Es wäre eigentlich schon eine lange Zeit geplant gewesen, an diesem Wochenende nach Kroatien zu fahren, um im Raum Zagreb doch einige Spiele mitnehmen... Groundhopping: Auf der Suche nach dem wahren Fußball (3)

Es wäre eigentlich schon eine lange Zeit geplant gewesen, an diesem Wochenende nach Kroatien zu fahren, um im Raum Zagreb doch einige Spiele mitnehmen zu können. Im Land des Vizeweltmeisters pausiert während der Weltmeisterschaft nämlich nur die erste Liga und darunter wird jedoch noch munter weitergespielt. Doch leider wurden kurzfristig die anvisierten Freitagsspiele auf Samstag verlegt und da unsere Reisegruppe am Freitag mit einem Spiel im slowenischen Lendava ein Ersatzprogramm gefunden hat, wäre ich um das gesamte Freitagsprogramm gefallen, weil ich eben schon in Lendava gewesen bin. Also musste ich schweren Herzen der Fahrt nach Kroatien absagen und ein Ersatzprogramm finden.

Tihanyi FC – Ajka Kristály SE 2:2 (0:1)

In Deutschland hätte es zwar in Bayern und im Nordosten gute Begegnungen in den Regionalligen gegeben, jedoch waren diese ohne Mitfahrer eher schwer zu realisieren, sodass das Wochenende schließlich im Zeichen der Familie stehen sollte, denn die Frau im Haus bekam ein Angebot für ein Saunawochenende in einem Hotel am Plattensee zugesandt und ein schneller Blick auf die Spielpläne verriet, dass rund um das Hotel die Aufgüsse noch mit drei Ligaspielen kombiniert werden können.

Der Freitag bleib zwar spielfrei, aber am Samstag sollte es, rund 60 Kilometer dem Nordufer des Balatons entlang, nach Tihany gehen. Das dortige Stift und das Echo sind zweifelsfrei die Höhepunkte des auf einer Halbinsel im Plattensee befindlichen Touristenortes. Für diese bleib auch noch Zeit, ehe es auf den etwas außerhalb des Ortes befindlichen Sportplatzes des Tihanyi FC, der den Namen Kossuth Lajos utcai Sportpálya trägt, gehen sollte.

In der viertklassigen I. osztály des Komitats Veszprém sollte der Tihanyi FC den Ajka Kristály SE zu Gast haben. Die Gastgeber sind in diesem Duell zweier Mittelständer leichter Favorit. 50 Besucher trotzen der Kälte am heutigen Nachmittag und kommen auf den noch ein wenig im Umbau befindlichen Sportplatz, wobei die Temperaturen für Ende November doch eher als mild einzustufen sind.

Die Gäste aus Ajka kommen besser ins Spiel und gehen durch Szabados in der 18.Minute in Führung. Da Tihany ist in den ersten 45 Minuten nicht wirklich vorhanden ist, ist die Führung Ajkas auch mehr als verdient. Ajka Kristály ist auch nach dem Seitenwechsel auf dem Kunstrasenplatz besser und erhöht durch Pápai in der 54.Minute auf 2:0. Damit könnte man meinen, dass diese Partie gelaufen ist, doch ein vermeidbarer Elfmeter in der 65.Minute bringt noch einmal Spannung in dieses Spiel. Torwart Bognár kann den Strafstoß zwar entschärfen, aber der Ball springt zurück zum Schützen Nemes, der somit locker zum Anschlusstreffer einschieben kann.

Sieben Minuten später ist Bognár wieder im Mittelpunkt des Geschehens, als er an der linken Strafraumgrenze den Tihanyer Stürmer völlig unmotiviert umholzt und er somit einen weiteren Strafstoß verursacht, den Németh sicher verwandelt. Nach dem Ausgleich spielt nur mehr Tihany, aber Bognár beweist in der Schlussphase doch, dass er ein Fels in der Brandung, denn er entschärft alle Angriffe der Gastgeber.

Alles in allem endet diese Begegnung mit einer gerechten Punkteteilung, wobei Ajka durch die beiden vermeidbaren Elfmeter zwei Punkte leichtfertig hergegeben hat. Mit Einbruch der Dunkelheit erreicht man auch wieder das Hotel und genießt den Abend. Neben Tischfußball und plantschen mit den Kindern, konnte man auch bei den Aufgüssen entspannen. Morgen warten dann zwei Spiele auf dem Heimweg auf uns.

Haladás SE Pacsa – Zalatárnok SE 1:5 (1:2)

Am Sonntagvormittag gab es mit einem Nachtragspiel der III. osztály, Közép csoport, im Zala Megye ein Nachtragspiel der ersten Runde, in dem sich der Haladás SE Pacsa und Zalatárnok SE gegenüberstanden. Gut, von dieser Liga habe ich ehrlicherweise keine Ahnung und auch noch kein Spiel gesehen. Den einzigen Bezugspunkt, den ich habe, ist der Olajmunkás SE Gellénháza, den ich vor vier Jahren noch in der höchsten Spielklasse in diesem Komitat gesehen habe.

Nun sind die Erwartungen an den Platz in Pacsa gering, doch er lässt mein Herz schon vor dem Betreten etwas höher schlagen, denn der Eingangsbereich ist schon ein toller. Man muss von der Straße über Stufen hinaufgehen und findet dann zwei überdachte Kassenhäuschen vor, damit auch ein größerer Besucherandrang rasch abgefertigt werden kann. Die Kassenhäuschen sind allerdings nicht mehr in Betrieb und bei dem Zuschaueranspruch in dieser Spielklasse ist auch das Kassieren von Eintritt obsolet. Rund 35 Besucher kommen heute auf den Platz. Die meisten davon sind wohl Angehörige der Spieler.

Der Sportplatz an sich, der einfach Pacsai Sportpálya genannt wird, kann auch überzeugen, denn ein mittlerweile als Handymast benutzter Wasserturm sorgt für ein gutes Motiv im Hintergrund. Sitzgelegenheiten gibt es wenige, aber diese werden auch nicht in Anspruch genommen. Die Kinder sind jedenfalls vom Kunstrasenkleinfeld hinter dem Tor begeistert, sodass diese für die nächsten zwei Stunden jedenfalls beschäftigt sind.

Erst acht Minuten vor Spielbeginn kommt die heimische Elf zum Aufwärmen auf das Feld, sodass es nicht verwunderlich ist, dass das Schiedsrichtergespann erst acht Minuten nach halb Elf dieses Spiel anpfeift. Der Tabellensituation nach sind die Gäste jedenfalls Favorit, aber ein Favorit ist in der Anfangsphase nicht wirklich auszumachen. Nagy bringt die Gastgeber in der elften Minute jedenfalls in Führung. Diese währt allerdings nicht lange, denn Pető erzielt bereits in der 18.Minute den Ausgleich. Dass Zalatárnok in der 41. Minute durch Szalai in Führung gehen sollte, ist dem Tormann der Gäste zu verdanken, der einen Freistoß nach vorne abklatschen kann und Szalai dadurch problemlos einschieben kann.

Das Spiel lässt zwar qualitativ zu wünschen übrig, aber das Ambiente am Sportplatz ist nicht mit dem modernen Profifußball zu vergleichen. Ich sehe lieber in so einer Umgebung ein Spiel, als dass ich mich in klimatisiertes Stadion in der Wüste setze.

Mit Fortdauer des Spiels haben die Gastgeber immer weniger zu melden. Kocsis gelingt in der 73.Minute mit dem Treffer zum 3:1 die Vorentscheidung und als in der 84.Minute Rituper unter kräftiger Mithilfe von Pacsas Tormanns das 4:1 erzielt, sind die drei Punkte für Zalatánok im Trockenen. Für den Schlusspunkt am heutigen Tag sorgt Tóth, der in der 87.Minute mit seinem Tor für den Endstand von 5:1 sorgt. Das Endergebnis spiegelt zwar den Tabellenstand gut wieder, jedoch war Pacsa nicht so schlecht, dass man sagen könnte, dass die Mannschaft heute über die gesamte Spielzeit völlig chancenlos war.

Anders gesagt, auch in Zalatárnok hat man das Fußballspielen nicht erfunden und es gibt schon einen Grund, warum beide Vereine in den Niederungen der ungarischen Ligen beheimatet sind. Aber wegen des guten Spiels ist man nicht hier gewesen und es immer besser, wenn in einer kleinen Ortschaft noch eine Mannschaft gestellt werden kann und der Spielbetrieb nicht eingestellt wird. Auch der Amateurfußball in Ungarn leidet unter einem massiven Vereinssterben.

Es folgen einige Impressionen, die sich per Klick vergrößern lassen:

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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