Heute vor 30 Jahren feierte die lebende Milan-Legende als 16-Jähriger sein Debüt in der Serie A. Mit 647 Serie-A Spielen ist er noch immer...
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AC Milan - Logo, WappenHeute vor 30 Jahren feierte die lebende Milan-Legende als 16-Jähriger sein Debüt in der Serie A. Mit 647 Serie-A Spielen ist er noch immer unumstrittener Rekordspieler der höchsten italienischen Liga. Außerdem trug er 126-mal das Trikot seines Landes. In seiner Jugend- und Profikarriere spielte der Verteidiger 31 Jahre lang ausschließlich für den AC Mailand. Obwohl er im Jahr 2009 seine große Karriere beendet hat, blicken wir noch einmal mittels „Legendencheck zum Jubiläum“ auf den Spielertypen, Menschen sowie auf die beeindruckende Karriere des Paolo Maldini zurück.

Die Anfänge einer langen Karriere der Rekorde

Im zarten Alter von 16 Jahren debütierte die künftige Milan-Legende für seinen Verein. Vom damaligen schwedischen Trainer Nils Liedholm, ein ehemaliger Teamkollege seines Vaters Cesare, wurde der junge Maldini am 20. Jänner 1985 gegen Udinese sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen.

Obwohl dies der einige Einsatz in dieser Saison bleiben sollte und der gelernte Innenverteidiger in dieser Zeit sich meist wieder in Milans zweiter Elf, der Primavera, wiederfand, war dies der Startschuss zu einer einzigartigen Karriere. Denn schon in der darauffolgenden Saison wurde der junge Defensivspieler dauerhaft in die Profimannschaft beordert – und wurde dort auf Anhieb zum Stammspieler.

In der schon damals erfolgreichen Mannschaft der Mailänder reifte und lernte der 17-Jährige sein „Handwerk“ unter den damaligen internationalen Verteidigergrößen wie Mauro Tassotti, Franco Baresi oder Alessandro Costacurta. Zu Beginn seiner Karriere kam er auch vermehrt als linker Manndecker zum Einsatz, obwohl er heutzutage als Innenverteidiger bekannt ist. Seinen ersten großen Titel gewann Maldini 1988, als er mit den Rossoneri die italienische Meisterschaft holte und kurz darauf der Gewinn des italienischen Supercups folgte.

Debüt in der Squadra Azzurra und erste Internationale Titel

Ebenfalls im Jahre 1988 feierte der der junge Defensivspieler in Split gegen Jugoslawien sein Debüt in der italienischen Nationalmannschaft. Auch auf Klubebene stellten sich die internationalen Erfolge ein. Mit dem Erfolg in der heutigen Champions League, damals noch der Europapokal der Landesmeister, konnte in der Saison 1988/89 der erste internationale Titel errungen werden. Im Jahr darauf konnte der Titel in der Königsklasse sogar verteidigt werden. Letzten Endes reichte es für Maldini und Co. sogar zum Gewinn des Weltpokals, in dem man Atlético Nacional besiegte. Zudem bekam er in dieser Zeit auch seine weltbekannte Trikotnummer 3. Diese darf seit seinem Karriereende beim AC Mailand nicht mehr vergeben werden, es sei denn, sein Sohn tritt in seine Fußstapfen und wird, wie Paolos Vater Cesare, ebenfalls Milan-Profi.

