Um Haaresbreite verpasste der SK Rapid den so dringend benötigten Derbysieg zum Frühjahrsauftakt. Von ungefähr kamen Ergebnis und Spielverlauf allerdings nicht. Wir begeben uns... 1:1 im Derby: Rapid machte vieles richtig, scheiterte aber an der Nervosität
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_Giorgi Kvilitaia

Um Haaresbreite verpasste der SK Rapid den so dringend benötigten Derbysieg zum Frühjahrsauftakt. Von ungefähr kamen Ergebnis und Spielverlauf allerdings nicht. Wir begeben uns einen Tag nach dem Aufeinandertreffen der Erzrivalen auf Spurensuche.

Dass die Austria mit 3-5-2-Systemen allgemein ihre Probleme hat, ist keine Neuheit. Noch schwieriger wird es für die Veilchen aber, wenn ihr spielender, abkippender Sechser Raphael Holzhauser zugestellt wird. Es ist weiterhin unverständlich, wieso nicht wesentlich mehr Mannschaften in der heimischen Liga dieses Stilmittel gegen die Veilchen anwenden, zumal diese schwere Probleme im Aufbauspiel bekommen, wenn der Spielgestalter abmontiert bzw. zum Ausweichen in andere Feldpositionen gezwungen wird.

Austria an der Wurzel gepackt

Rapid tat dies in personam Giorgi Kvilitaia, der Holzhauser bis in die eigene Hälfte verfolgte. Viele Zweikämpfe musste der Georgier gegen den 23-Jährigen nicht führen, aber das reine Verfolgen reichte, um Holzhauser aus seinem positionstechnischen Naturell zu entführen. Das Resultat war, dass Rotpuller, Filipovic und Martschinko die Austria-Spieler mit den meisten Ballaktionen und Pässen waren. Da Holzhausers Kreise eingeschränkt waren, brauchte es Fehler Rapids, um für violette Gefahr zu sorgen.

Auch die hängende Spitze wäre eine Option

Rapid wählte beim Zustellen Holzhausers die physisch stärkere und auch defensivere Variante. Kvilitaia war die Speerspitze der Hütteldorfer, während Louis Schaub als hängende Spitze im 3-5-2-System agierte. Auch Schaub hätte die Rolle des Holzhauser-Verfolgers einnehmen können, um Kvilitaia für offensive Aufgaben zu entlasten. Allerdings ist der 22-Jährige körperlich schwächer und auch zumeist im selben Tempo unterwegs. Schaubs Rolle war demnach eher, Bälle durch Verschleppen zu sichern, wenn die Austria im Aufbau einen Fehler machte. Gegen schwächere Gegner könnte aber auch die hängende Spitze zum Leibgendarm für den abkippenden Sechser und/oder Spielgestalter des Gegners werden.

Joelinton braucht noch mehr Cleverness

Eine Schlüsselrolle nahm zudem der Brasilianer Joelinton ein, der im zentralen Mittelfeld weitsichtig die Fäden zog und von der Physis von Schwab und Grahovac tatkräftig unterstützt wurde. Allerdings impliziert die neue Position Joelintons auch, dass er mehr Fouls macht. Resultat daraus war eine gelb-rote Karte, die Rapid am Ende das Genick brach. Bei aller spielerischen Übersicht am Ball muss Joelinton noch lernen, cleverer gegen den Ball und den jeweiligen Gegenspieler zu agieren. Ansonsten wird dies nicht sein letzter Ausschluss bleiben. Im Mittelfeld macht man naturgemäß „andere“ Fouls als in der Spitze.

Asymmetrie an den Flügeln

Auch die asymmetrische Flügelausrichtung sorgte für Aufsehen. Auf der rechten Seite rückte Mario Pavelic immer wieder auf die Halbposition ein, wurde des Öfteren vom starken Stephan Auer hinterlaufen, wenn dieser die Dreierkette verließ. Anders sah dies auf der linken Seite aus: Christopher Dibon war eher mit „Abschmieren“ beschäftigt, während vor allem Schwab aus der Zentrale hinausrückte, um Andreas Kuen zu unterstützen.

Enorm viele Flankenversuche

Dieser wiederum prägte im Laufe der Partie ein weiteres neues Stilmittel, nämlich die Suche nach zahlreichen Flankenmöglichkeiten. Früher wurde bei Rapid in Handball-Manier am Sechzehner entlang gespielt oder die Grundlinie gesucht, wenn man am Flügel in Ballbesitz war. Im Derby versuchte Kuen so viele Flanken wie möglich zu schlagen, teilweise auch schon aus dem Halbfeld. Dadurch sollte Kvilitaia gefüttert werden, Schaub gegebenenfalls auf den zweiten Ball gehen. Die zu wenig zielgerichtete Suche nach dem Zielspieler war im Herbst eines der größten Probleme Rapids. Zu wenige konkrete Abschlüsse innerhalb der Box sorgten dafür, dass Rapid häufig ungefährlich blieb. Gegen die Austria ging das Flankenkonzept weitgehend nicht auf, aber die eine perfekte Flanke auf Kvilitaias Kopf reichte, um das 1:0 zu markieren. Gegen schwächere Gegner sollte die Frequenz dieser Flankenversuche ansteigen und wenn dann auch noch die Präzision höher wird, kann Rapid künftig mit Sicherheit mehr Torchancen kreieren.

Abwehrriegel statt Ausspielen

Die Hütteldorfer machten vieles richtig, waren taktisch gut auf die Austria eingestellt, verfielen in der Schlussphase aber in Nervosität. Das größte Problem war die fehlende Entlastung. Ballgewinne gegen die in Überzahl anlaufende Austria wurden nicht gesichert, Rapid begann auszuputzen. Das kann natürlich mit dem nötigen Quäntchen Glück gut gehen und niemand fragt mehr danach, wie man die Schlussphase überstand. Allerdings belohnte sich die Austria, die bis dahin kaum ein Durchkommen fand, für ihre Konsequenz und erzielte den späten Ausgleich durch Rotpuller. Rapid hätte dem entgegenwirken können, indem man trotz Unterzahl versucht hätte, den Ballbesitz in höhere Feldpositionen zu verlagern und den Ball dort vorsichtig zirkulieren zu lassen. Stattdessen gab man jeden Ball direkt der Austria zurück und wartete auf deren nächsten Angriff.

Nervosität als Grund für die „Ausputztaktik“

Es ging um viel, das war gerade in der Schlussphase sichtbar. Rapid verkrampfte, ob der prekären Situation, in der man sich befand. Würde die Mannschaft nicht derart mit dem Rücken zur Wand stehen, hätte man die Austria wohl auch zu zehnt in Schach halten bzw. systematischer vom eigenen Tor fernhalten können. Nichts desto trotz sollte die Leistung der Grün-Weißen den Fans Hoffnung geben, auch weil der Einsatz über weite Strecken absolut passte. Klar ist aber auch, dass die beiden Partien vor dem Schlager gegen Salzburg – Admira zu Hause und Wolfsberg auswärts – durch Rotpullers späten Lucky Punch zu absoluten Pflichtsiegen mutierten.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Florian Riepl

    WolfsbUrg… so schnell steigt man auf in die deutsche Bundesliga… 😉