2-3-1 stehen prinzipiell höher. Die Vorzeichen für Heinz Fuchsbichler sind also durch eine Kaderumstrukturierung und Systemumstellung andere, als jene unter Gerhard Schweitzer, der mehr oder weniger die Qualifikation für den Europacup über den ÖFB-Pokal sichern sollte.

Fans schwant Böses

Nach dem passablen Saisonstart mit drei Siegen aus vier Spielen und den engagierten Europacup-Auftritten stotterte der Motor zuletzt. In den sechs Ligaspielen seit dem Sieg am vierten Spieltag holten die Rieder nur zwei Punkte. Das mühselige Weiterwurschteln im Cup gegen Drittligist Union St. Florian rundet das Bild ab. Hilflose wirkende Auftritte des neuen Trainers Heinz Fuchsbichler im Fernsehen runden das Bild ab. Doch es gibt natürlich auch offensichtlichere Gründe: Didi Kühbauers Admira Wacker hat die SV Ried als Underdog der Stunde abgelöst. Die Mattersburger kultivieren unter Franz Lederer schöneres Spiel, erheben mit talentierten Spielern auch Ansprüche auf die vorderen Ränge. Traditionell stark und im Sturm sogar sehr gut besetzt ist Aufsteiger WAC.

Umbruchsaison

Routine weg, neue Spieler da, neuer Trainer, die Konkurrenz schläft nicht. Die Rieder spielen nicht schlecht, punkten auch nicht weniger, als im Frühjahr. Als Interimstrainer holte Gerhard Schweitzer 1,29 Punkte pro Spiel, Paul Gludovatz, der noch Lexa und zu Beginn auch Herwig Drechsel und die anderen Routiniers Oliver Glasner und Ewald Brenner zur Verfügung hatte, kam auf einen Schnitt von 1,56 Punkte pro Spiel. Alle zahlen sind absolut, da liest sich Fuchsbichlers Schnitt von 1,38 gar nicht so schlecht. Darüber hinaus – auch wenn der jetzige Trainer nicht unbedingt der Taktikfuchs schlechthin ist – gibt es kaum Diskussionen, dass Kicker wie Rene Gartler, Marco Meilinger, Clemens Walch oder Anel Hadzic über großes Potential verfügen. Gegen Rapid Wien oder auch zuletzt gegen die Admira fehlte aber das berühmte Quäntchen Glück im Abschluss. Das Team hat noch nicht gänzlich zusammen gefunden – eine typische Folge einer gröberen Umstrukturierung.

Zufall oder nicht?

Mit Wiener Neustadt konnte am Tabellenende gerechnet werden, dass Wacker Innsbruck ebenfalls schlecht punktet, war so nicht zu erwarten. Ob Reiter und Co. diese Spielzeit mehr oder weniger bewusst gewählt haben, weil a priori davon ausgegangen wurde, dass sowieso ein Team abreißen lassen würde, ist nicht zu erwarten. In der nächsten Runde müssen die Innviertler ins Lavanttal und gegen den Aufsteiger bestehen, danach folgen die direkten Duelle in Innsbruck und daheim gegen den SC Wiener Neustadt. Mit Siegen gegen die Nachzügler kann Fuchsbichler für Ruhe sorgen, wohl sogar bis zur Winterpause.

Unruhe

Im Verein soll es recht unruhig zugehen. Das Verhältnis innerhalb des Trainerteams soll auch nicht mehr ganz friktionsfrei sein. Ried muss sich eben aber auch eingestehen, dass nun auch andernorts gut gearbeitet wird. Ein Rauswurf Fuchsbichlers könnte sich langfristig auch negativ auf das Image des Vereins auswirken. Ein schneller Rauswurf nach einzelnen negativen Ergebnissen könnte ein Bild zeichnen, welches das Management tunlichst vermeiden möchte. In Ried sollen eben als schwierig geltende Typen wie Rene Gartler „salonfähig“ gemacht werden, das gelang schon bei Daniel Beichler. Die Trainer rausschmeißen tun die anderen – nicht die Rieder. So lange man nicht in direkte Abstiegsgefahr kommt, wird sich nichts tun. Denn Fuchsbichler hin oder her – die Chancen müssen die Spieler selber reinmachen. Auch wenn es leichter ist, einen Trainer zu entlassen, als eine ganze Mannschaft.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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