Im zweiten Halbfinale der Champions League standen sich Manchester City und Real gegenüber. Man hatte ein großes Erbe anzutreten, das Spiel am Tag davor... Wenig Gegenwehr von City: Real steigt ohne Glanz ins CL-Finale auf

Gareth Bale - Real Madrid_abseits.atIm zweiten Halbfinale der Champions League standen sich Manchester City und Real gegenüber. Man hatte ein großes Erbe anzutreten, das Spiel am Tag davor begeisterte viele. Wie die Begegnung in Madrid lief, in der Analyse.

Prinzipielle Ausrichtungen

Manchester City begann das Spiel mit einer 4-1-4-1 Ausrichtung, womit man eine Überzahl im Mittelfeldzentrum, und gleichzeitig ausreichende Besetzung der Flügel gegen die sehr offensiv agierenden Außenverteidiger Reals haben wollte. Im Zentrum rückten die Achter Touré und Fernandinho situativ aus der Formation, vor allem um Kroos oder Modric etwas zu stören. Auf Ballgewinne schien man jedoch nicht aus zu sein, das Anlaufen war eher von leitender Natur.

Offensiv waren die Flügel bei City stilistisch unterschiedlich besetzt, mit De Bruyne oft einrückend, während Clichy sehr weiträumig und breit agierte. Auf der rechten Seite spielten mit Navas und Sagna zwei „Grode“ ,wie man in Österreich so schön sagt – auf diesem Flügel war man sehr auf Flanken fokussiert, Sagna agierte auch tiefer als Clichy, was teilweise ungünstige Staffelungen im Aufbau hervorbrachte. Tiefe Außenverteidiger sind zwar ein durchaus brauchbares taktisches Mittel, jedoch nur gegen ein hohes und sehr intensiv geführtes Pressing. Die Bayern setzten beispielsweise auf tiefe Außenverteidiger im Hinspiel gegen Atlético.

Real wählte in der Defensive dieselbe Formation, im Ballbesitz schoben die Flügel jedoch höher und formten ein 4-3-3. Kroos agierte meist zentraler als Modric, der sich eher im Halbraum aufhielt, sich jedoch oft auf derselben Höhe wie Kroos befand und man das bekannte, bereits totgekaute Thema des unbesetzten Zehnerraums bei Real wiedererkennen durfte, wenngleich Isco als Achter und Jesé als linker Flügelstürmer zumindest situativ dort hinein rochierten, um anspielbar zu sein. Auf beiden Seiten agierten die Außenverteidiger sehr hoch, wenngleich sich Marcelo öfter im Halbraum bewegte. Durch die hohe und breite Rolle Carvajals konnte Bale mit Ronaldo gemeinsam das Sturmzentrum besetzen, was vor allem für die Verwertung von Flanken genutzt werden sollte.

Real mit besserem Positionssspiel dominant

Nach der eher lauen Anfangsphase bekamen die Madrilenen das Spiel besser in den Griff, hatten auch einen Großteil des Ballbesitzes, konnten jedoch bis zur 20. Minute keine wirklichen Chancen herausspielen. Diese erste Chance resultierte jedoch gleich in einem Tor, als Carvajal aus dem Halbraum einen Pass auf Bale spielte der, wie oben bereits erwähnt, den Strafraum bei Flügelläufen Carvajals besetzte. Der Waliser kam an den  Ball und erzielte mit einem Schuss, der von Fernando abgefälscht wurde, das 1:0. Den Citizens fehlte es schon davor an Zugriff im Pressing, der durch die passive Spielweise geschuldet war. Im Ballbesitz wirkte man ebenfalls lethargisch, blieb zu oft starr im 4-1-4-1 und hatte bis auf Agüero und dem einrückenden De Bruyne kaum Anspielstationen nach vorne. Mit der dann prinzipiell jedoch direkten Passwahl war das Resultat eine große Anhäufung an Fehlpässen, die Real dann immer wieder zumindest in Ansätzen zu gefährlichen Gegenstößen nutzen konnte. Das Gegenpressing der Citizens war praktisch nicht vorhanden, durch das schwache Stellungsspiel Tourés´ und Fernandos auf der Acht hatte Fernandinho auch keine Chance den Zwischenlinienraum effektiv bearbeiten zu können. Vor allem Isco und Jesé nutzten diese Räume konstant aus, auch Ronaldo ließ sich situativ, wenn auch eher ohne besondere Effekte, in diese Räume fallen. Die ersten zwei genannten machten dies deutlich klüger und lösten sich auch stets schnell genug vom Ball, um die Räume hinter den aufrückenden Verteidigern der Engländer zu nutzen.

Genau diese defensive Aufgabe, und zwar den Zwischenlinienraum zu beschützen, erfüllten die Königlichen deutlich besser. Man bewegte sich sehr kompakt, was die Spieler Citys, die sich in diesen Räumen anboten, stets dazu bewog sich vor das Mittelfeld der Madrilenen fallen zu lassen, was sehr ungünstige Staffelungen ergab, wo die Citizens teilweise zu sechst in einer Linie standen und kaum effektive Passwege hatten.

City kam erst gegen Ende des ersten Durchgangs etwas auf, als man durch bessere Nutzung von Verlagerungen auf De Bruyne im Halbraum, sowie direkte Weiterleitungen auf den hohen, meist freien Clichy, sich zum spanischen Strafraum kombinieren konnte.

Passende Folgeaktionen blieben jedoch aufgrund von fehlender Optionen für Clichy (außer mühseligen Flanken in den von nur Agüero besetzten Strafraum) aus. Einmal kam man durch einen Lauf Fernandinhos aus der Tiefe über De Bruyne zu einem Schuss, spätestens dann schienen die Citzens ein Rezept gefunden zu haben. Jedoch war dies zu nah am Pausenpfiff, dass man noch richtig großen Druck auf Real hätte aufbauen können.

City in Ansätzen ein wenig verbessert

In Halbzeit zwei fand sich City sofort verbessert, die flachen Staffelungen im Mittelfeld waren Vergangenheit und man kreierte bessere Passwinkel, was sich im deutlich verbesserten, penetrierenderen Passspiel der Gäste äußerte. Die Defensive ließ jedoch weiterhin an Kompaktheit vermissen, sodass Real in den ersten fünf Minuten des zweiten Durchgangs bereits Chancen zur Erhöhung der Führung vorfand. Das Mittelfeld der Citizens ließ sich leicht durch tiefe Zirkulation locken, man rückte unbalanciert aus der Formation und Real wusste diese Räume leicht zu bespielen.

So fanden sich Reals Spieler immer wieder mit gutem Sichtfeld vor der Manchester- Viererkette wieder, Läufe hinter ebenjene waren sehr effektiv und wurden mit der Hereingabe von Vásquez für Jesé vermehrt gesucht. Der junge Spanier ging nun auf den rechten Flügel und interpretierte diese Position kombinativer als Bale, der sich im linken Halbraum situierte. In Minute 59 legte Vásquez durch einen Pass in die Tiefe aus dem Halbraum eine gute Chance für Ronaldo auf.  Wenngleich die Citizens nur ein Tor brauchten um weiter zu kommen, sah man kaum Bemühungen jenes zu erzielen. Ohne jeglichen Druck im Ballbesitz sowie fehlender Intensität gegen den Ball, die die großen taktischen Mängel der Mannschaft wahrscheinlich etwas auffangen hätten können, dominierte Real weiterhin die Partie. Durch die Einwechslung Sterlings auf links und De Bruynes Wechsel auf rechts waren nun beiden Seiten etwas aktiver, jedoch fehlte die Struktur in den Angriffen, sodass man sehr ineffektiv war. Durch die etwas ungestüme Art der Madrilenen nach Ballgewinn fanden die Gäste einige Räume vor, welche sie jedoch nicht richtig nutzten. Diese Ansätze von Gefährlichkeit hätten jedoch ein Warnsignal für die Königlichen sein müssen.

Fazit

Real gewinnt diese drucklose Partie verdient, dominierte die Partie weitestgehend, wenngleich City kaum Gegenwehr leistete und sich taktisch und strategisch, sowie auch vom Einsatz der Spieler her, desaströs verhielt.

David Goigitzer

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