Die holländische Liga startet erst in 2 ½ Wochen in die neue Saison – für Ajax Amsterdam ist das Aufeinandertreffen mit Sturm Graz somit... Großes Potential, aber noch nicht bei 100%: Das ist Sturm-Gegner Ajax!

Die holländische Liga startet erst in 2 ½ Wochen in die neue Saison – für Ajax Amsterdam ist das Aufeinandertreffen mit Sturm Graz somit das erste Pflichtspiel 2018/19. Und wo die Amsterdamer stehen, ist aktuell noch schwierig vorherzusagen. Ajax steht immerhin vor einem kleinen Umbruch. Einerseits wegen so manchem Transfer, andererseits weil traditionell neue junge Spieler eingebaut werden.

Mit Justin Kluivert verließ ein Jungstar die Amsterdamer in Richtung AS Roma. Auch Younes, Viergever und Dijks wechselten den Verein. Die Neuzugänge von Ajax scheinen dies aber mehr als nur abzufedern. Daley Blind, vor vier Jahren von Ajax zu Manchester United gewechselt, kehrt als (inklusive Boni) potentiell teuerster Ajax-Einkauf der Geschichte zu seinem Stammverein zurück. Der serbische Edelzangler Dusan Tadic kommt von Southampton, der Zehner Zakaria Labyad von Utrecht und der pfeilschnelle burkinische Linksaußen Hassane Bandé aus Mechelen.

Drei Langzeitverletzte, auch Dolberg fraglich

Schlagkräftig ist die Elf von Erik ten Hag also allemal, aber nicht nur die insgesamt schwache Vorbereitung, auch langfristige Verletzungen bereiten Sorgen. Joel Veltman fällt ebenso wie der tschechische Angreifer Vaclav Cerny (der aber kaum eine Rolle spielt) aufgrund eines Kreuzbandrisses aus und auch der neue Wirbelwind für den Flügel gesellte sich bereits in Lazarett: Bandé brach sich gegen Anderlecht das Wadenbein und fällt für das restliche Jahr aus. Diese drei Spieler werden also keine Option für die Spiele gegen Sturm sein. Kasper Dolberg könnte ebenfalls ausfallen, zumal er an einer Verletzung im Bauchbereich laboriert.

Starke Bilanz unter Ten Hag

Erik ten Hag wurde erst im vergangenen November Ajax-Coach, führte die Mannschaft aber wieder zu spielerischer Sicherheit zurück. Nach 16 Partien hält Ten Hag bei einem Punktschnitt von 2,38 – eigentlich meisterlich, wäre da nicht die noch stärkere Saison von PSV Eindhoven gewesen. Das traditionelle Ajax’sche 4-3-3-System ist natürlich weiterhin Grundsystem der Rot-Weißen, allerdings brach Ten Hag da und dort mit dieser Tradition und versuchte auch schon das Spiel mit Dreierkette, in verschiedenen 3-4-3-Abwandlungen. So oder so funktionierte das Team gut und gerade in Heimspielen tritt man unter Ten Hag bärenstark auf. Unter ihm verlor Ajax keine Heimpartie und musste nur ein einziges Remis hinnehmen.

Vorbereitung: Seit fünf Spielen sieglos

Die Vorbereitung lief aber alles andere als gut für den niederländischen Vizemeister. Die letzten fünf Tests wurden allesamt nicht gewonnen, wobei man zweimal ein Testspieldoppel an nur einem Tag hatte. Auch die Gegner waren dabei keine hochtrabenden: Die 1:3-Niederlage gegen Anderlecht war wohl noch am ehesten verkraftbar, weitere Niederlagen gab es allerdings gegen Nordsjaelland und Walsall. Remis erreichte Ajax immerhin gegen die Wolverhampton Wanderers und den FCSB Bukarest.

Mehrere WM-Starter kehrten verspätet zurück

Irgendwie ist der große holländische Traditionsklub also noch nicht auf Betriebstemperatur. Man hat auch ein wenig den Eindruck, dass im Vergleich zu früher die „Typen“ rar gesät sind. Einige der markantesten Spielertypen nahmen an der WM teil und stiegen später in die Vorbereitung ein. So zum Beispiel die Dänen Lasse Schöne und Kasper Dolberg, der marokkanische Superdribbler Hakim Ziyech und der Argentinier Nicolás Tagliafico, der mit seiner Albiceleste in Russland heftig durchgebeutelt wurde.

