Nach dem 2:0-Auswärtssieg in Zagreb standen die Chancen mehr als gut, dass der FK Austria Wien den Sprung in die Champions League schafft.  Es... Endlich wieder Champions League! Wiener Austria nach echtem Fußball-Thriller in Königsklasse angekommen.

Nenad Bjelica - FK Austria Wien

Nach dem 2:0-Auswärtssieg in Zagreb standen die Chancen mehr als gut, dass der FK Austria Wien den Sprung in die Champions League schafft.  Es folgte jedoch eine Berg- und Talfahrt der Gefühle, denn die Mannschaft von Nenad Bjelica stand nach 70 Minuten aufgrund eines 1:3-Rückstands mit eineinhalb Beinen in der Europa League. Wir wollen in diesem Artikel analysieren, weshalb Dinamo Zagreb über weite Strecken spielbestimmend war und weshalb die Austria dann doch noch zurückkam und den Aufstieg bewerkstelligen konnte.

Ein Auftakt nach Maß

Die Fans der Wiener Austria werden dieses Spiel wohl ihr Leben lang nicht vergessen, denn die vielleicht schönste Niederlage der Vereinsgeschichte sicherte einen Platz in der europäischen Königsklasse. Man merkte von der ersten Minute an, dass Dinamo Zagreb den großen Tönen im Vorfeld der Partie Taten folgen lassen wollte, denn die Kroaten begannen engagiert und versuchten von Beginn an das Heft in die Hand zu nehmen. In der ersten Phase der Partie hielt die Austria gut dagegen, ließ sich nicht zurückdrängen und kam gleich am Anfang zu einer aussichtsreichen Chance, aus der Philipp Hosiner jedoch zu wenig machte. Nur kurz danach erlebten die Kroaten den ersten großen Dämpfer, nachdem ein gut getretener Freistoß von Florian Mader, leicht abgefälscht von Innenverteidiger Josip Simunic, den Weg ins gegnerische Tor fand.

Personelle Veränderungen

Bei der Wiener Austria übernahm der im Hinspiel gesperrte Markus Suttner wieder die linke Abwehrseite von Marin Leovac, bei Dinamo Zagreb gab es hingegen mehrere Umstellungen. Der polnische Torhüter Grzegorz Sandomierski ersetze den um drei Jahre jüngeren Oliver Zelenika, eine Personalie die wir schon in unserer Analyse vor dem Hinspiel erwartet haben, da Sandomierski in diesen wichtigen Spielen einfach mehr Erfahrung vorzuweisen hat. Im Mittelfeld ersetzte der kroatische U21-Teamspieler Marcelo Brozovic den formschwachen Zvonko Pamic. Dieser Tausch war etwas überraschender und kam aufgrund der starken Formkurve von Brozovic zustande, der vor knapp zwei Wochen im U21-Länderspiel gegen Liechtenstein zwei Tore erzielte und auch gegen die Austria einen schönen Treffer beisteuern sollte. Im Sturm gab es allerdings die größte Überraschung, denn mit Duje Cop saß der gefährlichste Stürmer der Kroaten 90 Minuten lang nur auf der Ersatzbank. Die erste Alternative hieße im Normalfall Ante Rukavina, doch der kopfballstarke Angreifer sah im Hinspiel wenige Sekunden nach seiner Einwechslung die rote Karte und war für dieses Spiel gesperrt.

Die Dinamo-Trainer Damir Krznar und Zoran Mamic hätten Rukavina jedoch ohnehin nicht in diese Partie geschickt, denn sie entschieden sich auf den eingebürgerten Brasilianer Sammir zu setzen und eine andere Strategie zu verfolgen. Sammir wurde im Hinspiel nach 60 Minuten eingewechselt und kam dieses Wochenende zum ersten Mal  in dieser Saison zu einem Einsatz in der kroatischen Liga. Zuvor fiel er aufgrund einer Seitenbandverletzung längere Zeit aus und verhielt sich im Krankenstand nicht gerade professionell, da er das Nachtleben in Zagreb in vollen Zügen auskostete. Dennoch erwies sich sein Einsatz als ein gelungener Schachzug, denn aufgrund seiner individuellen Stärke machte er der Wiener Austria das Leben schwer und bereitete die ersten beiden Treffer der Kroaten vor.

