Nachdem das U21-Team zuletzt fünf Spiele lang nicht verlor setzte es gegen die Altersgenossen aus England eine deutliche 0:4-Niederlage. Dabei sind die Begriffe „Altersgenossen“...

Werner GregoritschNachdem das U21-Team zuletzt fünf Spiele lang nicht verlor setzte es gegen die Altersgenossen aus England eine deutliche 0:4-Niederlage. Dabei sind die Begriffe „Altersgenossen“ und „deutlich“ relativ aufzufassen. Während Werner Gregoritsch mit der „nächsten Generation“ antrat, reizte Stuart Pearce das Reglement bis an die Grenzen aus. Daraus ergaben sich Altersunterschiede von bis zu fünf Jahren. Vor allem in der ersten Halbzeit hielten die Österreicher aber trotzdem gut mit.

Im AMEX Stadium zu Brighton brachte der rot-weiß-rote Nachwuchs die Gastgeber mit einigen Chancen zunächst arg in Bedrängnis. Einen Schuss von Florian Kainz konnten sie erst auf der Linie retten, kurz danach hatte Keeper Jason Stelle bei einem Versuch von Raphael Holzhauser Mühe und als Robert Zulj nach einer halben Stunde um Zentimeter verzog, hatte man das Gefühl, dass dieser Mannschaft der Sieg zuzutrauen ist. Doch als Torhüter Richard Strebinger und Patrick Farkas kurz vor und nach der Pause ausgeschlossen wurden, war das Spiel gelaufen.

Ein flexibles, mannorientiertes 4-2-3-1

Beide Teams begannen in einer 4-2-3-1-Grundordnung, wobei sich jenes der Österreicher einen Tick flexibler zeigte. Während die Hausherren mit Connor Wickham einen klassischen Target Man vorne drinnen hatte, bot Gregoritsch mit Zulj als Spitze einen Spieler auf, der im Verein die Zehnerrolle bekleidet. Immer wieder ließ sich der Rieder mit Holzhauser und Marcel Sabitzer auf Rochaden ein und kam aus der Tiefe.

Im Spiel gegen den Ball rückte außerdem Tobias Kainz immer wieder nach vorne, in erster Linie um Jonjo Shelvey zu bedrängen. Der Liverpooler war der Dreh- und Angelpunkt des englischen Teams. Er ließ sich oft fallen und versuchte sich immer wieder als Anspielstation im Zwischenlinienraum anzubieten. Doch nicht nur gegen die Nummer zehn der Young Lions agierten die Österreicher mannorientiert, auch an den flinken Außen waren sie stets nah dran.

Übers Zentrum hinter die Außenverteidiger

Doch diese Strategie ging nur sehr selten auf. Zum einen weil man erst attackierte als der jeweilige Gegenspieler den Ball erhielt, zum anderen weil die Engländer ihrerseits mit guten Bewegungen die Ordnung durcheinander brachten – ähnlich wie es zum Beispiel die Austria gegen Mattersburg tat. Die Schlüsselrolle nahm dabei der oben erwähnte Shelvey ein, der sich gut zwischen den Ketten bewegte. Der bullige Glatzkopf agierte als Wandspieler, wurde mit dem Rücken zum Tor angespielt und gemäß des Mannfokus von den Österreichern sofort attackiert. Allerdings ließ er den Ball nur prallen und so kam man in weiterer Folge auf den Seiten hinter die Abwehr.

Begünstigt wurde dies dadurch, dass die Flügelspieler nach innen rückten – und damit die Außenverteidiger weglockten – und mit den aufrückenden Außenverteidigern, die letztlich „geschickt“ wurden, gewissermaßen einen Doppelflügel bildeten. Aufgrund dieser Konstellation konnten die Engländer auch phasenweise die Halbräume überladen und so über die Außenbahnen gefährlich werden. Die Gäste orientierten sich am ballführenden Akteur, während auf der Seite der Außenverteidiger seinen Gegenspieler überlaufen konnte. Eine Beispielszene ist rechts dargestellt. Dass die Engländer nicht mehr Kapital aus derartigen Aktionen schlugen, lag zum einen daran, dass sie die Angriffe selbst nicht konzentriert zu Ende spielten und zum anderen an der hohen Leidenschaft, die die österreichische Auswahl an den Tag legte.

