Gegen die Unentschieden-Könige aus Slowenien wollte die Mannschaft von Teamchef Franco Foda im so wichtigen EM-Qualifikationsspiel mit offensiver Variabilität, Spielkontrolle und Durchschlagskraft überzeugen. Vieles... Analyse: Mühsam, aber verdient – Österreich bezwingt Slowenien

Gegen die Unentschieden-Könige aus Slowenien wollte die Mannschaft von Teamchef Franco Foda im so wichtigen EM-Qualifikationsspiel mit offensiver Variabilität, Spielkontrolle und Durchschlagskraft überzeugen. Vieles davon blieb man den Zuschauern in Klagenfurt über die kompletten 90 Minuten schuldig.

Gegen destruktive Slowenen entwickelte sich daher ein fast schon typisches Länderspiel: Eine Mannschaft baut sehr abwartend und defensiv einen kompakten Block in der eigenen Hälfte (oder in einem etwas offensiverem Mittelfeldpressing) auf und zwingt dadurch die andere Mannschaft dazu, das Spiel zu machen und für offensive Kreativitätsmomente zu sorgen. Und daran scheitern eben viele Nationalteams, auch weil schlichtweg die gemeinsame Zeit auf dem Trainingsplatz fehlt. Die taktischen Grundstrukturen in den einzelnen Spielphasen sind dabei noch meist recht gut, was fehlt sind die gruppentaktischen Abläufe und Automatismen im Offensivspiel. Und so gestaltete sich auch das gestrige Qualifikationsspiel in Kärnten.

Wir analysieren kurz die Überlegungen von Franco Foda im Spiel mit und gegen den Ball und versuchen auch einen Erklärungsansatz zu finden, warum das Thema der Kreativität das ÖFB-Team auch in den nächsten Spielen begleiten wird.

Variables 4-3-3 sorgt für gute Raumbesetzung in der gegnerischen Hälfte

Die Raumaufteilung war wie eigentlich immer unter Foda klar und sauber organisiert. Im eigenen Ballbesitz strukturierte der ehemalige Sturm-Coach sein Team in einem 4-3-3 mit einem Sechser und zwei Achtern, gegen den Ball wurde aus dem 4-3-3 ein flaches 4-4-2, indem Sabitzer im Regelfall in die erste Pressinglinie neben Marko Arnautovic vorschob.
Die Personalbesetzung war ebenfalls im Vorhinein in etwa so zu erwarten, bis natürlich auf den kurzfristigen Ausfall von Kapitän Julian Baumgartlinger. Ihn ersetzte Debütant Konrad Laimer auf der Sechserposition im zentralen Mittelfeld. Die Innenverteidigung vor Torhüter Lindner bildeten wieder Martin Hinteregger und Aleksander Dragovic, die Außenverteidigerpositionen in der Viererkette nahmen die beiden Salzburger Andreas Ulmer auf links und Stefan Lainer auf der rechten Seite ein.

Die Achterpositionen in der offensiven Variante nahmen mit Xaver Schlager und Marcel Sabitzer ebenfalls zwei „RB-Spieler“ ein. Gegen den Ball hatten Schlager und Sabitzer aber zwei unterschiedliche Aufgabenprofile. Während sich Sabitzer wie bereits beschrieben nach vorne orientierte und zusammen mit Arnautovic die erste Pressinglinie (wobei die in einigen Situationen diese Bezeichnung nicht wirklich verdient hat) bildete, besetzte Schlager die zweite Sechserposition neben Laimer und verteidigte von dort aus in aktiven Pressingmomenten immer wieder nach vorne und stellte so die slowenischen Sechser zu.
Die offensive Dreierreihe mit Alaba, Arnautovic und Lazaro komplettierte die Startaufstellung von Franco Foda, die mit den slowenischen Defensivketten schwer zu kämpfen hatte.