Dinamo-Überlegenheit im Mittelfeld

Sammir begann zwar nominell als Sturmspitze, ließ sich aber immer wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen, um sich von dort die Bälle zu holen und das Spiel zu organisieren. Zusammen mit den hoch aufgerückten und spielstarken Außenverteidigern hatten die Kroaten nach dem Gegentor bald ein komfortables Übergewicht im Mittelfeld, das dadurch zu Stande kam, dass die Austria-Spieler sich immer mehr zurückdrängen ließen, tief standen und sich zu weit von ihren Gegenspielern entfernten. Gegen diese spielstarke Mannschaft, die noch dazu Risiko nahm und alles in die Waagschale warf, ist es natürlich nicht einfach im Mittelfeld dagegenzuhalten, aber mit einer konsequenteren und härteren Spielweise hätte die Dominanz der Gastmannschaft nicht so groß ausfallen müssen. Besonders mit den starken Außenverteidigern hatte die Austria große Probleme. Wir warnten schon in der Dinamo-Mannschaftsanalyse, dass Josip Pivaric und Ivo Pinto sehr viel Druck über die Außenbahnen erzeugen würden. Während Pivaric selbst gerne den Abschluss mittels Distanzschuss versucht, schlägt Ivo Pinto gefährliche Flanken aus dem Halbfeld und der Grundlinie. Wir zitieren aus der Analyse:

Bei Eins-gegen-Eins-Situationen kann er sich aufgrund seiner starken Technik und seiner Geschwindigkeit oft auf der rechten Seite gegen seine Gegenspieler durchsetzen. Eine seiner Spezialitäten ist, dass er ein Dribbling quer ins Zentrum andeutet, dann jedoch die Bewegung abstoppt und schnell nach vorne Richtung Grundlinie dribbelt.

Beim Treffer zum 2:1 kam es zu genau so einer Situation, da Tomas Jun ihm den Weg zur Grundlinie nicht versperrte und Markus Suttner seinem Mitspieler nicht zu Hilfe kam, obwohl er keinen Gegenspieler hatte:

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Pinto bekommt am rechten Flügel den Ball, die Austria steht zwar tief aber alles in allem recht kompakt. Der Portugiese zieht im Gegensatz zu Pivaric bei Eins-gegen-Eins-Situationen nur ganz selten diagonal Richtung Strafraum, weshalb Jun alles daran setzen muss ihm den Weg zur Grundlinie abzuschneiden. Markus Suttner sollte sich stärker in die Richtung der beiden orientieren, da Soudani ins Zentrum geht und dort von Ortlechner bewacht wird.

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Wie erwartet geht Pinto ins Laufduell mit Jun und entscheidet dieses für sich. Suttner reagierte zu spät und wird die Flanke nicht mehr verhindern können.

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Pinto bringt eine seiner gefährlichen Flanken in den Strafraum, Kaja Rogulj kann per Kopf nur kurz klären und der Ball kommt zu Sammir, der ihn gleich zu Junior Fernandes weiterköpfeln wird. Daniel Royer steht zu weit vom Spielmacher weg und entfernt sich sogar in den nächsten Sekunden von ihm, sodass dieser völlig unbehindert den Pass machen kann.

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So alleine darf man Sammir an der Strafraumgrenze nicht stehen lassen. Die Abstände sind viel zu groß.

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Dem rechten Außenverteidiger Fabian Koch kann man in dieser Szene keinen großen Vorwurf machen, denn bei der Flanke stand er prinzipiell richtig und danach ging alles sehr schnell. Wenn er aber die Stärken und Schwächen von Junior Fernandes kennt, dann weiß er, dass der Chilene in dieser Situation IMMER den Schlenzer ins lange Eck versucht und schneidet ihm vielleicht nach Sammirs Kopfball etwas schneller die Schussbahn ab, indem er in Kauf nimmt, dass er den Weg zur Grundlinie für Junior Fernandes öffnet. Auch hier zitieren wir aus unserer Analyse vom 19. August:

Die Abwehrspieler der Austria müssen stets aufpassen, dass sie ihm  (Anm. Junior Fernandes) den Weg ins Zentrum abschneiden, da er sich den Ball nach einem Haken auf den rechten Fuß legt und den Ball versucht ins rechte Kreuzeck zu schlenzen. Lieber also bis zur Grundlinie laufen lassen, denn mit seinem linken Fuß sind seine Flanken schwach.

