Der Weltfußballverband hatte vor, die schweren Anschuldigungen des langjährigen Blatter-Vizes Jack Warner kommentarlos auszusitzen. Mittlerweile dürften einige Stühle in Zürich so heiß geworden sein,... Pfosten der Woche (KW 04) – FIFA

Der Weltfußballverband hatte vor, die schweren Anschuldigungen des langjährigen Blatter-Vizes Jack Warner kommentarlos auszusitzen. Mittlerweile dürften einige Stühle in Zürich so heiß geworden sein, dass man zwar immer noch nicht an einer Aufklärung der Vorwürfe interessiert ist, dies der Öffentlichkeit aber wenigstens mitteilt.

Der ehemalige FIFA-Vizepräsident Warner hatte vor einigen Wochen behauptet, die FIFA habe ihm im Gegenzug für seine Unterstützung bei der Wiederwahl Blatters TV-Übertragungsrechte für Trinidad & Tobago seit den 90er-Jahren zu Spottpreisen überlassen; Belege dafür legte er jedoch nicht vor. Nun veröffentlichte die “Süddeutsche Zeitung” eine handschriftliche Notiz von FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, die den TV-Verträgen für 2010 und 2014 beigelegt gewesen sein soll und zwar nicht als zwingender Beweis, aber zumindestens als starkes Indiz für Warners Schilderungen gelten kann:

“Jack, hier ist die Vereinbarung, unterschrieben vom P. Dieses Geschäft ist nicht durch alle üblichen Gremien und Kommissionen gegangen. Deshalb bitte ich, es vorläufig nicht öffentlich zu machen.”

“P” ist hierbei das verbandsinterne Kürzel für den Präsidenten. Die FIFA bestätigte mittlerweile die Echtheit des Dokuments, bestreitet aber einen Zusammenhang mit Warners Anschuldigungen: schließlich gehe aus der Notiz nicht hervor, um welches Agreement es sich handelt. Dass der Präsident Geschäfte macht, die an den eigentlich zuständigen Stellen vorbeigeschleust und diskret behandelt werden müssen, stört offenbar niemanden. Noch weniger tut es zur Sache, dass der Chef des karibischen TV-Senders CSTN behauptet, die in Rede stehenden Übertragungsrechte 1999 erworben zu haben, ehe sie über verschlungene Wege verschiedener Konkurse und Insolvenzen wieder an die FIFA fielen. Die erstattete sie aber nicht zurück, sondern verkaufte sie – reiner Zufall, versteht sich – an Warner, der wiederum fast viereinhalb Millionen Dollar damit erlöste.

Jack Warner musste im Vorjahr nach Korruptionsvorwürfen zurücktreten; diese waren aufgetaucht, nachdem er Mohamed Bin Hammam, Blatters Konkurrenten um das Präsidentenamt, unterstützt hatte. Im Fall Warner hatte der Verband Ermittlungen durch die Ethikkommission eingeleitet, ehe der Beschuldigte zurücktrat; Bin Hammam wurde wenig später von gleicher Stelle wegen Korruption lebenslang gesperrt. In der aktuellen Causa wird die FIFA die Ethikkommission vermutlich nicht einschalten, denn:

“Dafür sehen wir keine Veranlassung.”

Natürlich nicht. Denn einerseits ist ein Teil der fraglichen Sachverhalte vermutlich schon verjährt und andererseits könnte nach monatelangem, knietiefen Waten im Dreck eines offenkundig unbeschreiblichen Saustalls am Ende der Untersuchung möglicherweise die Erkenntnis stehen, dass mit Jack Warner nur einer von vielen Beteiligten an zahlreichen Korruptionsaffäre rund um die FIFA bestraft wurde, andere aber nach wie vor in Amt und Würden stehen. Und wer wüsste diese Gefahr wohl besser einzuschätzen als der langjährige Präsident?

Lichtgestalt, www.abseits.at

Lichtgestalt

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