Wöber als Teil der Ajax-Innenverteidigung

Hierzulande ist natürlich Maximilian Wöber, einstiger Rapid-Akteur, der bekannteste Ajax-Spieler. Und er dürfte mit dem erst 18-jährigen Kapitän und Jungstar Matthijs de Ligt auch die Innenverteidigung vor dem kamerunischen Teamkeeper André Onana bilden. Möglich ist aber auch, dass Daley Blind als Innenverteidiger, statt als Linksverteidiger aufgeboten wird. In diesem Fall würde Wöber nach links rutschen – wahrscheinlicher ist aber vorerst die Variante mit Wöber innen. Auf der rechten Abwehrseite hat der 20-jährige Marokkaner aktuell die besten Chancen auf ein „Leiberl“. Tagliafico scheint nach der WM vorerst nur Reservist zu sein.

Schöne könnte die starke Zentrale komplettieren

Das Mittelfeld der Amsterdamer ist sehr gut ausbalanciert und hat mit dem enorm torgefährlichen Sechser Donny van de Beek einen starken Strippenzieher. Sein Offensivpendant ist der Marokkaner Ziyech, der zuletzt auch zwei starke Saisonen für Ajax absolvierte. Der dritte Mann im Dreiermittelfeld ist allerdings noch unklar: Eine Variante mit dem laut Ten Hag matchfitten Dusan Tadic als zusätzlichen Zehner wäre wohl zu offensiv. In der Vorbereitung kam immer wieder der 20-jährige Carel Eiting zum Einsatz, der aber noch nicht fest zum Stamm gehört. Wahrscheinlicher ist, dass der Däne Lasse Schöne in die Doppelsechs bzw. Doppelacht der Niederländer zurückkehrt. Eine zusätzliche Option ist der 21-jährige Frenkie de Jong, der noch nicht unumstritten zum Stamm zählt, aber dennoch bereits mit Barcelona in Verbindung gebracht wurde.

Bei Dolberg-Ausfall: Altmeister Huntelaar als Zielspieler

Die Angriffsreihe dürfte hingegen personell weitgehend feststehen: Neuzugang Zakaria Labyad und der brasilianische Neo-Star im Ajax-Sturm, David Neres, sollten an den Flügeln gesetzt sein und werden vermutlich auch während des Spiels rochieren. Da Kasper Dolberg auszufallen droht, könnten wir Klaas-Jan Huntelaar als Zielspieler in der Mitte sehen. Andere Optionen für die Speerspitze hat Erik ten Hag derzeit nicht. Mit dem jungen norwegischen Flügelstürmer Dennis Johnsen gibt es eine weitere, spielstarke Alternative für die Seiten. Auch Dusan Tadic könnte an den Flügeln zum Einsatz kommen, allerdings ist dies nur situativ denkbar.

Der kommende Top-Star stammt aus Sao Paulo

Der Mann, der in der Ajax-Offensive die meiste Aufmerksamkeit verdient, ist sicher der 21-jährige David Neres. Der Brasilianer hat sich bestens in Holland eingefunden und steuerte bisher in 40 Eredivisie-Partien 17 Tore und 16 Assists bei. Einzig im Europacup wartet er noch auf Tore. Seine Dribbelstärke, aber auch Abschluss- und Durchschlagskraft werden Sturm vermutlich vor die größten Probleme stellen. Huntelaar ist in der Offensivreihe zwar der größte Name, allerdings hat der 34-Jährige seinen Zenit bereits überschritten. Die Gefahr lauert also eher an den Seiten.

Häufig Schwierigkeiten mit österreichischen Klubs

Das letzte Aufeinandertreffen zwischen Ajax und einem österreichischen Verein gab es 2015: Damals warf Rapid die Niederländer nach einem 2:2 in Wien mit einem 3:2-Erfolg in Amsterdam aus der Qualifikation. Zwei Jahre zuvor demolierte Red Bull Salzburg den Favoriten im Sechzehntelfinale der Europa League mit einem 6:1-Gesamtscore. Den letzten Sieg gegen eine österreichische Mannschaft feierte Ajax im Jahr 2006: Damals wurde in der UEFA-Cup-Gruppenphase die Austria durch Tore von Huntelaar (2) und Manucharyan mit 3:0 besiegt. Von den letzten neun Spielen gegen österreichische Klubs konnte Ajax nur dieses eine gewinnen – einen Sieg per Silver Goal in der Verlängerung über den GAK ausgenommen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen