Welcher der Österreich – Legionäre war zuletzt nur Mitläufer? Wer unverzichtbar? Das Ranking beantwortet die Fragen. Dieses Mal mit einem Spieler, bei dem die... Leistungscheck: David Alaba – das Mysterium

_David Alaba DA27Welcher der Österreich – Legionäre war zuletzt nur Mitläufer? Wer unverzichtbar? Das Ranking beantwortet die Fragen. Dieses Mal mit einem Spieler, bei dem die Einordnung schwer fällt.

Irgendwie sind die Leistungen von David Alaba in dieser Saison schwer greifbar. Eine Einordnung fällt nicht leicht, da Alaba selten wirklich schwache Spiele abliefert, jedoch angesichts seines Potenzials bislang wenig Einfluss auf das Spiel des FC Bayern nahm. Der 24-Jährige lässt seit Beginn der Europameisterschaft im letzten Sommer die Klarheit in seinem Spiel, seinen Aktionen vermissen. Auch wirkt es manchmal, als hätte Alaba an Selbstvertrauen eingebüßt. Oft spielt er lieber simple Bälle anstatt mal das Risiko zu suchen, macht Fehler im Positionsspiel und fällt durch Unkonzentriertheit auf. Dem Zusammenspiel auf der linke Seite mit Spezi Franck Ribery fehlt es, wie im Aufeinandertreffen mit Real Madrid gesehen, gegen bessere Gegner die Dynamik vergangener Jahre. Dies liegt natürlich auch an dem Franzose und dessen gehobenen Alters. Aber auch daran, dass Alaba, der eigentlich zu den taktisch intelligenteren Spielern gehört, häufiger falsche Entscheidungen trifft.

Zusammengefasst lässt sich zumindest von außen betrachtet konstatieren: Alaba fehlt es in dieser Saison an der mentalen, wie körperlichen Frische. Das ist wenig verwunderlich, schaut man sich das Pensum Alabas in den letzten Jahren an mit Bundesliga, Pokal, Champions League und den Länderspielen an. Trotz seines noch jungen Alters zehrt diese Dauerbelastung physisch wie psychisch an Alaba. Zumal er in der Vergangenheit konstant auf höchstem Niveau gespielt hat. Seit seinem Debüt für die Bayern 2010 unter Louis van Gaal gewann er fünf Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. In der Königsklasse stand er zudem gleich dreimal im Endspiel. Und eigentlich immer gehörte er zu den unumstrittenen Leistungsträgern. Dass einmal ein Knick in der zuletzt stets nach oben zeigenden Leistungskurve kommen wird, war fast folgerichtig.

Dabei spielt Alaba laut den Statistiken wahrlich keine schlechte Saison. Bis dato erzielte er zwei Tore und gab vier Vorlagen. In der letzten Saison kam er in diesen Kategorien jeweils nur auf einen Wert von eins. Ja, Alaba kam in der vergangenen Spielzeit nur auf einen Treffer und einen Assist. Trotzdem wirkt es, als habe Alaba ein besseres letztes Jahr hingelegt. Was ebenfalls auffällt: in dieser Saison kreierte er bereits 33 Chancen seiner Mannschaft – und damit jetzt schon fast doppelt soviele wie im Jahr davor. Auch seine Shot Accuracy ist aktuell höher, als am Ende der letzten Saison.

Dafür hat sich seine Passquote verschlechtert: von 92 Prozent auf momentan 88 Prozent. Ein Wert, der zunächst nicht sonderlich gravierend wirkt, in manchen Spielen aber einen Unterschied ausmachen kann. Interessant ist dabei auch, dass er aktuell bereits fast genau so viele Fehlpässe gespielt hat, wie für ihn zum Saisonende 2015/16 zu Buche standen. Wirklich gravierend ist aber der Abfall in der Zweikampfstatistik. Im vergangenen Jahr gewann Alaba noch 54 Prozent seiner Duelle – ein recht guter Wert, angesichts dessen, dass er seine Rolle auf der Außenbahn offensiv anlegt und viele Duelle in der gegnerischen Hälfte bestreitet. In dieser Saison steht er derzeit nur bei 42 Prozent, und damit signifikant schlechter. Was noch hinzu kommt ist, Alaba stellt sich im Zweikampf offensichtlich nicht mehr ganz so geschickt an: bereits jetzt hat er häufiger Foul begangen als in der letzten Saison.

Um diese Zahlen kurz zusammenzufassen: Alabas Offensivbeitrag ist gestiegen, defensiv hat er sich jedoch deutlich verschlechtert.

Im Viertelfinale der Champions League war gegen Real Madrid vor allem letzteres zu beobachten. Im Duell mit seinem Gegenspieler Daniel Carvajal sah Alaba zumeist kein Land. Der Österreicher hatte der Dynamik des Spaniers wenig entgegenzusetzen. So entstand beispielweise das 1:1 im Hinspiel kurz nach der Pause durch Cristiano Ronaldo nach einer Vorlage von Carvajal. Die defensiven Probleme Alabas wurden dabei auch im Rückspiel offensichtlich.

In der Offensive fehlte Alaba eben jene Dynamik und die Entschlossenheit seines spanischen Pendants. Seine Offensivaktionen wurden meist durch schwache Pässe oder ungenaue Flanken abgeschlossen. Die Standards von Alaba waren auch nicht der Rede wert; in Eins-gegen-Eins-Situationen könnte er sich so gut wie nie durchsetzen. Die Statistikseite „Squawka“ wählte ihn daher auch in das Team der schwächsten Protagonisten des gesamten Viertelfinales.

In der Bundesliga wartet nach dem bitteren, aber nicht unverdienten Ausscheidens mit Abstiegskandidat FSV Mainz 05 eine eher undankbare Aufgabe auf Alaba und den deutschen Rekordmeister. Es wird sich zeigen, wie viel Lust die Münchner noch auf das triste Tagesgeschäft Bundesliga haben, nach denen ihnen die Kür Champions League auch heuer verwehrt geblieben ist. Zumal die fünfte Meisterschaft in Folge praktisch feststeht. Trotz der aktuellen Tabellensituation des Gegners sollten die Bayern gewarnt sein: von den letzten 32 Bundesliga-Heimspielen verlor der FCB genau eines –  und zwar gegen Mainz.

Ral, abseits.at