Dem SK Rapid gelang mit dem 5:2-Erfolg über den TSV Hartberg im Cup-Viertelfinale die Revanche für die peinliche 0:3-Niederlage im Herbst und zugleich ein... Analyse: Hungrige Rapidler zerlegen Hartberg

Dem SK Rapid gelang mit dem 5:2-Erfolg über den TSV Hartberg im Cup-Viertelfinale die Revanche für die peinliche 0:3-Niederlage im Herbst und zugleich ein wichtiger Befreiungsschlag vor dem Rückspiel gegen Inter Mailand am Donnerstag im San Siro.

5:2 ist bisher das Lieblingsergebnis der Hütteldorfer im Jahr 2019. Gegen Odense BK verlor man noch mit diesem Ergebnis, im letzten Test gegen Triglav Kranj gab es dann einen Sieg mit demselben Resultat. Nun klappte es auch in einem Pflichtspiel mit einem 5:2-Sieg, wobei vor allem Murg und Pavlovic mit je einem Doppelpack glänzten.

Gute rechte Seite durchbricht verhaltenen Beginn

Dabei sah es lange nicht so aus, als könnte Rapid den Hartbergern derart viel Offensivpower entgegensetzen. Bis kurz vor der Pause stand es noch torlos und erst nach einer halben Stunde wurde Rapid aktiver, was der starken rechten Seite zu verdanken war. Murg und der sehr aktive Auer erhöhten eigeninitiativ den Druck und brachten Rapid damit auf die Siegerstraße.

Hartberg im ersten Frühjahrsspiel unsicher

Davor wirkten die Hütteldorfer noch etwas planlos, auch weil sich die Hartberger etwas tiefer hineinstellten, als es zu erwarten war. Den Steirern sah man an, dass es das erste Pflichtspiel des Kalenderjahres war. Schopps Elf wusste – auch nach der durchwachsenen Vorbereitung – noch nicht wirklich, wo man steht und ob man so konsequent kontern und mitspielen könne wie noch im Herbst.

Rapids Offensivreihe im Zwischenlinienraum zu statisch

Bei Rapid verließen sich einige Spieler zu sehr aufeinander und speziell das Stellungsspiel bei Ballbesitz war in der ersten halben Stunde stark verbesserungswürdig. Auffällig war dabei vor allem, dass sich die offensive Dreierreihe mit Murg, Knasmüllner und Schobesberger nicht ausreichend anbot. Etwas überraschend überließen die Hartberger diesen Spielern den Zwischenlinienraum, aber die drei Rapidler blieben in mehreren Situationen zu statisch.

Fehler des Gegners genützt, statt Dominanz am Ball aufzubauen

Es hätte in mehreren Situationen nur minimale Bewegungen benötigt, um Passschneisen zu öffnen. Noch dazu zeigten sich gleich mehrere Rapid-Akteure, so etwa die Innenverteidiger oder der im vertikalen Spiel souveräne Martic, recht aufbausicher. Die Rochaden und Freilaufbewegungen im Zwischenlinienraum waren aber unzureichend, weshalb Rapid nur nach Fehlern des Gegners gefährlich wurde.

Pavlovic kommt anfänglich nicht in die „Zone der Wahrheit“

Dies lag anfänglich auch ein wenig an der Position von Andrija Pavlovic, die eine Begleiterscheinung der fehlenden Bewegung ohne Ball seiner Hinterleute war. Der Serbe tauchte zu häufig am Flügel auf, rackerte sich in ungefährlichen Zonen ab, fehlte dann selbst im Strafraum. Die Mitte musste er aber verlassen, weil vor allem Knasmüllner in der Breite zu wenig Bewegung zeigte. Deshalb wich Pavlovic aus, weil er sich sonst hinter Knasmüllner „versteckt“ hätte.

Starkes Antizipationsspiel bei gegnerischen Fehlern

Das Pressing Rapids war erneut sehr tief angesetzt und auch nicht besonders intensiv. Allerdings waren die Hütteldorfer durchgehend stark im Antizipieren gegnerischer Pässe. Da Hartberg im Aufbauspiel einige Ungenauigkeiten dabeihatte, musste Rapid verhältnismäßig wenige Zweikämpfe annehmen, um den Ball zu erobern. Das richtige Timing bei schlechten Zuspielen der Steirer genügte oftmals.

Auers Achtsamkeit leitet Führungstreffer ein

Aus einer solchen Szene resultierte auch das 1:0 durch Thomas Murg. Auer luchste dem unachtsamen Rajko Rep den Ball ab und zog das Tempo an. Eine gute Kombination über Auer, Pavlovic und Murg stellte die Führung für die Hütteldorfer her. Bereits zuvor war Rapid zweimal nach gegnerischen Ballverlusten gefährlich geworden. Es war offensichtlich, dass Kühbauer nach Ballgewinnen größere Explosivität von seiner Mannschaft forderte. Ab der 30.Minute kam Rapid häufiger in Tornähe als in jedem anderen Spiel in dieser Saison, weil nach Ballgewinnen nicht abgebremst und wenig quergespielt wurde.

Gleich nachlegen: Der Schlüssel für Selbstverständnis im Rapid-Spiel

Dass Fußball eine Kopfsache ist, sah man gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit. Nicht nur, weil Maximilian Hofmann das 3:0 unmittelbar nach Pavlovic‘ 2:0 per Kopf erzielte, sondern auch weil gerademal 130 Sekunden zwischen den Toren lagen. Mit dem 2:0, ebenfalls resultierend aus einem leichtsinnigen Ballverlust der Hartberger, bekam Rapid Sicherheit und Hunger auf weitere Tore. Dass sofort danach das 3:0 nachgelegt wurde, spricht für die Wiener. Dass Rapid auch nach recht komfortablen Führungen nicht in falsche Zufriedenheit abgleitet, wird im Herbst eine der wichtigsten Facetten sein, um das langersehnte Selbstverständnis im eigenen Spiel wiederzufinden.

Spannung aufrechterhalten

Kühbauer war nach dem Spiel ob der beiden vermeidbaren Gegentore ein wenig „verschnupft“, aber auch hier muss man die Antworten Rapids positiv herausstreichen. Nur fünf Minuten nach dem 3:1 schnürte Pavlovic seinen Doppelpack und nach dem 4:2, das die Hartberger wieder ein wenig aufkommen ließ, dauerte es nur neun Minuten bis zu Murgs Supertor zum 5:2-Schlusspunkt. Auch wenn natürlich noch nicht alles perfekt war, passte die Marschrichtung bei den Hütteldorfern und diesen Elan muss die Kühbauer-Elf in die nächsten schweren Spiele gegen Inter und Salzburg mitnehmen. Auf den Trainer wartet nun die schwierige Aufgabe, die Spannung und den Hunger aufrechtzuerhalten. Schließlich war es in den letzten Jahren sehr häufig der Fall, dass Rapid sich auf überzeugenden Erfolgen zu lange ausruhte…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen