Nachdem der SCR Altach in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League überraschend Vitoria Guimaraes eliminierte, treffen die Vorarlberger im Playoff nun auf einen weiteren... Ausschließlich Portugiesen und ein herausragender Zehner: Das ist die Mannschaft von Belenenses

Portugal - FlaggeNachdem der SCR Altach in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League überraschend Vitoria Guimaraes eliminierte, treffen die Vorarlberger im Playoff nun auf einen weiteren portugiesischen Verein, nämlich Belenenses. abseits.at nimmt die Mannschaft, Schlüsselspieler und Spielweise unter die Lupe.

Die Altacher durften mit der Auslosung durchaus zufrieden sein. Nicht nur, dass man unter anderem Athletic Bilbao aus dem Weg ging, mit Belenenses bekam man noch dazu aus dem gesamten Topf aller gesetzten Teams jenes mit dem niedrigsten Koeffizienten. Die Blauen aus dem noblen Lissaboner Stadteil Belem sind hinter Benfica und Sporting die dritte Kraft in der Hauptstadt und qualifizierten sich als Sechster für das internationale Geschäft.

Einfache Pressing- und Aufbauabläufe

Der bekannteste Name sitzt wohl auf der Bank. Ricardo Sa Pinto absolvierte 45 Spiele für die portugiesische Nationalmannschaft, nahm an zwei Europameisterschaften teil und ist seit Juli im Amt. Unter dem 42-Jährigen ist Belenenses in den bisherigen drei Pflichtspielen ohne Niederlage. In allen Partien setzte er auf eine 4-2-3-1-Grundordnung, die lediglich für rund eine halbe Stunde im Ligaspiel gegen Rio Ave aufgegeben wurde. Im Pressing formieren sich die Portugiesen meist in einem 4-4-2. Gelegentlich wird daraus durch Vorschieben des ballnahen Flügelspielers ein asymmetrisches 4-3-3.

Im Großen und Ganzen setzt Sa Pinto auf simple Stilmittel im Spiel gegen den Ball. Es gibt weder hartnäckigen Mannorientierungen, noch ein besonders hohes Pressing. Den Zugriff sucht sein Team in aller Regel erst in der eigenen Hälfte. Hierbei ist es nicht unüblich, dass die Außenverteidiger diagonal nach vorne rücken um im Zentrum den Druck zusätzlich zu erhöhen. In den eingestreuten Angriffspressingphasen rückte einer der beiden Sechser nach vorne, sodass man in einem 4-1-3-2 stand.

Auch im Spiel mit dem Ball darf man von Belenenses keine außerordentlichen Dinge erwarten. Im Aufbauspiel wird immer wieder zu langen Bällen gegriffen, vor allem wenn man früh attackiert wird. Haben sie den Ball in höheren Zonen, so hängt viel von den individuellen Qualitäten der Einzelspieler ab. Diese ist im Kader jedoch nicht im hohen Maße vorhanden. So waren die bisherigen fünf Pflichtspieltore entweder Distanzschüsse von außerhalb des Strafraums (beide Tore gegen Göteborg) oder fielen nach ruhenden Bällen (alle drei Tore gegen Rio Ave).

Konservative Viererkette vor unsicherem Tormann

Das interessanteste am Kader von Belenenses ist, dass er lediglich Spieler aus Portugal beinhaltet. Kapitän ist mit Goncalo Brandao ein Innenverteidiger, der dem Verein bereits in der Jugend angehörte. Nach Auslandsstationen in England, Italien und Rumänien kehrte er 2014 zurück. Der 28-Jährige ist ein kompromissloser Spieler, der den Ball im Zweifelsfall wegschlägt, anstatt die spielerische Lösung zu suchen. Sein Nebenmann, der 35-jährige Tonel, agiert antizipativer und mit besserem Stellungsspiel, ist aufgrund seines Alters jedoch langsam.