Aus dem Schatten Baresis – Aufstieg zum Kapitän

Maldini brillierte weiter und feierte Erfolge am laufenden Band. Das Karriereende des Chef-Dirigenten der Mailänder Defensivabteilung Franco Baresi hatte auch Auswirkung auf die weitere Laufbahn von Paolo Maldini. Anfangs verlor er ein wenig seine Souveränität, musste sich neu orientieren und Verantwortung übernehmen. Er erbte die Kapitänsbinde Baresis beim AC Milan und auch in der italienischen Nationalmannschaft. Doch wie die gesamte Mannschaft spürte auch Maldini das Fehlen des alten Meisters, dessen Einfluss enorm gewesen war, und musste sich gleichzeitig an die Position des Innenverteidigers gewöhnen. Paolo Maldinis Stern drohte in einer zu dieser Zeit schwächelnden Milan-Mannschaft zu sinken. Doch es kam zur Wende: Alberto Zaccheroni übernahm den Trainerposten und führte die Dreierkette beim AC Milan ein. Maldini und das gesamte Team stiegen wie Phönix aus der Asche und gewannen einen weiteren Meistertitel in Italien. Der inzwischen 30-Jährige setzte sich in der Folge endgültig im Abwehrzentrum durch, wo er durch sein hervorragendes Stellungsspiel Maßstäbe setzen sollte.

Seine Erfolge – Seine Rekorde

Während Ihm der große Coup mit der Nationalmannschaft Italiens verwehrt blieb und er zweimal knapp scheiterte (Vizeweltmeister 1994 und Vizeeuropameister 2000) sucht die Titelsammlung auf Klubebene des heute 46-Jährigen ihresgleichen. Insgesamt siebenmal konnte er die italienische Meisterschaft gewinnen, ebenso oft den italienischen Supercup sowie einmal den italienischen Pokal. International folgten in der Champions League bzw. im Europapokal der Landesmeister insgesamt fünf Titelgewinne. Zusätzlich wurde unter der Mithilfe Maldinis der UEFA Super Cup fünfmal, sowie der Weltpokal zweimal nach Mailand geholt.

Auch persönliche Auszeichnungen blieben dem Ausnahmefußballer nicht verwehrt. Vizeweltfussballer 1995, Einberufungen ins WM All-Star Team 1990 und 1994 und eine Bestellung in die WM-Elf des Jahrhunderts sind einige der zahlreichen Einzelauszeichnungen in seiner Karriere.

Neben den vielen Titeln und Auszeichnungen stand der Name Maldini vor allem für Rekorde. Sein Abschiedsspiel in der Serie A gab er zugleich mit seinem 902. Pflichtspiel für den AC Mailand und dem 647. Ligaspiel (jeweils Klub-Rekorde) gegen den AC Florenz. Maldini brachte es auf 126 Länderspiele, davon 74 als Kapitän und war lange Zeit Rekordnationalspieler Italiens, bevor er von Fabio Cannavaro (136) entthront wurde. Seine Karriere beendete er 40-jährig im Sommer 2009. Dass er selbst in seiner letzten Saison mit 40 Jahren noch Stammspieler bei einem internationalen Topklub war, spiegelt den Ehrgeiz und die Qualität Maldinis wider.

Der Spieler und Mensch Paolo Maldini

Die italienische Legende verkörperte den eleganten, technisch versierten Verteidiger. Fairness gegenüber seinen Mitspielern war sein Credo und unnötige Härteeinlagen suchte man bei Maldini vergeblich. Stets kam der gebürtige Mailänder ohne viele Karten aus. Ein hohes taktisches Verständnis, herausragendes Stellungsspiel sowie gute Antizipation ergänzten das Profil des Ausnahmekönners.

Abseits des Platzes gab sich der bescheidene Gentleman stets zurückhaltend und nahm nicht nur innerhalb des Vereins eine starke Vorbildwirkung ein. Diese Charaktereigenschaften honorierten auch die Tifosi des Erzrivalen Inter Mailand. Kurz vor seinem Rücktritt kam es zu einer unerwarteten Szene: Bei seinem letzten Derby gegen Inter Mailand ehrten ihn sogar die Tifosi des Erzrivalen mit Ovationen.

Eine beeindruckende Karriere, die vor genau 30 Jahren seinen Anfang nahm. Man darf gespannt sein ob wie sein Vater Cesare, oder Paolos Söhne, die bereits im Milan-Nachwuchs kicken, die „Maldini-Erfolgsgeschichte“ beim AC Milan und in Italien weiterschreiben.

Stefan Zauner, abseits.at

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Stefan Zauner