Ein interessantes Aufeinandertreffen an der Anfield Road endete mit einem nicht unverdienten Sieg für Arsenal, welches sich mittels gut vorgetragener Angriffe durchsetzen konnte. Dank... 2:0 – Arsenal besiegelt Liverpools Fehlstart!

Ein interessantes Aufeinandertreffen an der Anfield Road endete mit einem nicht unverdienten Sieg für Arsenal, welches sich mittels gut vorgetragener Angriffe durchsetzen konnte. Dank disziplinierter Defensivarbeit der Flügelspieler wurden die Schwächen der Außenverteidiger zumeist kaschiert. Individuelle Fehler sowie Abstimmungsschwierigkeiten der Reds erleichterten die Aufgabe.

Nicht alle Neuen überzeugen

Brendan Rodgers hat Nuri Sahin sofort sein Vertrauen geschenkt und ihn trotz sehr kurzer Eingewöhnungszeit von Beginn an in die Schlacht geworfen. Die Leihgabe von Real Madrid spielte als zweiter Achter neben Gerrard und vor Joe Allen, der als Sechser fungierte. Die erhoffte Kreativität konnte Sahin dem Spiel von Liverpool allerdings (noch) nicht verleihen und er war eher Bürde als Bereicherung. Er fand nie wirklich seinen Rhythmus, wirkte phasenweise unsicher über sein Stellungsspiel, und wurde in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Wieder auf der Bank blieb Jamie Carragher. Stattdessen liefen Skrtel und Agger als Innenverteidiger auf, links davon Jose Enrique, auf der anderen Seite Johnson. Auf dem linken Flügel war Sterling durch seine Dribbelstärke ein ständiger Unruheherd, auf der rechten Seite allerdings konnte Borini kaum Akzente setzen, vergab eine Möglichkeit, verschleppte das Spiel, und leitete durch seinen Annahmefehler das 0-1 ein. Als Zentrumsstürmer rackerte sich Suarez ab, der aber erst gegen Ende des Spiels seine Gefährlichkeit wirklich andeuten konnte.

Auffallend bei Liverpool war, dass die Außenverteidiger sehr hoch standen und Allen im Spielaufbau zeitweise so tief agierte, dass Erinnerungen an den Libero der alten Schule wach wurden. Häufig ließ er sich zwischen die Innenverteidiger fallen und baute von dort das Spiel auf. (So erklärt sich zum Teil auch seine Passgenauigkeit von 100% zur Halbzeit). Doch phasenweise Unaufmerksamkeit, zu langsame Reaktionen der Defensivreihe, sowie Abstimmungsprobleme im Mittelfeld führten zu einem 0:2-Rückstand, den man nicht mehr aufholen konnte.

Arsenal musste wieder mit Ersatzmann Mannone im Tor beginnen, da Stammtorhüter Szczesny verletzt ist. Das Innenverteidiger-Pärchen bildeten Mertesacker und Vermaelen. Letzterer war immer wieder sehr aktiv am Spielaufbau beteiligt und drang öfters in die gegnerische Hälfte ein. In Halbzeit eins setzte er einmal gar zu einem Sololauf an, den er aber mit einem schlechten Schuss abschloss, in Halbzeit zwei tauchte er kurzzeitig am gegnerischen Strafraum auf. Ein Spieleröffner hingegen wird Mertesacker definitiv nicht mehr. Was ihm an Kreativität fehlt, machte er in diesem Spiel durch zumeist gutes Stellungsspiel wett. Er hatte mit Suarez alle Hände voll zu tun und war bei einer strittigen Szene im Mittelpunkt, in der man auch Elfmeter für Liverpool geben hätte können.

