Rapid spielt in Leverkusen, 4.500 Fans werden zur Auswärtsfahrt ans rechte Rheinufer erwartet, darunter auch die Buam von Grün-Weiss-Amstel. Und weil die Fahrt mit... Groundhopper’s Diary | Rapid in Leverkusen: 3 Tage – 3 Spiele in Deutschland

Rapid spielt in Leverkusen, 4.500 Fans werden zur Auswärtsfahrt ans rechte Rheinufer erwartet, darunter auch die Buam von Grün-Weiss-Amstel. Und weil die Fahrt mit dem Auto für ein Match gar ein bisschen viel Aufwand ist, werden das CL-Spiel der Bayern gegen Lille am Mittwoch und das Zweitligaspiel Köln-Duisburg en passant gleich mitgenommen: 3 Tage, 3 Spiele eben, gepaart mit vielen Kilometern im Auto, einem kleinen bisschen deutschen Bier und jeder Menge Spaß.

Tag 1: München, Bayern-Lille

Berufsbedingt kam der Autor dieser Zeilen erst um 18.30 Uhr in der bayrischen Hauptstadt an. Der Rest der Buam weilte bereits seit den Vormittagsstunden in der Münchner Innenstadt, und deren wahnwitzige Erlebnisse sollen auch dort bleiben. Sollte jemals jemand diese Geschichte aufschreiben, sie könnte durchaus handeln von zahllosen Brauhäusern, noch zahlloseren Maßkrügen, wegen Verwechslung ausgesprochenen, ungerechtfertigten Lokalverboten, verschüttetem Bier, deswegen zeitweilig unbenutzbar gewordener Garderobe, Leuten, die von Sesseln fallen, diversen gescheiterten Versuchen, manch einen Gast zu einem Friseurbesuch zu animieren, Leuten, die in die falsche U-Bahn einsteigen wollen, weil „da weniger Leute anstehen“ und der Suche nach der verlorenen Erinnerung.

Ohne einschlägiges Wissen über die Vorkommnisse des Tages macht sich leichte Panik erst breit, als trotz vereinbartem Treffpunkt 19 Uhr bei der U-Bahnstation Studentenstadt um 20 Uhr noch immer niemand auftauchte. Auf wundersame Weise wurde es dann doch noch geschafft, sich zu treffen und noch vor der Präsentation der Mannschaftsaufstellungen gemeinsam in die Allianz-Arena zu gelangen.

Die Stimmung im Stadion war vornehm ruhig, gemäßigt, wie sich ein Opernpublikum eben verhält – man kennt das z.B. auch aus Madrid. Trotz des souveränen 6:1 gegen völlig überforderte Franzosen mit mindestens einem halben Dutzend weiterer hochkarätiger Chancen gab es abgesehen vom Torjubel wenig Enthusiasmus seitens des Publikums. Nach dem 5:0 schwappte kurz die Welle durch die Arena, das war es dann aber schon wieder. Die paar Österreicher im obersten Rang erfreuten ihre unmittelbare Umgebung hingegen mit lockeren Sprüchen Richtung Rasen und Dialogen wie: „Der Dante spielt a Weltklassepartie heute.“ – „Wos für a Tante?“. Auch soll es jemanden gegeben haben, der noch unter dem Einfluss von Weißbier stehend die ersten fünf Minuten felsenfest davon überzeugt war, das Spiel des Abends sei Leverkusen-Rapid und entsprechende Kommentare Richtung Grün schleuderte.

Tag 2: Leverkusen-Rapid

Nach dem Leerkaufen eines Getränkemarktes, dem Parken des einen Autos auf einer Autobahnraststätte (mit dem ganzen Kofferraum voller Bierkisten) und dem Umstieg ins zweite Auto ging die etwa fünfstündige Fahrt Richtung Rhein los. Während sich der Herr Fanklub-Präsident lediglich dezent um sein Auto sorgte, hatten die anderen Mitfahrer Angst, ihre Bierkisten könnten in den nächsten 48 Stunden verschwinden („Dein Auto is ma wurscht, aber was is, wenn des Bier weg ist?“ – „Wenn des Auto weg ist, glaubst, die lassen die Bierkisten zurück?“). Im Quartier in Leverkusen überraschte es nicht, dass schon nach wenigen Minuten weitere Grün-Weiße gesichtet und begrüßt wurden. Gibt es halt nur bei Rapid.

Ausgehungert nach der langen Fahrt folgten wir der Empfehlung des Rezeptionisten und machten uns auf den Weg zu einem Restaurant/Cocktailbar namens „Havana“, das in unmittelbarer Nähe zur BayArena liegt. Kurz vor Fünf betraten wir als erste das schöne Lokal und versuchten die Kellnerin schon mal darauf vorzubereiten, was in den nächsten Stunden bis zum Anpfiff hier los sein wird, wenn der Großteil der Rapidfans erst mal eingetroffen ist. Das Mädchen tat unsere Vorhersage wohl zunächst als Spinnerei von ein paar Ösis ab („Am Donnerstag ist nie viel los, auch nicht, wenn Bayer spielt.“), hatte in der Folge aber doch jede Menge zu tun, als sich das Lokal immer mehr füllte und bereits gegen 19 Uhr sämtliche Tische und die Bar restlos besetzt waren. Die Happy Hour von Fünf bis Sieben mit allen Cocktails um 5,90 Euro war dabei kein Hindernis, ein breite Palette der hervorragend gemixten Drinks wurde mit Vergnügen verkostet, drunter alkoholische Schlachtschiffe wie der Long Island Ice Tea und der Zombie. Bei einer weiteren Runde würde ich nach diesem Satz mangels einschlägiger Erinnerung bereits vom dritten Tag berichten.

