Im Rahmen der Qualifikation für die EM-Endrunde 2015 in Tschechien empfing das österreichische U21-Nachwuchsteam die Altersgenossen aus Ungarn. In der Grazer UPC-Arena setze sich...

Werner GregoritschIm Rahmen der Qualifikation für die EM-Endrunde 2015 in Tschechien empfing das österreichische U21-Nachwuchsteam die Altersgenossen aus Ungarn. In der Grazer UPC-Arena setze sich die rot-weiß-rote Auswahl mit 4:2 durch und festigte damit Platz zwei in der Gruppe 4 hinter Spanien. Torschützen waren Daniel Offenbacher, Robert Zulj, Kevin Stöger und Kevin Friesenbichler.

Vor spärlicher Kulisse starteten die Österreicher gut und die Partie und gingen verdient in Führung. Danach setzten die Ungarn jedoch gute Konter und drehten dank Toren von Andras Rado und David Holman, hatten darüber hinaus eine weitere gute Möglichkeit auf 1:3 zu stellen. Dabei nutzten sie vor allem die taktischen Schwächen des ÖFB-Teams im Umschaltspiel aus. Erst dank individueller Nadelstiche setzten sich die Gastgeber durch.

Kombinierende Offensivreihe gegen tiefe Gäste

Werner Gregoritsch schickte sein Team im gewohnten 4-2-3-1 auf das Feld, musste dabei mit Martin Hinteregger und Kevin Wimmer zwei Stützen an das A-Team abtreten. Die Innenverteidigung bildeten daher Lukas Spendlhofer und Florian Neuhold. Davor agierte mit Peter Tschernegg und Daniel Offenbacher eine nominell spielstarke Doppelsechs. Herzstück war aber die offensive Dreierreihe hinter Solospitze Michael Gregoritsch. In der Anfangsphasen kombinierten insbesondere Robert Zulj und Louis Schaub äußert gut. Dabei positionierte sich Zulj etwas linkslastig, während Schaub zeitweise sogar weiter rechts spielte als der Rieder. Folgerichtig fiel auch das 1:0 nach Zusammenspiel der beiden.

Dieses technisch beschlagene und kombinationsstarke Offensivtrio war gegen diesen Gegner auch nötig. Die Ungarn formierten sich einem tiefen und kompakten Block in zwei Viererketten und lauerten auf Konter. Dabei standen sie vor allem in der Breite sehr eng. Nur vereinzelt rückte Balint Vescei aus dem Zentrum energisch vor um seine beiden Vorderleute zu unterstützen. Aufgrund der engen Formation seines Teams wurden dadurch aber kaum Räume frei. Der wichtigste Impulsgeber der Gäste war Kapitän Istvan Kovacs. Er spielte als Zehner und war der Dreh- und Angelpunkt im Umschaltspiel.

Mängel im Umschaltspiel öffnen Schnittstellen

Auf dieses gehen auch die beiden Gegentore zurück. Die Österreicher spielten nach dem Führungstreffer weiterhin nach vorne und drückten auf das 2:0, was an sich keinesfalls ein Fehler ist. Allerdings fehlte die entsprechende Absicherung. Die beiden Sechser positionierten sich bisweilen weit auseinander, was den Ungarn Pässe durch die Schnittstellen hinter die Abwehr ermöglichte – auch diagonal auf die schnellen Außenspieler. Zwar sah man der ÖFB-Elf an, dass sie schnell ins Gegenpressing gehen wollte, da die dafür nötige Ordnung fehlte, kam man aber nicht in die Zweikämpfe.

Hier sieht man den Moment des Ballverlusts. Ungarn steht mit vier Spielern näher zum Ball als die drei Österreicher. Dadurch haben diese keinen Zugriff, kommen zu spät in die Zweikämpfe und die Gäste können sich fast problemlos über die linke nach vorne kombinieren. Ein einfacher Doppelpass reichte um die zweite Pressingwelle, die nur aus einem Spieler bestand zu umspielen. Einen Diagonalpass später landete der Ball im Netz. Dieser war möglich da der rechte Außenverteidiger weit aufrückte. Beim 1:1 trug der linke Außenverteidiger einen Großteil der Schuld.

Neuhold rückte nach vorne, vertändelte den Ball ins Out, woraufhin Ungarn den Einwurf schnell ausführte. Da Neuhold (gelb) seine Position noch nicht eingenommen hat, müsste hier der linke Außenverteidiger einrücken um den Abstand zum verbliebenen Innenverteidiger zu verkleinern. Christoph Martschinko tut das in dieser Szene nicht und so ist ein Steilpass auf den startenden Stürmer möglich.

Umstieg auf lange Bällen und Rückkehr zum Kurzpassspiel

Nach dem Ausgleich und insbesondere nach dem Rückstand fiel der ÖFB-Nachwuchs in ein kreatives Loch. Sobald Ungarn erste Pressingansätze zeigte, schlugen die Aufbauspieler lange Pässe nach vorne. Gegen die physisch starke Innenverteidigung blieb dieses Mittel jedoch wie anzunehmen war ohne Wirkung. Man versuchte dabei zwar ein klein wenig zu variieren und auch Diagonalpässe auf die ballferne Seite einzustreuen um die technisch starken Flügelspieler in eins-gegen-eins-Situationen zu bringen, jedoch blieben diese Versuche ohne Erfolg. Nach dem Seitenwechsel hielt man den Ball wieder flach und kombinierte sich zum Sieg.

Vor allem das 2:2 begeisterte dabei die Zuschauer, ORF-Experte Herbert Prohaska zog sogar Vergleiche mit dem FC Barcelona. Dabei ist allerdings festzuhalten, dass dieser Spielzug nicht wirklich einstudiert wirkte, sondern eher den individuellen Qualitäten der einzelnen Spieler zuzuschreiben ist. Auf der einen Seite die individualtaktische Klasse von Zulj, der sich zwischen den Linien positionierte und so den Raum für Tschernegg öffnete. Dieser legte dann per „Ferserl“ sehenswert zurück. Das 3:2 entstand aus einem Konter, bei dem Stöger zwei Spieler ausspielte und das letzte Tor ging auf einen einfachen Lupfer hinter die Abwehr zurück.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • gastinho

    19.November.2013 #1 Author

    ich hatte schon das gefühl dass die treffer bewusst so rausgespielt wurden…

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