Frankreich gewann die Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land und war damit der sechste Gastgeber nach Uruguay, Italien, England, Deutschland und Argentinien, der daheim den... Weltmeisterschaft 1998: Hui, der wär fost ned einegangn

Zinedine Zidane - FrankreichFrankreich gewann die Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land und war damit der sechste Gastgeber nach Uruguay, Italien, England, Deutschland und Argentinien, der daheim den Titel holte. Die Franzosen erwiesen sich aber auch als gute Organisatoren, denn die Anforderungen an das Austragungsland wurden durch die Aufstockung der Endrunde auf 32 Mannschaften immer größer. Durch die gestiegen Teilnehmeranzahl gab es einige Debütanten, die zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft mitmischen durften.

Frankreich setzte sich bei der Bewerbung für die WM gegen Marokko und die Schweiz durch, da Michel Platini und Organisator Fernand Sastre die FIFA mit ihrem Konzept überzeugen konnten. Speziell Sastre leistete hervorragende Arbeit im Vorfeld der Weltmeisterschaft, die er jedoch leider nicht mehr genießen konnte, da er drei Tage nach dem Eröffnungsspiel aufgrund einer Krebserkrankung starb. Jamaika, Südafrika, Japan, Kroatien und die Bundesrepublik Jugoslawien (bestehend aus Serbien und Montenegro) nahmen zum ersten Mal an der Endrunde teil. Die Kroaten erreichten mit Stars wie Davor Šuker (Torschützenkönig mit sechs Toren), Zvonimir Boban und Robert Prosinečki den überraschenden dritten Platz und erwiesen sich als die beste Kontermannschaft im Turnier, die zudem ein interessantes 3-5-2-System praktizierte.

Österreich stark in der Qualifikation

Die österreichische Nationalmannschaft setzte sich in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft gegen Schweden, Schottland, Lettland, Estland und Weißrussland durch und erreichte mit 25 von 30 möglichen Punkten den ersten Platz in der Tabelle. Österreich gab nur gegen Schottland Punkte ab (0:0 und 0:2) und gewann beide Partien gegen Schweden mit 1:0, wobei der entscheidende Treffer von Andi Herzog im Ernst-Happel-Stadion besonders in Erinnerung blieb:

Bei der Weltmeisterschaft endeten die ersten beiden Partien gegen Kamerun und Chile mit einem 1:1-Unentschieden, wobei beide Treffer der Österreicher in der Nachspielzeit fielen. Gegen Kamerun erzielte Toni Polster den Ausgleich (Peter Elstner legendär: Hui, der wär fost ned einegangn), im zweiten Spiel rettete Vastic den Punkt, woraufhin die Kronen Zeitung schrieb, dass er jetzt wirklich ein echter Österreicher wäre.

Gegen Italien setzte es im letzten Gruppenspiel eine knappe 1:2-Niederlage, sodass sich das Team als Gruppendritter verabschieden musste.

Spanien strauchelt, Jamaika holt einen Sieg

Die meisten Favoriten überstanden die Gruppenphase, für Spanien war die Weltmeisterschaft allerdings nach drei Partien vorbei. Nachdem das erste Spiel gegen Nigeria überraschend mit 2:3 verloren wurde, kam die Mannschaft von Coach Javier Clemente gegen Paraguay nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus, sodass ein 6:1-Kantersieg im letzten Gruppenspiel nicht ausreichen sollte. Positiv überraschte hingegen Jamaika, das nach zwei Niederlagen gegen Kroatien (1:3) und Argentinien (5:0) im letzten Gruppenspiel Japan schlug und die Gruppe so wie Spanien und Österreich am dritten Platz abschloss.

Michael Owens Sternstunde und ein typisches Elfmeterschießen für England

Im Achtelfinale stellte die Begegnung zwischen England und Argentinien die restlichen Partien in den Schatten. Ein überragender, erst 18-jähriger Michael Owen, die Entdeckung der WM, sorgte nach einem herrlichen Sololauf für die zwischenzeitliche 2:1-Führung der Engländer. Argentinien gelang jedoch durch Zanetti der Ausgleich, David Beckham wurde aufgrund einer Tätlichkeit vom Platz gestellt und im Elfmeterschießen hatte England wieder einmal das Nachsehen. Paul Ince und David Batty brachten den Ball nicht im Tor unter, bei den Argentiniern verschoss lediglich Hernán Crespo.

Packende Viertelfinalspiele

Der spätere Weltmeister Frankreich benötigte gegen Italien ebenfalls ein Elfmeterschießen, wobei der damalige AS-Roma-Spieler Luigi Di Biagio den entscheidenden Strafstoß nicht im Tor unterbringen konnte, nachdem zuvor Demetrio Albertini und Bixente Lizarazu ihre Strafstöße nicht verwerteten. Brasilien setzte sich in einem packenden Spiel knapp mit 3:2 gegen Dänemark durch, die Niederlande bezwang in einer hochklassigen Partie dank zweier Tore von Dennis Bergkamp Argentinien mit 2:1 und Kroatien warf überraschend Deutschland nach einem klaren 3:0-Sieg aus dem Turnier.

Rätsel um Ronaldo

Nachdem sich Brasilien gegen die Niederlande im Elfmeterschießen durchsetzte und Frankreich den Erfolgslauf der Kroaten nach einem 2:1-Sieg beendete, erwarteten die Fans ein knappes Finale zwischen dem Gastgeber und der Seleção. Frankreich war an diesem Tag jedoch um mindestens eine Klasse stärker, was auch daran lag, dass Stürmerstar Ronaldo unter einer rätselhaften Krankheit zu leiden schien und es lange Zeit nicht sicher war, ob er überhaupt auflaufen kann. Er spielte dann zwar die 90 Minuten durch, wirkte aber kraftlos und lethargisch und konnte bis auf wenige Ausnahmen keine Gefahr erzeugen. Im Anschluss an die Partie gab es Untersuchungen wie groß der Einfluss von Sponsor Nike auf das brasilianische Team war und ob der Sportartikelherstellung Druck auf den Trainer ausübte und die Nominierung des Superstars forderte. Im Gegensatz dazu präsentierte sich Frankreichs Star Zinédine Zidane in hervorragender Spiellaune und erzielte auch die ersten beiden Treffer seines Teams. Emmanuel Petit machte in der Nachspielzeit mit dem dritten Tor der Partie dann alles klar.

Angriff auf Daniel Nivel

Auch wenn die Weltmeisterschaft aus sportlicher und organisatorischer Sicht ein Erfolg war, darf die Attacke auf Daniel Nivel nicht unerwähnt bleiben. Deutsche Hooligans schlugen den französischen Gendarm Daniel Nivel so brutal zusammen, dass er sechs Wochen lang im Koma lag, auf einem Auge blind wurde und bis heute nur mit großer Mühe sprechen kann. Vier der Angreifer wurden zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren verurteilt. Der DFB gründete als Folge die Daniel-Nivel-Stiftung und rief den Daniel-Nivel-Cup ins Leben.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

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