Nach anfänglich gutem Start in die Saison mitsamt einem beeindruckenden Sieg gegen Arsenal, welcher die Stärken im Pressing und Gegenpressing zur Schau stellte, sucht... Probleme und Lösungsvorschläge: Wie kommt Borussia Dortmund wieder aus der Krise?

Borussia DortmundNach anfänglich gutem Start in die Saison mitsamt einem beeindruckenden Sieg gegen Arsenal, welcher die Stärken im Pressing und Gegenpressing zur Schau stellte, sucht der BVB aktuell nach seiner Form. Aus den letzten vier Bundesligabegegnungen konnte Dortmund nur einen einzigen Punkt gewinnen und drei Tore erzielen, was nicht gerade für die sonst offensivstarke Besetzung spricht. Im Folgenden werden die Probleme des BVB dargestellt und anschließend Lösungsoptionen vorgestellt

Schwierigkeiten bei Ballbesitz

Die größten Probleme können anhand von Statistiken veranschaulicht werden: die zweithöchste durchschnittliche Ballbesitzrate aller Bundesligamannschaften kann in den abgelaufenen sieben Spielen der BVB (gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg) mit 56.1% vorweisen. Tatsächlich hatte der BVB gegen jeden Liga-Gegner (ausgenommen Augsburg) mehr Ballbesitz. Und kurioserweise hatte Dortmund mit zunehmendem Ballbesitz mehr Schwierigkeiten.

Das liegt darin begründet, dass ihre Stärken, die defensive Ordnung und das Pressing, im Ballbesitz nicht zur Geltung kommen.  Die Schwarz-Gelben müssen den Ball erst in die Gefahrenzonen, sprich ins letzte Drittel transportieren. Bei gegnerischem Spielaufbau befindet sich der Ball bereits in den angesprochenen Bereichen und muss “nur“ erobert werden. Die meisten Gegner haben dieses Problem umgangen, indem sie sich nicht mit Kurzpassspiel aufgehalten haben, sondern den Ball direkt nach vorne befördert und somit die Drucksituation gelöst und gleichzeitig eine eigene Chance auf Ballbesitz in höheren Positionen eröffnet haben. Diese Chance auf Ballbesitz/-gewinn seitens des Gegners wird durch das hohe Aufrücken des BVB erhöht.

Dadurch bleibt Dortmund nur die Möglichkeit ihr Pressing zurückzuschrauben bzw. erst in tieferen Positionen zu starten, sie werden also in ihren Stärken beschnitten und müssen selbst das Spiel eröffnen. Durch die zahlreichen Ausfälle, besonders im Mittelfeld, wird dies langfristig zu einem Problem. Spieler mit der Fähigkeit den Ball zu halten fehlen momentan verletzungsbedingt: Gündoğan oder Kirch sind Spielertypen, die in der Lage wären ein Kurzpassspiel effektiv aufzuziehen, beide stehen Cheftrainer Klopp derzeit jedoch nicht zur Verfügung.

Zwei Lösungsvorschläge

Eine Möglichkeit wäre die stärkere Fokussierung auf Konter, d.h. dem Gegner den Ballbesitz aufzuzwingen. Dabei würde der BVB sich sehr tief in der eigenen Hälfte mit zwei Viererketten positionieren und vorne ein bis zwei Stürmer wie Aubameyang und Immobile zum schnellen Kontern übriglassen. Diese Option würde allerdings nur auf Kosten des Pressings funktionieren. Eine schnelle Ballrückeroberung in hohen Zonen wäre in dieser Variante nicht möglich. Hohes Pressing funktioniert nur im Verbund und bedingt daher das kollektive Aufrücken, das eröffnet jedoch Räume für den Gegner im Konterspiel.

Eine Zweite Option könnte die Forcierung des Ballbesitzes à la FC Bayern sein. Dafür wäre eine Umstellung der Offensivstaffelung von Nöten. Im Ballbesitz im ersten Drittel muss der Ball über die Mitte in höhere Zonen getragen werden. Aktuell behilft sich der BVB noch viel mit langen Bällen in die Spitze. Ist der Ball bei konsequentem Ballbesitzspiel in besagten höheren Positionen und geht dann verloren, so ist die Rückeroberung durch Gegenpressing aufgrund der langsam aufgebauten Offensivstaffelung wesentlich effektiver sowie geordneter und die langen Bälle können vom Gegner schwerer geschlagen werden bzw. enden in sogenannten „toten Zonen“ hinter der Viererkette der Dortmunder. Wenn Weidenfeller sein Torwartspiel umstellt und öfter Bälle durch frühzeitiges Herauslaufen abfängt (was er in der Nationalmannschaft das ein oder andere Mal geprobt hat), kann er genau diese Bälle verwerten und eine potenzielle Gefahrensituation bereinigen. Genau dadurch könnte er eine noch höhere Positionierung seiner Vordermänner gewährleisten. Eventuell wäre hierfür sogar die Verpflichtung eines „modernen“ Torhüters von Nöten, dies wird jedoch im Winter wahrscheinlich nicht bewerkstelligt werden können. Diese Spielweise könnte erst mit einer Rückkehr Kirchs und/oder Gündogans ihre maximale Effektivität entfalten. Mit Jojić, Mkhitaryan oder Kagawa hat der BVB sehr passstarke Spieler auch momentan im Repertoire, ein echter Ballverteiler als Sechser wäre dennoch für den Übergang vom ersten ins zweite Drittel förderlich.

Fazit

Möglicherweise wäre ein strukturierter Ballbesitzfußball langfristig die bessere Lösung, während die erste Lösungsoption die aktuelle Misere eher kurzfristig bereinigen könnte, weil sie keine außergewöhnlichen Spielertypen voraussetzt, sondern auf schnellem Umschalten und der Einhaltung einer defensiven Grundordnung basiert, was der BVB beides als Paradedisziplinen in den letzten Jahren intensiviert hat.

Insgesamt steht Borussia Dortmund ein breiter Kader mit vielfältigen Spielern zur Verfügung. Daher wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die derzeitige Misere der Vergangenheit angehört.

Shahin Bazani, www.abseits.at

Shahin Bazani

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