Wie nicht anders zu erwarten war, fokussierten sich die Slowenen in der Klagenfurter Wörthersee-Arena auf ein solides Spiel gegen den Ball. Trainer Matjaz Kek ordnete seine Auswahl in einem konventionellen 4-4-2 Mittelfeldpressing an. Die Abstände in der Horizontale und Vertikale waren gut, die beiden Stürmer Sporar und Ilicic versperrten den österreichischen Sechserraum konsequent und zwangen die österreichischen Innenverteidiger immer wieder zu Pässen auf die Flügel, wo dann aggressiv Druck ausgeübt werden sollte.

Das österreichische Team war natürlich auf diese slowenische Herangehensweise vorbereitet und spielte vor allem in der ersten Halbzeit mit der notwendigen Geduld. Mit etwas mehr Nachdruck und Geradlinigkeit im dritten Drittel wäre auch im ersten Durchgang der Führungstreffer für das ÖFB-Team drinnen gewesen.

Wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang war, dass die österreichischen Akteure sehr genau um die individuellen Schwachstellen innerhalb des slowenischen Defensivblocks Bescheid wussten. So konnte man zum Beispiel über die eigene linke Angriffsseite einige Male sehr effektiv hinter die gegnerische Viererkette kommen, nur der letzte Pass bzw. die Strafraumbesetzung (oder meistens beides zusammen) waren dann alles andere als optimal. Diese Flügeldurchbrüche wurden meist mit langen Diagonalbällen von der rechten Seite eingeleitet, indem David Alaba breit blieb, Andi Ulmer unterstützend hinzukam und dann Alaba gegen den überforderten rechten Außenverteidiger Stojanovic regelmäßig ziemlich leichtes Spiel hatte. Dazu kam, dass die restliche slowenische Viererkette nicht durchschob, sondern im Zentrum (Strafraum) blieb und dadurch immer wieder der Raum hinter Stojanovic groß aufging. Über diesen simplen Mechanismus konnten die Österreicher einige Male durchbrechen, die Flankenqualität und/oder die Besetzung des Strafraums bzw. des Rückraums waren aber zu oft ausbaufähig.

Die Raumaufteilung samt Aktionsradien der ÖFB-Elf gegen das 4-4-2 der Slowenen

Ansonsten ging offensiv viel über den umtriebigen Sabitzer, der seine Achterposition sehr beweglich interpretierte und so häufig als Verbindungsspieler für die Aufrechterhaltung der Ballzirkulation diente. Zu Spielbeginn sah es noch so aus, als wäre er als alleiniger Zehner aufgeboten, weil Xaver Schlager sich noch zu tief neben Laimer positionierte. Mit Fortdauer des Spiels korrigierte aber Schlager seine Position und besetzte den offensiven linken Halbraum, was sich positiv auf die Statik des Spiels auswirken sollte. Es war aber im Regelfall Sabitzer, der sich im Zwischenlinienraum anbot, den Ball forderte und versuchte, enge Situationen am Flügel und in den Halbräumen spielerisch zu lösen. Mit seinem Kopfball hatte er auch die Chance, Österreich früher in Führung zu bringen.

Die restlichen Akteure im Offensivbereich waren aber nicht annähernd so spielfreudig wie Sabitzer, was neben den fehlenden gruppentaktischen Zusammenhängen der Hauptgrund für die mangelnde Kreativität war. Arnautovic hing im Sturmzentrum komplett in der Luft. Die situativ eingestreuten langen Bälle der Innenverteidiger, die er wie kein anderen im ÖFB-Team abschirmen und behaupten kann, kamen viel zu ungenau. Er hatte auch nie Raum und Situationen für seine durchschlagskräftigen 1 gegen 1 Situationen wie am linken Flügel, mit denen der das Nationalteam in den letzten Jahren schon einige Male „gerettet“ hat.

