Für Rapid startet morgen in der serbischen Vojvodina die Europacup-Saison 2012/13. Gegner ist mit Vojvodina Novi Sad ein Verein, der auch anderen österreichischen Klubs... Die ewige Nummer Drei – das Schicksal von Vojvodina Novi Sad

Für Rapid startet morgen in der serbischen Vojvodina die Europacup-Saison 2012/13. Gegner ist mit Vojvodina Novi Sad ein Verein, der auch anderen österreichischen Klubs ein Begriff aus der Vergangenheit ist. Die „ewige Nummer Drei“ des serbischen Fußballs wird dies auch in unmittelbarer Zukunft bleiben – aber unangenehm ist der Gegner dennoch.

Name: Фудбалски Клуб Војводина (Fudbalski Klub Vojvodina)
Transskription / Bekannter Name: FK Vojvodina Novi Sad
Gegründet: 6.3.1914
Alter: 98 Jahre
Vereinsfarben: Rot-Weiß
Stadion: Karadjordje Stadion
Kapazität: 15.204
Präsident: Ratko Butorovic
Trainer: Dejan Vukicevic
Erfolge: 2 x jugoslawischer Meister, 3 x jugoslawischer Vizemeister, 2 x jugoslawischer Cupfinalist, 1 x serbischer Vizemeister, 3 x serbischer Pokalfinalist
Letzter Titel: Jugoslawischer Meister 1988/89

Standing in Serbien

Der serbische Fußball wird seit jeher von Partizan und Roter Stern Belgrad beherrscht. Partizan wurde nun fünf Jahre in Folge serbischer Meister und löste damit Roter Stern, das zwischen 2003 und 2006 mit drei Titeln dominant war, ab. Seit sechs Jahren ist Vojvodina Novi Sad die dritte Fußballkraft im Land: In diesen sechs Jahren wurde das Team einmal Zweiter (2008/09, vor Roter Stern, hinter Partizan) und viermal Dritter. Einzig 2009/10 patzte das Team und wurde Fünfter in der damals überraschend ausgeglichenen 16er-Liga Serbiens – Partizan und Roter Stern ausgenommen.

Im Jahr 2010 beeindruckte Novi Sad vor allem mit einer stark verbesserten Abwehr: In 30 Ligaspielen der Saison 2010/11 kassierte das Team nur 14 Gegentore und damit sieben weniger als Meister Partizan. Mit starken 67 Punkten blieb man es zudem an Vizemeister Roter Stern (70) dran. Doch im Anschluss an die Saison 2010/11 verlor das Team Stützen: Torhüter Brkic wechselte zu Udinese, „6er“ Medojevic zum VfL Wolfsburg, Stürmerhoffnung Ilic wechselte nach Kasachstan, der solide Mittelfeldspieler Tumbasevic nach Moldawien. So spielte man in der vergangenen Saison 2011/12 wieder schwächer, holte nur 52 Punkte, was aber auch für den dritten Platz reichte. In der aktuellen Transferzeit konnte man das Team aber zusammenhalten und punktuell verstärken – Vojvodina Novi Sad wird in der Saison 2012/13 höchstwahrscheinlich wieder Dritter werden, allerdings auch wieder mehr Punkte holen, als 2011/12.

Standing in Europa

In der letzten Saison scheiterte Vojvodina beim ersten Auftritt in der Europa Leage Qualifikation am FC Vaduz aus Liechtenstein, der an der Schweizer Super League teilnimmt. Nach einem 2:0-Auswärtssieg gab es zu Hause eine 1:3-Pleite. In der Saison 2009/10 stieg man in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League ein und traf dort auf den FK Austria Wien. Zu Hause erreichte Novi Sad ein 1:1, im Horr-Stadion setzte es aber eine 2:4-Niederlage.

2008/09 musste man durch die erste von damals drei Quali-Runden und besiegte den aserbaidschanischen Vertreter AZAL knapp (1:0 h, 1:1 a), danach gab’s allerdings das Aus gegen Hapoel Tel Aviv (0:0 h, 0:3 a). Noch ein Jahr davor gab’s zuerst ein ungefährdetes Weiterkommen gegen Hibernians Paola aus Malta (5:1 h, 2:0 a), danach aber das K.O. gegen Atlético Madrid (0:3 a, 1:2 h). Vor dieser Saison muss man aber bereits acht Jahre zurückgehen, um den nächsten Europacupauftritt des Teams zu finden.

Die größten Erfolge feierte man Ende der 60er-Jahre im Europapokal der Landesmeister und im Messepokal. Österreichische Gegner gab’s auch schon vor Rapid 2012 und der Austria 2009: Im UEFA-Cup 1996/97 besiegte der GAK Vojvodina Novi Sad auswärts mit 5:1 und zu Hause mit 2:0, 1966/67 unterlag der SK Admira Wien den damaligen Jugoslawen mit 0:1 (h) und 0:0 (a). Rapid traf man im Jahr 1957 im Mitropacup, als Ernst Happel noch spielte.

