Nach der Blamage der roten Bullen war die SV Ried als nächstes dran, „Blamieren oder Kassieren“ zu spielen. Die Wikinger mühten sich aber zu...

Nach der Blamage der roten Bullen war die SV Ried als nächstes dran, „Blamieren oder Kassieren“ zu spielen. Die Wikinger mühten sich aber zu einem Heim-0:0 gegen den munter und mutig aufspielenden Gegner Schachzjor Salihorsk.

Systemtheorie

Heinz Fuchsbichler, der eigentlich auch in die Richtung 4-2-3-1 arbeiten sollte, vertraute wieder auf das Wohlfühlsystem 3-3-3-1. Im Gegensatz zum 2:0 in der Südstadt gegen die Admira begann allerdings Guillem statt des verletzten Neuzugangs Rene Gartler. Des Weiteren sollte Robert Zulj etwas vorgezogen spielen, Anel Hadzic auf seiner Paradeposition vor der Abwehr. Schachzjor Salihorsk trat wiederum im 4-2-3-1 an, war zur Initiative gezwungen. Die Außenspieler taten das auch, aber dazu später mehr.

Schachzjor begann druckvoll, Ried unkonzentriert

Nicht erst seit BATE Borisow ist ja bekannt, dass der weißrussische Fußball im Aufwind begrifflich ist. Sergey Balanovich fand bereits nach fünf Minuten eine Riesenchance vor. Sein Heber nach einer Unachtsamkeit ging zum Glück der Rieder am Tor vorbei. Selbiger fand nach einem Fehler von Zulj in der elften Minute eine weitere gute Chance vor. Wieder war es ein Konzentrationsfehler, der Innviertler hätte den Ball raus dreschen müssen. Auch wenn die Rieder sich zur Mitte der ersten Halbzeit etwas fingen, fehlte dann auch wieder vorne der letzte, richtige Gedanke. Dazu zeigten sich die Flügelspieler Balanovich und Sitko in ausgezeichneter Spiellaune, die Zuordnung in der Abwehr passte dazu noch schlecht. So gingen die Hausherren mit einem glücklichen 0:0 in die Pause.

Das Kaninchen vor der Schlange

Die Heimmannschaft wirkte wie ein Team, das extrem gehemmt war. Anhand der Situation mit Robert Zulj, der den Ball weg dreschen hätte sollen, sei eines erklärt: Wenn es im Kopf nicht passt, werden ab und an in entscheidenden Phasen die falschen Entscheidungen getroffen. Klarerweise bevorzugt jeder Trainer Spieler, die den Ball geordnet von hinten raus spielen können und wollen. Aber in knappen Spielen, gerade, wenn das Ergebnis für die eigene Mannschaft spielt, es schnell kippen kann, muss die einfache Lösung gesucht werden. Das taten die Rieder weder in der Defensive, noch in der Offensive. Der Gegner wiederum spielte flott und schnörkellos. Mit dieser „Scheiß-drauf“-Mentalität ging es nun mal einfacher, als mit dem behäbigen Vorwärtsspiel der Österreicher. Das Loch, dass Zulj, der zu weit vorne agierte, aufriss, öffnete dem geballten Mittelfeld der Gäste ein Übergewicht.

Nach der Pause – selbes Bild

Fuchsbichler reagierte zur Pause, brachte Ziegl statt Zulj. Aber auch die erste Chance gehörte den Gästen aus Salihorsk. Vor allem Thomas Hinum und Nacho machten auf ihrer rechten Seite zu wenig nach hinten, standen schlecht und Sitko kam kurz nach Wiederanpfiff zu einer guten Chance, die er aber alleine vor Gebauer nach Hinum-Fehler kläglich ausließ, sein Schuss fiel zu zentral aus. Mit Ivan Carril, der in der 58 Minute Solospitze Guillem ersetzte, änderte sich auch wenig. Erst als die Weißrussen um die 70. Minute dem hohen Tempo Tribut zollen mussten, erging es der SV Ried besser. Doch wieder war eine Szene symptomatisch. Hadzic erkämpfte den Ball, hätte das Spiel schnell machen können. Zentral, etwa 35 Meter vor dem Tor passte er aber hoch und langsam zu Meilinger, der richtete sich den Ball aber erst einmal her, passte zurück, Nacho vertendelte die viel zu hohe Flanke.  Es fehlte der Druck, der Verve – die Spielanlage des Gegners, der mit offenem Visier agierte und das auch musste, hätte eigentlich gepasst. Doch die beschriebene Szene war eben eine typische. Die Grafik zeigt die vier Stationen, die eigentlich auch mit einem schnellen Pass auf Carril gelöst hätte werden können.

Die Abwesenheit des Typs

Was der Rieder Mannschaft fehlte, war ein Typ. Dabei geht es weniger um einen Mark van Bommel, der einen der Gegner sinnentleert im Mittelfeld umreißt, sondern einer, der eine Aktion liefert. Ein gelungenes Dribbling, ein gefährlicher Distanzschuss, eine gefährliche Flanke – diese Dinge fehlten schlichtweg. Wenn man so will, präsentierten sich die Rieder zu brav. Die Weißrussen gingen dorthin, wo es dem Gegner weh tat, die Hausherren lavierten sich so durch. Ob ein Drechsel, der bei einem Freistoß den Tormann zu einer Glanzparade zwingt, oder ein Lexa, der unwiderstehlich rechts durchgeht, die Lösung gewesen wäre, sei dahingestellt. Ein Reifeltshammer oder Hadzic hätte es auch tun können – die Aktionen blieben aber aus.

Aufstieg zählt

Letztlich zählt zwar der Aufstieg, aber die Art und Weise, wie er im Heimspiel „gesichert“ wurde, ist kritisierenswert. Die Rieder ließen im 3-3-3-1, das sich eigentlich durch defensive Kompaktheit auszeichnet, eben diese vermissen. Die Aufstellung Zuljs sollte offensive Durchschlagskraft bringen, riss aber ein großes Loch in der Zentrale auf, da dieser nicht genug nach hinten arbeiten konnte. Dazu kam noch ein erhebliches Maß an Passivität, die es dem Gegner noch einfacher machte, die entstehenden Räume zu nützen. Im Endeffekt werden die Rieder wohl selber nicht genau wissen, warum sie da durch gekommen sind. Nun gilt es, den Mund abzuwischen und den Blick auf die kommenden Aufgaben zu richten.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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