Am Ende hatte Österreich 55% Ballbesitz, ein Torschussverhältnis von 18 zu 10 (davon gingen acht Schüsse von Österreich aufs Tor) und bei 517 gespielten Pässen eine Passgenauigkeit von 80% (Slowenien kam bei 429 Pässen auf 75%). Und unterm Strich auch die qualitativ besseren Chancen. In Anbetracht dessen, dass das zentrale Mittelfeld in dieser Konstellation noch nie zusammenspielte und darüber hinaus auch sehr jung besetzt war, kann man nicht den perfekten Ballbesitzfußball erwarten. Es war viel Leerlauf dabei und viele Aspekte hätte man in dieser Struktur zielgerichteter ausspielen können. Torchancen waren aber da und auch der entscheidende Treffer durch Guido Burgstaller gelang. Ein ähnlich mittelmäßiges Bild lieferten Arnautovic und Co. allerdings auch im Spiel gegen den Ball ab.

Solide Mechanismen und Strukturen reichen aus

Mit solide und konventionell beschreibt man das Pressing der Österreicher wohl am besten. Gegen einen Gegner, der den Ballbesitz forciert und auch die dementsprechenden Räume besetzt, ist diese Gangart und Herangehensweise im internationalen Vergleich wohl deutlich zu wenig. Bei den Slowenen hat man vereinzelt gesehen, dass sie auch mit dem Ball gut umgehen können und die Freilaufbewegungen der Sechser waren auch recht gut abgestimmt, sodass sie die zaghaften Pressingversuche von Arnautovic und Sabitzer ziemlich locker überspielen konnten. In Summe lösten sich die Slowenen aber deutlich zu wenig von ihrem Defensiv- und Absicherungsgedanken, weshalb der Matchplan Fodas diesbezüglich ausreichte und weder aus dem Spiel noch nach Umschaltsituationen große Chancen zugelassen wurden.

Wie bereits weiter oben beschrieben, wurde aus dem 4-3-3 bei eigenem Ballbesitz ein 4-4-2 gegen den Ball. In den wenigen klaren Aufbausituationen der Slowenen versuchten Sabitzer und Arnautovic früh Druck auf die ballführenden Innenverteidiger auszuüben, hinter dieser ersten Pressingreihe fungierte Xaver Schlager als Unterstützungsspieler und stellte einen der gegnerischen Sechser, sodass ein vertikaler bzw. horizontaler Pass für die Innenverteidiger nur schwer möglich sein sollte. Der von RB Pressing-erprobte Schlager machte diese Sache auch recht gut.

Aber ansonsten hat man in ein paar Szenen gesehen, dass das kollektive Verständnis (noch) nicht da ist. Marko Arnautovic hat sich teilweise komplett rausgenommen, die Abstände hinter der ersten Pressinglinie wurden mit Fortdauer des Spiels immer größer und angestrebte Ballerobungs-Zonen waren auch nicht zu erkennen. Unterm Strich war aber das Spiel gegen Slowenien zu wenig, um wirkliche Rückschlüsse ziehen zu können. Im Retourspiel in Slowenien könnte aber eine solch lasche Herangehensweise viel zu wenig sein, ähnlich wie vor ein paar Wochen in Israel.

Fazit

Wie in der Einleitung beschrieben, ein typisches Länderspiel. Und das ist nicht unbedingt positiv gemeint. Der Sieg für Österreich war trotzdem verdient. Wie Sloweniens-Teamchef Matjaz Kek nach dem Spiel richtig gesagt hat, war Österreich um dieses eine Tor besser.
Aber es wartet noch viel Arbeit auf Franco Foda und der Weg durch diese EM-Quali könnte komplizierter werden als manch einer jetzt noch annimmt. Und kompliziert wird es schon am Montag in Nord-Mazedonien. Die ÖFB-Elf wird vor ähnliche Aufgaben gestellt werden wie von den Slowenen und man darf gespannt sein, welche Lösungsmöglichkeiten Foda seiner Mannschaft mit auf den Weg geben wird. Die knappe 0:1 Niederlage der Nord-Mazedonier gegen die Polen zeigt, dass das aktuelle Leistungsplateau bis zur Gänze ausgeschöpft werden muss, um drei Punkte mitnehmen zu können.

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank