Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 spielt der LASK wieder international. Die Auslosung führt die Linzer zum Dreizehnten der norwegischen Liga: Lilleström ist... LASK-Gegner Lilleström mit neuem Trainer als große Unbekannte

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 spielt der LASK wieder international. Die Auslosung führt die Linzer zum Dreizehnten der norwegischen Liga: Lilleström ist in der Liga seit sieben Partien sieglos und hat vor allem ein Problem: Das Toreschießen. In den bisherigen 16 Ligapartien erzielte Lilleström nur 16 Treffer.

Auch die „Kanarienvögel“ aus der südnorwegischen Kleinstadt sind in Europa keine Stammgäste mehr. Der fünffache Meister qualifizierte sich als Cupsieger für die Europa-League-Qualifikation und spielt erstmals seit der Saison 2008/09 international. Damals gab es bereits in der ersten Runde gegen den FC Kopenhagen ein deutliches Ausscheiden. Das letzte Mal, dass man in einem respektierten UEFA-Bewerb (Intertoto-Cup ausgenommen) mehr als eine Runde überstand war in der Saison 2000/01. Damals schaltete man im UEFA-Cup Glentoran Belfast und Dinamo Moskau aus, ehe man an Deportivo Alaves, dem späteren Finalisten, scheiterte.

Was macht der neue Trainer anders?

In den letzten beiden Jahren stemmte sich Lilleström in Norwegen gegen den Abstieg, wurde jeweils Zwölfter. Auch heuer wird der Klassenerhalt ein schweres Unterfangen. Nach der 1:3-Niederlage gegen Odds BK vor 2 ½ Wochen wurde mit Jörgen Lennartsson ein neuer Trainer bestellt. Ende Juni war Arne Erlandsen nach zwei Jahren vor die Tür gesetzt worden, die Interimslösung Arild Sundgot erwies sich auch nicht als nachhaltig. Er holte in seinen zwei Partien nur einen Punkt. Beim zuletzt durchaus beständig arbeitenden Lilleström SK ist also ein wenig das Chaos eingekehrt.

Systemumstellung unwahrscheinlich

Durch die Bestellung von Trainer Lennartsson ist Lilleström schwer berechenbar. Wahrscheinlich wird das allgemein gebräuchliche 4-4-2 mit Doppelsechs aber nicht verworfen, sondern nur verfeinert. Zu lange spielt diese Mannschaft bereits in diesem System, eine Dreierkette ist aus verschiedenen Gründen praktisch nicht umsetzbar und auch das relativ dünne Mittelfeld und das Fehlen von dynamischen Flügeln lässt nicht viel Veränderung zu.

Ex-Rapid-Torhüter als „Einser“

Hierzulande am bekanntesten ist der Keeper der Norweger: Der 22-jährige Marko Maric war in früheren Jahren Torhüter beim SK Rapid, galt als riesiges Talent und wechselte nach nur acht Bundesligaspielen nach Hoffenheim. Seit knapp einem Jahr spielt Maric leihweise für Lilleström und ist hier weitgehend gesetzt und ein sicherer Schlussmann.

Rekordspieler als Abwehrchef

Sehr interessant ist der Abwehrchef des LASK-Gegners: Frode Kippe ist bereits 40 Jahre alt, spielte in jüngeren Jahren für Liverpool – wo er aber keine Ligapartie absolvierte – und Stoke City. Für das norwegische Nationalteam bestritt er aber nur acht Partien, weil er seit Sommer 2002, damals war er 24 Jahre alt, ununterbrochen für Lilleström spielt. Nach 453 Pflichtspielen für den Klub, ist Kippe der unumstrittene Boss und natürlich Kapitän des Teams. Der 194cm große Defensivmann hat noch bis Winter Vertrag, aber nachdem er weiterhin zum Stamm zählt, halten viele eine einjährige Verlängerung nicht für unwahrscheinlich.

Mehrere Alternativen für die Viererkette

Neben Kippe spielt wohl der 25-jährige Marius Amundsen, der eher als biederer Verteidiger gilt und Kippe vor allem die Wege nach hinten abnehmen muss, während der Routinier wichtigste Aufbauinstanz ist. Aber auch der 18-jährige Erik Tobias Sandberg könnte ein Thema sein, auch wenn der erst sechs Pflichtspiele in seiner jungen Profikarriere in den Beinen hat. Rechts in der Viererkette wird voraussichtlich der 26-jährige Simen Rafn spielen, der als laufstark und solide, zudem offensiv recht mutig gilt. Links spielt Simen Kind Mikalsen, 25, der im Laufe seiner Karriere immer weiter nach hinten rutschte. Er war ursprünglich ein Mittelfeldspieler, spielt aber jetzt als Linksverteidiger und gelegentlich sogar in der Innenverteidigung. Gegen die Außenverteidiger der Norweger ist jedenfalls ein recht hoher läuferischer Aufwand vonnöten.

