Der FC Sion schreibt weiterhin die Schlagzeilen im schweizerischen Fußball. In der Vorsaison noch im Clinch mit FIFA und UEFA gelegen, sorgte der Verein... Chaos in Sion und Genf: In der Romandie geht es wieder einmal rund!

Der FC Sion schreibt weiterhin die Schlagzeilen im schweizerischen Fußball. In der Vorsaison noch im Clinch mit FIFA und UEFA gelegen, sorgte der Verein aus dem Wallis zuletzt für sportlich positive Akzente und lotste sogar Gennaro Gattuso in die Super League. Nach zwei Niederlagen in Folge schlug jedoch wieder einmal Präsident Constantin zu und entließ den Übungsleiter. Aber nicht nur in Sion, sondern auch in Genf musste am Dienstag ein Coach seinen Platz räumen.

Die Saison hatte für den FC Sion so gut begonnen. Der Verein aus dem Wallis eilte in der Liga von Sieg zu Sieg und konnte sich zudem über die Verpflichtung des italienischen Weltmeisters Gennaro Gattuso freuen. Präsident Christian Constantin hielt sich ungewohnt im Hintergrund und versuchte, mit Alessandro del Piero sogar einen zweiten Weltstar in die Schweiz zu locken, was ihm jedoch nicht gelang. Der mächtige Funktionär mischte sich nicht in den Trainingsbetrieb und ließ Coach Sébastien Fournier in Ruhe arbeiten, was einen äußerst starken Saisonstart zur Folge hatte.

Rücktritt nach Eklat

Umso überraschender kam es, dass der junge Trainer am späten Montagabend seinen Rücktritt erklärte und um die Rückversetzung in die Nachwuchsabteilung von Sion ansuchte. Was war geschehen? Die Spieler Oussama Darragi, Mathieu Manset und Joaquim Adao hatten sich unmittelbar vor dem nächsten Spiel ins Nachtleben von Lausanne gestürzt, was ihr Trainer auf der Pressekonferenz nach der jüngsten Heimniederlage gegen St. Gallen an die Öffentlichkeit brachte.

Damit verstieß Fournier aber gegen die Wünsche seines Präsidenten, denn vereinsintern hatte man ausgemacht, die Sache im Stillen zu regeln und die Spieler lediglich mit einer Geldstrafe zu belegen. Wie der Blick nun enthüllte, kam es unmittelbar nach der Pressekonferenz zu einem Eklat in der Sion-Kabine. Fournier beschimpfte seine Spieler als „Hurensöhne“ und „Arschlöcher“ und erst das Einschreiten von Constantin konnte ihn beruhigen.

In weiterer Folge reagierte der Verein auf die interne Unruhe mit einer Presseaussendung und stellte damit seinen Trainer bloß. Somit liegt zumindest die Vermutung nahe, dass Fourniers Rücktritt nicht aus gänzlichen freien Stückern erfolgte, sondern auf Druck des Vereins.

Dieser benötigte daher wieder einmal einen neuen Trainer – den 26. in der Ära Constantin, die mit Unterbrechungen seit Anfang der Neunzigerjahre andauert. Der neue Übungsleiter war rasch gefunden, es handelt sich dabei um 56-Jährigen Michel Decastel, der den Verein bereits in der Saison 1995/96 betreute und zuletzt im nordafrikanischen Raum tätig war. Wie lange Decastel das Trainerzepter schwingen darf ist freilich unklar, allzu häuslich sollte er sich in Sion allerdings nicht einrichten, denn alleine in diesem Jahr ist er schon der vierte Coach im Wallis.

Kurios: Die drei Spieler, die durch ihren nächtlichen Ausflug den ganzen Wirbel erst auslösten, wurden zu unterschiedlich harten Strafen verdonnert. Manset wurde entlassen, Adao zur U21 versetzt und Darragi zu einer Geldstrafe verdonnert.

Schlusslicht Servette

Während Sion sich in der Spitzengruppe der Super League befindet, steht Servette Genf mit gerade einmal zwei Punkten aus acht Spielen am Tabellenende und gibt ein bemitleidenswertes Bild ab, denn zuletzt verirrten sich nur noch 5.000 Zuschauer in das riesige Stade de Genève.

Dabei gleicht es ohnehin einem Wunder, dass der zweite Verein aus der französischsprachigen Schweiz überhaupt die Lizenz erhielt, denn Ex-Präsident Majid Pishyar, den man auch bei der Admira noch in schlechter Erinnerung hat, häufte einen enormen Schuldenberg an, sodass Servette Konkurs anmelden musste, von einem Konsortium aber noch gerettet werden konnte.

Dennoch ist der Kader klein und unerfahren und auch der Verletzungsteufel meinte es mit den Genfern nicht gut. Hinzu kam auch noch die Doppelbelastung in der Europa League, wo man sich aber durchaus achtsam schlug und gegen Rosenborg Trondheim nach zwei Unentschieden nur aufgrund der Auswärtstorregel ausschied.

Nach der Meisterschaftsniederlage gegen Thun am vergangenen Sonntag zog man beim Verein jedoch die Konsequenzen und trennte sich vom portugiesischen Trainer Joao Alves, der den Traditionsclub vor zwei Jahren in die oberste Spielklasse zurückgeführt hatte, aber im vergangenen Jahr auch bereits von Pishyar einmal gefeuert und von der neuen Vereinsführung wieder engagiert worden war.

OoK_PS, abseits.at