Die Stimmung der Rapidfans im Stadion war fantastisch, sowas hat man am rechten Rheinufer wahrscheinlich noch nicht erlebt und wird es in absehbarer Zukunft auch nicht mehr erleben. Viele Fans zeigten sich auch von der BayArena sehr beeindruckt und philosophierten angesichts der aktuellen Diskussionen darüber, dass „wir auch genau so ein Stadion in Hütteldorf brauchen.“ Etwa 30.000 Sitzplätze, modern, architektonisch ansprechend, mit toller Akustik und der entsprechenden Infrastruktur. Rapid zeigte sich beim Spiel selbst trotz der grandiosen Unterstützung als gefälliger Gast, der sich Tore gegen eine bessere B-Elf von Leverkusen wieder einmal beinahe selbst geschossen hat. In der Offensive waren einige gute Möglichkeiten zwar vorhanden, aber international reichen solche Defensivleistungen und speziell eine solche Chancenverwertung einfach nicht aus. Unterm Strich bleibt das bittere Gefühl, man sei Gast bei einer Pauschalreise durch Europa mit intensiver musikalischer Untermalung.

Tag 3: Köln-Duisburg

Nach der Enttäuschung des Vorabends und der Erkenntnis, dass Leverkusen außer dem Stadion und dem Bayer-Kreuz nichts wirklich Sehenswertes zu bieten hat, wurden gleich in der Früh die Koffer gepackt und eine halbe Stunde später im Quartier in Köln wieder ausgepackt. Der Hauptstadt des Karnevals wurde bereits 2003 für eine Nacht ein Besuch abgestattet, damals mit der Erkenntnis, dass Köln „net wirklich was kann.“ Umso positiv überraschter waren wir über die ansprechenden Fachwerkhäuser am Rheinufer, die mittelalterlichen Gässchen im Stadtzentrum, die historischen Plätze, Brunnen, Kirchen und Gebäude und thronend über allem der imposante Kölner Dom. In sherlockesker Manier und mithilfe des Stadtplans versuchten wir unsere damaligen Schritte nachzuvollziehen und gelangten zu der Erkenntnis, dass wir damals bei Ankunft nach Einbruch der Dunkelheit am Kölner Bahnhof den Dom fälschlicherweise links anstatt rechts liegen gelassen haben, was zur Folge hatte, dass wir das auch historische Zentrum links liegen gelassen haben. Passiert uns bei Tageslicht kein zweites Mal mehr.

Auch in Köln konnte man tagsüber in kein Lokal hineingehen, ohne ein paar Leute mit grün-weißen Accessoires beim Genuss eines 0,2 Literglases Kölsch zu sehen. Irgendwie putzig, diese kleinen Gläser, vor allem, weil in Bayern ein kleines Bier ja landläufig ein Krügel ist. „Ist klein, dafür aber immer frisch“, sagt der Kölner. Rechnet man die 1,80 Euro für ein Glas aber auf ein Krügel um, vergeht einem die Frische gleich wieder. Die Maß am Oktoberfest kostet hochgerechnet nur unwesentlich mehr. Angesichts des bevorstehenden 11.11. wurden wir ein gutes Dutzend mal gefragt, ob wir denn wegen des Faschingsbeginns hierhergekommen sind. Großteils verdutzte Gesichter erntete unsere Standardantwort: „Nein, wir sehen uns heute Köln-Duisburg an und fahren morgen wieder heim.“

Immerhin 39.000 waren dann auch im RheinEnergie Stadion zugegen, als ein laut Tabelle mittelmäßiger 1. FC Köln gegen den Tabellenletzten Duisburg über ein 0:0 nicht hinauskam. Vom fußballerischen Niveau her lag dieses Spiel in etwa so weit unter der Donnerstagspartie wie diese unter der Bayerngala vom Mittwoch lag. Viel Kampf, noch mehr Krampf, wenig zusammenhängende Aktionen, Fehlpässe, dass es einem die Haare unter der Haube aufstellt. Duisburg mauerte nach einem frühen Platzverweis nur noch, hatte Glück bei zwei Lattentreffern der Kölner und Pech bei einer Riesenchance nach einem Konter in der Nachspielzeit. Der Österreicher Daniel Royer kam in der zweiten Hälfte bei Köln zum Einsatz, Kevin Wimmer blieb auf der Bank. Nach dem Spiel ließen wir den Abend noch in der Brauerei zur Malzmühle, die das angeblich beste Kölsch der Stadt zum fairen Preis von 1,60 Euro das Glas feilbietet, gemütlich ausklingen. Auch hier sorgte die gemeinsame Sprache, die uns vom Deutschen trennt, für Erheiterung: „Du kannst dei Jackn ruhig da aufhängen.“ – „Ich nehme an, Sie haben gesagt, ich kann meine Jacke hier aufhängen.“ Oder auch zur Diskussion über das typisch rheinische Gericht „Himmel und Ääd“: „Friera hob i jo ka Blunzn gessn, jetzt mog is gaunz gern.“ – „Das versteh ich jetzt nicht.“

Fazit

Auto und Biere wurden in Bayern unversehrt wieder auf dem Rastplatz aufgefunden. Etwa 2.000 Kilometer im Auto schlauchen ganz schön, Urlaub vom Urlaub nehmen war aber leider berufsbedingt nicht möglich. Trotz der Anstrengungen und des enttäuschenden Abschneidens der Mannschaft am Donnerstag hoffen wir, dass uns Rapid in Zukunft weiterhin die Möglichkeit gibt, solche Touren zu unternehmen.

Christian Ditz, abseits.at

Christian Ditz

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