Arsenals Überlegenheit im Mittelfeld

Arteta sicherte zumeist als Sechser vor der Abwehr ab, Diaby machte als Achter ein äußerst starkes Spiel und stach Nuri Sahin eindeutig aus, der in der 67. Minute Jonjo Shelvey Platz machen musste. Überhaupt muss man die Rolle Diabys in dieser Partie hervorheben. Seine Allrounder-Fähigkeiten, die Zweikampfstärke, Spielintelligenz, und Ballsicherheit vereinen, sowie seine vorbildliche Laufbereitschaft, hat er in diesem Spiel auf beeindruckende Weise unter Beweis gestellt. Er hatte hauptsächlich offensive Aufgaben und gewann viele Zweikämpfe im Mittelfeld. Häufig verschob er auf die Flügel, um Überzahlsituationen herzustellen. Wenn er nicht schon wieder von Verletzungen zurückgeworfen wird und seine Leistungen konstant bleiben, könnte er diese Saison den Durchbruch zum Stammspieler schaffen.

Santi Cazorla spielte hinter der einzigen Spitze Giroud und war selten in der Defensive zu finden. Er machte ein starkes Spiel, bereitete ein Tor vor und erzielte selber das 2-0. Immer wieder rückte er auf die Flügel, zog Gegenspieler auf sich, und sorgte für Unruhe. Obwohl Giroud eine sehr gute Chance nicht nutzte und sonst unauffällig blieb, hat er trotzdem wertvolle Beiträge zum Sieg geleistet. Vor beiden Toren zog er Defensivspieler auf sich und schuf damit Freiräume für nachstoßende Spieler.

Kontrolle der Flügel

Auf den Flügeln kamen Podolski (links) und Oxlade-Chamberlain zum Einsatz. Beide zeigten ein starkes Spiel, nicht nur wegen des Tores, sondern auch durch die disziplinierte Unterstützung ihrer Hintermänner Gibbs (links) und Jenkinson, die beide fehleranfällig waren. Letzterer leistete sich anfangs haarsträubende Fehler, als er vollkommen unbedrängt und mit dem Rücken zum Tor den Ball zum Corner schoss. Nur kurze Zeit später flog sein Querpass über das Feld Borini vor die Füße, der sofort Richtung Tor zog. Obwohl Jenkinson anfangs unsicher war und Gerrard das Spiel sofort auf seine Seite lenkte, konnte Liverpool diese Schwächephase nicht ausnutzen, da die restliche erste Halbzeit fast nur noch Arsenal gehörte.

Mit kontrolliertem Pressing störte man nun den Spielaufbau Liverpools, verfolgte Allen auf seine Rückzugsposition zwischen den Innenverteidigern, und begann, dominant zu werden, auch auf den Flügeln. Sterling konnte links ein paar gute Szenen erzeugen, kam aber nicht mehr so zur Geltung, als sich Oxlade-Chamberlain auf ihn eingestellt hatte. Borini hatte einen sehr schlechten Tag erwischt, und auch wenn Downing, der später für ihn kam, neuen Schwung brachte und gleich mit einem guten Dribbling plus darauffolgender Chance auffiel, ging von den Flügeln nur noch wenig Gefahr aus und Liverpools schärfste Waffe fiel fast weg. Arsenal beschränkte sich schließlich darauf, den Ball zu halten und das Spiel über die Zeit zu bringen, was trotz einiger Angriffe von Liverpool auch gelang.

Fazit

Arsenals Flexibilität und Beweglichkeit im Mittelfeld und die taktische Disziplin der Flügelspieler sorgten mit Fortdauer des Spiels für immer mehr Kontrolle. Individuelle Fehler der Reds wurden bestraft. Wenn Arsenal mit Sagna bald wieder einen Klasseverteidiger zur Verfügung hat und die Mannschaft sich noch besser einspielt, sollte auch diese Saison ein CL-Startplatz drin sein. Liverpool muss im Angriff variabler und schwerer ausrechenbar werden, ansonsten ist man heuer erneut nur Mittelmaß.

Florian Eliadakis, abseits.at

Florian Eliadakis