Daraus ergibt sich, dass die gesamte Viererkette eher tief und konservativ agiert und es gelegentlich zu großen Abständen zu den restlichen Mannschaftsteilen kommt – insbesondere im defensiven Umschaltspiel. Die Außenverteidiger agieren nämlich diesbezüglich ähnlich. Im eigenen Konter können sich die Außenverteidiger jedoch blitzschnell einschalten. Gesetzt dürfte Andre Geraldes sein. Die Sporting-Leihgabe kann auf beiden Seiten spielen, ist technisch und kombinativ der stärkste Außenverteidiger im Kader. Als Pendant spielten bisher Joao Amorim rechts und Filipe Ferreira links.

Neben der tiefen Viererkette könnte defensiv auch der Torhüter eine Problemstelle sein. Hugo Ventura, der 2014 als vereinsloser Spieler kam, hat zwar mit seinen Reflexen durchaus seine guten Momente, offenbarte in den bisherigen Partien jedoch Schwächen. Sowohl gegen Göteborg als auch gegen Rio Ave ließ er einen Schuss vor die Füße eines Gegners abprallen, sodass daraus jeweils ein Gegentor resultierte. Darüber hinaus zeigte er Unsicherheiten in der Strafraumbeherrschung.

Pendler-Passer-Gespann im Zentrum

Im zentralen Mittelfeld darf man zwei Sommerneuzugänge erwarten. Der tieferspielende der beiden ist Ruben Pinto, der von der zweiten Mannschaft Benficas kam. Der 23-Jährige ist der Ballmagnet im zweiten Drittel und im Spielaufbau. Er kippt vor die Innenverteidiger ab und verteilt die Bälle – hauptsächlich auf die Seiten. In der gegnerischen Hälfte darf man von ihm jedoch auch Pässe zwischen die Linien erwarten.

Als Gegenpol zum abwartenden Passer Pinto gibt es mit dem 25-jährigen Andre Sousa einen lauffreudigen Spieler. Er pendelt hauptsächlich vertikal und bewegt sich gerne in den Zwischenlinienraum. Dort positioniert er sich zuweilen höher als der Zehner, um diesen mit Ablagen einzusetzen und ihm ein offenes Sichtfeld zu verschaffen. Sousa ist zwar weder technisch noch taktisch ein außergewöhnlicher Spieler, kann im simplen Spiel von Belenenses dennoch immer wieder Räume aufreißen.

Weitere Alternativen für das defensive Mittelfeld sind Ricardo Dias, der sich ebenfalls als Sechser am wohlsten fühlt, sowie Joao Vilela. Der 29-Jährige kam neu von Gil Vicente und ist der torgefährlichste aus dem Quartett, wird aber gegen Altach wohl zunächst nur auf der Bank platznehmen.

Routinierter Zehner das Um und Auf

Der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Azuis do Restelo ist Carlos Martins. Der 33-Jährige spielte bereits für die beiden großen Lissaboner Klubs und hatte auch in der spanischen Primera Division ein kurzes Gastspiel. Er ist ein klassischer Zehner und der herausragende Individualist im Kollektiv von Sa Pinto. Zwar ist der Bewegungsradius des 17-fachen Internationalen überschaubar, seine Aktionen können aber Spiele entscheiden. So war er an allen fünf Toren direkt beteiligt (drei Tore, zwei Vorlagen). Einerseits verfügt er über ein variantenreiches Passspiel, setzt seine Mitspieler mit scharfen Steilpässen ebenso ein wie mit Lupferpässen oder Verlagerungen.

Auf der anderen Seite tritt Carlos Martins auch brandgefährliche Standards und kann ansatzlos schießen – auch aus der Distanz, wie er in der dritten Qualifikationsrunde gegen Göteborg zeigte. Vom Ball ist der technisch starke Zehner ebenfalls schwer zu trennen, wenngleich er durchaus Probleme bekommen kann wenn die Spieldynamik hoch ist. Deshalb hält er ihn nur dann lange, wenn das Spiel gebremst ist. Andernfalls spielt er schnell ab oder bewegt sich mit seinem guten Raumgespür passend in freie Räume. Hier gab es bisher insbesondere mit Sousa ein gutes Zusammenspiel.

Inverse Flügelstürmer

Der zweite Spieler, der individuell aus dem Kader heraussticht ist Fabio Sturgeon. Der 21-Jährige stieß 2011 aus der Jugend zu den Profis und kann flexibel eingebunden werden. In den bisherigen Spielen agierte er hauptsächlich auf den Flügeln, rechts wie links. Sturgeon ist beidfüßig, weshalb er sich Sa Pintos Stil mit inversen Flügelspielern auf beiden Seiten anpassen kann. Darüber hinaus kann er auch im zentralen offensiven Mittelfeld spielen und wurde heuer auch schon als Stürmer aufgeboten. Seine Dribblings sind nicht spektakulär, aber er kann seine Haken sehr präzise setzen.

Auf welcher Seite Sturgeon spielt wird davon abhängen, wer der zweite Flügelspieler sein wird. Die Tendenz dürfte in Richtung Miguel Rosa gehen, der von den Kandidaten bisher die meiste Spielzeit bekam. Der Rechtsfuß spielt am linken Flügel ebenfalls von außen nach innen, sorgt aber seltener für Überraschungsmomente. Gegen Rio Ave begann der 19-jährige Rechtsaußen Dalcio, der aber ebenso wenig überzeugen konnte wie Fabio Nunes auf links und Joao Traquina auf rechts in ihren Kurzeinsätzen.

Keine furchteinflößenden Stürmer

Im Sturm ist Belenenses auf der Suche nach einem Nachfolger für den Brasilianer Deyverson, der im Frühjahr bereits an Köln ausgeliehen war und nun an Levante verkauft wurde. Die aktuelle Nummer eins im Angriff ist Abel Camara, der zwar die portugiesische Staatsbürgerschaft besitzt, aber in Guinea-Bissau geboren wurde. Der 25-Jährige kommt in erster Linie über seine Athletik und ist jemand, der sich seine Chancen im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet.

Was Camara macht hat nicht immer Hand und Fuß, dennoch kann er mit seiner Bewegung für Unruhe sorgen. Nüchtern betrachtet ist er jedoch kein Stürmer, der viel Angst und Schrecken verbreitet. Seine Kombinationsfähigkeiten sind stark ausbaufähig, ebenso seine Scorerstatistik. In den letzten drei Saisonen erzielte er in 56 Spielen lediglich sechs Tore. Alternativen gibt es für Sa Pinto jedoch kaum. Der 31-jährige Tiago Caeiro gilt als Joker und der Transfer von Betinho – der 22-Jährige zeigte bei Sporting B und in den Nachwuchsnationalteams starke Leistungen – wurde erst vor kurzem fixiert.

Fazit: Ein Team, mit Altach zurechtkommen kann

Nicht nur aufgrund der starken Leistungen gegen Vitoria Guimaraes, das letzte Saison besser abschnitt als der heutige Gegner, sind die Hoffnungen auf die Gruppenphase aus Altacher Sicht nachvollziehbar. Verglichen mit dem dynamischen Spiel der Schwarz-Weißen ist das Spiel von Belenenses nämlich leichter ausrechenbar. Damir Canadi muss jedoch auf einen anderen Matchplan setzen. Kam es gegen Vitoria nämlich in erster Linie darauf an, das Flügelspiel zu unterbinden, wird die Hauptaufgabe in den Duellen mit den Lissabonern sein, die Kreise von Regisseur Carlos Martins einzuschränken. Dass die Altacher derartige Probleme lösen und sich immer wieder anpassen können, haben sie bereits öfter gezeigt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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