Herauskippender Sechser unterbindet Pressing-Zugriff

Diese Aggressivität zeigten sie auch in den höheren Verteidigungszonen. Die Schwierigkeiten im Zentrum wollte man zunächst dadurch in den Griff bekommen, indem man das Aufbauspiel der Engländer stärker unter Druck setzte. So schoben sowohl Tobias Kainz als auch Holzhauser gegen den Ball eine Linie weiter vor, was die Engländer dazu veranlasste mehr lange Bälle zu spielen, wodurch sie nicht mehr in die Schnittstellen zwischen Verteidigung und Mittelfeld kamen.

Darauf hatten  die Weißen aber eine sehr elegante Antwort. Shelvey ließ sich noch tiefer fallen, so dass er in den Zuständigkeitsbereich von Holzhauer wanderte. Außerdem standen beide Sechser tief, was zur Folge hatte, dass Zulj gegen vier Aufbauspieler auf verlorenem Posten stand – siehe rechts. Ein Spieler zog ihn aus dem Zentrum raus, woraufhin die Insel-Kicker im Zentrum nach vorne marschieren konnten und wieder übers Zentrum hinter die Außenverteidiger kamen.

Engländer individuell weiter

Doch nicht nur im individual- und gruppentaktischen Bereich präsentierten sich die Engländer ausgereifter, auch hinsichtlich der fußballerischen Qualität hatten sie die Oberhand. Zwar sind aus österreichischer Sicht die Zeiten vorbei, als man als Trainer einer Nachwuchsauswahl in der Regionalliga auf Spielersuche gehen musste, in den Reihen der Engländer fand man aber dennoch deutlich reifere Spieler – zum Teil mit Premier-League-Erfahrung – wieder.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Pearce kann als englischer Trainer naturgemäß auf „besseres“ Spielermaterial zurückgreifen und zudem war dieses im Schnitt auch merklich älter. Gezeigt haben sich erstere Effekte vor allem im Offensivspiel. Raheem Sterling, zwar selbst erst 18 Jahre jung, aber eines der größten Talente auf der Insel, zog beispielsweise mit seinen Dribblings stets die Aufmerksamkeit mehrerer Österreicher auf sich, was Räume für seine Mitspieler öffnete. Die physische Komponente kam den Engländern in erster Linie in der Defensive zugute.

Keine Chance in Unterzahl

Die britische Härte war vor allem das Zentrum um Simon Piesinger und Tobias Kainz nicht gewohnt und so konnten die Österreicher keine flüssigen Kombinationen aufziehen. Die Ecke, die zur Doppelchance durch Kainz und Holzhauser führte, wurde durch einen hohen Ball in einen Diagonallauf des Stuttgarters hinter den hoch stehenden Rechtsverteidiger eingeleitet. Den Löwenanteil an Zuljs Möglichkeit hatte mit Holzhauser jener Spieler, der als einziger individuell mit der Qualität der Briten mithalten konnte.

Nach den beiden Ausschlüssen und den folgenden Toren durch Shelvey sowie Josh McEachran  war klar, dass sich die Young Lions die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen würde. Da sich Österreich mit den übrigen acht Feldspielern in zwei Viererketten vor dem Strafraum aufstellte, hatten sie im Aufbauspiel keinen Druck und spielten die Partie routiniert zu Ende. Marvin Sordell und Connor Wickham schraubten das Ergebnis mit ihren Treffern schließlich auf 4:0 in die Höhe.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.