In der diesjährigen Europa-League-Saison setzte sich das Team gegen Suduva Marijampole aus Litauen durch: Zu Hause gab’s zwar nur ein 1:1, auswärts dafür einen ungefährdeten 4:0-Sieg.

Transfers

Die Finanzen sind bei den meisten serbischen Klubs ein großes Problem – daher ist Vojvodina Novi Sad auf Spielerverkäufe angewiesen und gibt selbst wenig bis nichts für Ablösesummen aus. Die Saison 2011/12 war dabei ein Segen für den serbischen Klub: Der VFL Wolfsburg bezahlte 2,5 Millionen Euro für Medojevic, Brkic war Udinese Calcio 1,5 Millionen Euro wert und der junge Aleksandar Katai wechselte um 1,4 Millionen Euro zu Olympiakos Piräus. In der Saison davor verkaufte man mit Dusan Tadic (1,1 Millionen Euro, FC Groningen) und Dragan Mrdja (600.000 Euro, FC Sion) die beiden Spieler, die im Horr-Stadion gegen die Austria trafen.

Vojvodina Novi Sad schaffte es seit 2006 jedes Jahr ein Transferplus zu erwirtschaften, konnte etwa 2007/08 über acht Millionen umsetzen. Der Transfer von Gojko Kacar zu Hertha BSC um drei Millionen Euro ist dabei bis heute der Rekordtransfer der Serben. Möglicherweise etwas unter Wert verkaufte man 2004 den damals 19-jährigen Milos Krasic zu ZSKA Moskau. Er brachte 2,2 Millionen Euro ein, wechselte später aber um 15 Millionen Euro zu Juventus Turin.

Erreichbarkeit, Stadt & Fans

Novi Sad liegt etwa 550 Kilometer südöstlich von Wien und ist mit dem Auto in sechs bis sieben Stunden gut erreichbar, indem man über Budapest quer durch Ungarn bis Szeged fährt. Nach der Grenze sind es keine 100 Kilometer mehr bis Novi Sad. Auch spontan bekommt man noch Flüge Wien-Belgrad um etwa 150€. Belgrad wiederum liegt 80 Kilometer von Novi Sad entfernt und es gibt Zugverbindungen, sowie die Möglichkeit per Auto in die Vojvodina zu fahren.

Die Stadt Novi Sad zählt etwa 220.000 Einwohner und liegt an der Donau. Kunst und Wissenschaft haben einen großen Stellenwert in der Universitätsstadt, die 1999 während des Kosovo-Kriegs von der NATO bombardiert wurde. Für Fußballfans ist, wie bei fast jeder Europacup-Auswärtsfahrt, Vorsicht geboten. Grün-weiße Fanartikel zu tragen, ist auch in Novi Sad nicht an jeder Ecke die beste Idee, Ausschreitungen gab es hier schon zur Genüge. Zudem herrscht in Novi Sad ein nicht zu verachtender Separatismus: Die Novi-Sad-Fangruppierung „Firma“ unterstützt etwa diverse Sportmannschaften (nicht nur Fußball), die aus der Vojvodina stammen.

Wenn man nicht selbst nach Streit sucht und sich dem Alltag in Novi Sad entsprechend anpasst, sind die Bewohner der Stadt freundlich, hilfsbereit und angenehm temperamentvoll. Das Bier in Novi Sad kostet zwischen 1 und 1,50 Euro – entsprechend günstig ist auch das Essen.

Heim- und Auswärtsstärke

Normalerweise gilt Vojvodina Novi Sad als Heimteam, das in seinen Ligasaisonen ähnliche Heimbilanzen aufweisen kann wie Roter Stern oder gar Partizan Belgrad. Die schwache Saison 2009/10, in der man nur Fünfter wurde und allgemein schwächer spielte als sonst, ausgenommen – in dieser Saison konnte man nur 8 seiner 15 Heimspiele gewinnen, verlor gleich fünfmal. Auswärts spielt Novi Sad solide, aber vor allem aus einer gesicherten Abwehr heraus. Das Motto lautet „die Null muss stehen“ und so beschloss man die Saison 2010/11 mit einem Torverhältnis vom 14:7 in Auswärtsspielen.

In der vergangenen Saison 2011/12 war Novi Sad das drittbeste Auswärtsteam, aber klar schwächer als die beiden dominanten Teams aus Belgrad. In der Auswärtstabelle war man allerdings nur Fünfter, weil man teils unnötige Niederlagen einstecken musste. Zwar gewann Vojvodina mit 2:0 bei Roter Stern und verlor erwartungsgemäß mit 1:4 bei Partizan, schmerzvoll waren aber etwa die Niederlagen bei Smederevo (0:2) und Spartak Zlatibor Voda (1:5) gegen Ende der Saison. Die Europacup-Teilnahme fixierte man erst in den letzten drei Spielen gegen BSK, Roter Stern (heim) und Borac Cacak (auswärts), die man jeweils gewinnen konnte und sich somit Platz 3 sicherte.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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