Wechsel sorgen für Umschung

Nach dem 3:1-Führungstreffer durch den eingewechselten Fatos Bećiraj schien die Sache gelaufen zu sein, doch mit einem Doppeltausch zwischen der 73. und der 75. Minute brachten die Kroaten die Austria wieder zurück in die Partie. Das Trainergespann Krznar / Mamic nahm mit Soudani und Sammir zwei spielbestimmende und gefährliche Akteure vom Platz und schickte die Mittelfeldspieler Domagoj Antolić und Jiri Leko aufs Feld. Mittels dieser Maßnahme sollte das Zentrum komplett zugemacht werden, allerdings auf Kosten der Kreativität, die die Kroaten in dieser Partie auszeichnete.

Austria-Trainer Nenad Bjelica bewies bei seinen Wechseln das weitaus bessere Händchen, denn mit Alexander Grünwald brachte er schon in der 69. Minute einen Spieler, der der Partie gut tat und die Einwechslung des Angreifers Roman Kienast in der 81. Minute erwies sich in weiterer Folge sowieso als goldrichtig. Kienast schoss nicht nur das alles entscheidende Tor, sondern hielt nach dem Anschlusstreffer zum 2:3 einige Male richtig gut den Ball und war nur schwer von diesem zu trennen, was der Austria kostbare Zeit verschaffte. Durch die Auswechslungen ging bei der Gastmannschaft der Fluss verloren und die Austria gewann plötzlich große Spielanteile zurück, da sich die Kroaten vornehmlich darauf beschränkten den Vorsprung zu verwalten und sich zurückdrängen ließen. Die Austria zeigte in dieser Phase große Moral, agierte mit der Kraft der Verzweiflung, während Dinamo Zagreb Angst vor dem Ausscheiden bekam, als sie den Aufstieg schon vor Augen hatten.

Nenad Bjelica kann man zu seinen Einwechslungen nur gratulieren, während seine kroatischen Kollegen die Partie in der Endphase vercoachten. Gewonnen wurde dieses Duell jedoch mit dem 2:0-Auswärtssieg in Zagreb – wie das Ergebnis in Wien zu Stande kam, wird bald niemanden mehr interessieren. abseits.at gratuliert der Austria jedenfalls zum Aufstieg in die Champions-League-Gruppenphase und wünscht viel Erfolg für den weiteren Weg!

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

  • wer

    28.August.2013 #1 Author

    Ich bin immer sehr beeindruckt von euren tollen Analysen.
    schön wäre es aber auch einmal ein bisschen was über die Autoren selber zu erfahren.
    lg

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    • Steffo

      28.August.2013 #2 Author

      Danke fürs Lob – wir können uns ja mal überlegen, dass wir was in die Richtung machen 🙂
      Steffo

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  • Jonkin

    28.August.2013 #3 Author

    Wobei man schon sagen muss, dass der Treffer zum 2:1 etwas ist das man im Fußball immer wieder sieht:
    Dinamo hatte das Spiel schon so krass dominiert dass die Austria regelrecht zermürbt wurde. Man sieht das auch immer wieder bei Bayern und Arjen Robben. Jeder weiß dass er auf halbrechts den kurzen Haken zur Mitte macht und dann den Abschluss sucht, trotzdem gelingt ihm das immer wieder, auch gegen die besten Verteidiger der Welt.

    Wenn man stark unter Druck gerät ist die geistige Frische nicht mehr da und dann passieren genau jene Dinge die man von Anfang an verhindern wollte.

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    • Steffo

      28.August.2013 #4 Author

      Da hast du sicherlich recht. Trotzdem denke ich, dass man die Fehler aufzeigen und erklären sollte – gerade weil sie in diesem Fall mMn interessant waren, da sie sich mit unserer Dinamo-Analyse vom 19.08. 1:1 deckten. Ich bin mir sicher, dass heute keiner mehr böse auf Tomas Jun ist, weil er Pinto hat laufen lassen 🙂

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  • mato

    29.August.2013 #5 Author

    super analyse!

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  • Roland

    29.August.2013 #7 Author

    Kann mich nur anschließen, super Analyse

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