Es gibt allerdings auch Alternativen für die Außenverteidigerpositionen: So könnte Rafn auch links spielen und Mikalsen ins Mittelfeld vorrücken. In diesem Fall würde rechts der Spieler mit dem klingenden, fast dialektträchtigen Namen Mats Haakenstad spielen. Er wäre vergleichsweise die Sicherheitsvariante.

Langsam aber sicher stabile Doppelsechs

Die Doppelsechs von Lilleström konnte sich im Laufe der Saison ein wenig stabilisieren, auch wenn die Ergebnisse etwas anderes vermuten lassen. Der 21-jährige Nigerianer Ifeanyi Matthew übernimmt speziell den läuferischen und den Lückenfüller-Part. Mehr spielerische Aufgaben einnehmen bzw. eher als Achter wird der 23-jährige Norweger Fredrik Krogstad spielen. Er ist der etwas torgefährlichere der beiden und weist einen markanten Drall nach rechts auf. Der Nigerianer Charles Chinedu Ezeh wäre eine Option für die defensivere Sechserposition, war zuletzt aber eher ein Einwechsler, weil sich das Duo Matthew-Krogstad verbesserte.

Die Frage nach Sicherheit oder Risiko an den Seiten

Die Flügel- bzw. Außenpositionen im Mittelfeld sind völlig offen. Hier ist am ehesten zu erwarten, dass der neue Trainer etwas ausprobiert. Links könnte der bereits angesprochene Mikalsen spielen, was für defensive Stabilität sprechen würde. Die offensivere Variante ist der aufstrebende Kristoffer Ödemarksbakken, der als inverser Dribbler zu bezeichnen wäre. Auf der rechten Seite ist Aleksander Melgalvis die defensiv stabilere Variante und der 29-jährige Erling Knudtzon die angriffslustigere. Wir erwarten, dass sich Trainer Lennartsson rechts auf jeden Fall für Melgalvis entscheidet, dafür aber links Mikalsen in die Abwehr zieht und mit Ödemarksbakken ein wenig mehr Risiko geht.

Klarer Einserstürmer und ein laufstarker Zuarbeiter

Knudtzon dürfte stattdessen als einer von zwei Stürmern auflaufen und dabei eher den antizipierenden Zuarbeiter spielen, der Räume aufreißt und Gegenspieler bindet. Klarer Einserstürmer neben ihm ist Thomas Olsen, der nach einer schwächeren Phase in Frühling leider wieder rechtzeitig in Schuss kommt. In den letzten fünf Pflichtspielen erzielte er fünf Tore. Der beidbeinige, 187cm große Stürmer ist der unumstrittene Zielspieler der Norweger und weist eine leichte Linkslastigkeit auf, wodurch die linke Seite Lilleströms auch die gefährlichere sein wird.

Kaum Alternativen im Angriff

Alternativen für die Offensive sind der englische Weltenbummler Gary Martin, der bereits in Belgien, Island, Dänemark und Ungarn spielte, sowie der unroutinierte Nigerianer Moses Ebiye, den man bringen könnte, wenn ein wenig Unordnung an den Seiten gestiftet werden soll. Er ist ein Spieler für die Eins-gegen-Eins-Duelle, spielte aber bisher nur selten für Lilleström.

Vor- und Nachteile auf beiden Seiten

Viel mehr als das gibt der dünne Kader der Norweger aber nicht her. Die größte Unbekannte in dieser Mannschaft sind die Ideen des neuen Trainers. Das 4-4-2 wird er beibehalten, aber vor allem durch Rochaden an den Seiten könnte er der Mannschaft neue Impulse ermöglichen. Insgesamt ist Lilleström aber individuell schwächer aufgestellt als der LASK und zudem aktuell nicht in Bestform. Aber auch die Norweger lechzen nach ihrem Europacup-Comeback, stehen durch die norwegische Ganzjahresmeisterschaft voll im Saft und hatten zuletzt 2 ½ Wochen spielfrei, was angesichts der kürzlichen Unserie kein Nachteil sein wird. Zudem ist es ein Vorteil für die Norweger, dass die erste Partie in Österreich stattfindet. Unterm Strich erwarten wir hier ein ausgeglichenes Duell ohne klaren Favoriten – auch wenn der LASK sich auf dem Papier gegen die Kanarifugla durchsetzen sollte.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen