Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika war der absolute Höhepunkt in der Karriere des Arne Friedrich. Der damals 31-Jährige galt lange Zeit als Stammkraft auf... Vom Bankdrücker zum Matchwinner – macht Hummels den Friedrich?

Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika war der absolute Höhepunkt in der Karriere des Arne Friedrich. Der damals 31-Jährige galt lange Zeit als Stammkraft auf der Rechtsverteidigerposition des DFB-Teams, ehe er aufgrund des Positionswechsel von Kapitän Lahm nach rechts in die Innenverteidigung rutschte. Jogis Löws Entscheidung sorgte zunächst für Kopfschütteln, doch Friedrich überraschte mit einem überragenden Turnier. Zwei Jahre später könnte Mats Hummels eine ähnliche Geschichte schreiben.

Auf dem ersten Blick sind zwischen dem Dortmunder und dem aktuellen MLS-Legionär nur wenige Parallelen zu erkennen. Friedrich stieg damals mit seinem Klub, Hertha BSC, aus der Bundesliga ab, Hummels holte soeben das Double. Friedrich war selbst beim Absteiger nicht unumstritten, Hummels gilt als derzeit bester Innenverteidiger der Bundesliga, selbst damals sahen viele den 23-Jährigen eher im Teamkader. Und dennoch war bereits nach der Kaderbekanntgabe klar, dass Friedrich als Stammspieler in die Endrunde ging. Hummels hingegen erfuhr erst in der Nacht vorm Spiel, dass er definitiv bei der Nationalhymne auf dem Spielfeld stehen wird.

In der Bundesliga überragend, international ein Wackelkandidat

Hummels‘ Problem ist, dass er die erstklassigen Leistungen aus der Bundesliga nicht über die deutschen Grenzen hinaus konservieren kann. Hält er auf nationaler Ebene den schwarzgelben Defensivverbund zusammen, patzte der Abwehrspieler sowohl in der Champions League als auch im Teamdress. Dass es für ihn mit dem Adler auf der Brust bisher nicht lief, lag zu einem Großteil daran, dass die Spielphilosophie von Jogi Löw eine andere ist als jene von Jürgen Klopp. In Dortmund ist Hummels der geheime Spielmacher, der den Takt mit hohen Vertikalpässen aus extrem tiefer Position vorgibt oder selbst mal zum Sololauf ansetzt. In der Nationalelf hingegen soll er das Leder schnell und flach auf den nächstgelegenen Sechser weiterspielen. Mittlerweile hat er das verinnerlicht, wie er kürzlich in einem Interview versicherte.

Dominanz in der Statistik

Dass Hummels in dieser Hinsicht Fortschritte gemacht hat, war im Spiel gegen Portugal unverkennbar. Zwar unterlief ihm in der Anfangsphase der eine oder andere Flüchtigkeitsfehler, der Medienprofi behielt aber eine kühlen Kopf und lieferte eine „Man of the Match“-Performance ab. Mit 95 Ballkontakten distanzierte er den Zweitplatzierten Khedira (68) in dieser Wertung um Längen. Auch die meisten Pässe des Spiels gehen auf das Konto von Hummels – 72 Zuspiele zeigte er, Genauigkeit: 89%. Weitere Statistiken, die der torgefährliche Verteidiger anführt: Interceptions und Clearances. Grätschen, das Hummels übrigens auch perfekt getimt beherrscht, ist der letzte Ausweg im Kampf um den Ball, daher sind beides wichtige Anforderungen an den modernen Innenverteidiger.

Hummels adaptiert BVB-Spielweise

Zwar sieht es Löw nicht gerne, dass Hummels das Spiel genauso anlegt wie beim amtierenden deutschen Meister, im EM-Auftaktspiel sorgte er damit aber für einige gefährliche Szenen. Da die zentralen Mittelfeldspieler von ihren portugiesischen Pendants aus dem Spiel genommen wurden, drang er ein ums andere Mal mit dem Ball vor und fädelte so geschickt Angriffe ein. Auch lange Bälle streute er ein, so viel erfolgreiche wie kein anderer Spieler am Feld. In der Raumaufteilung agierte Hummels ebenfalls extrem stark und harmonierte mit Nebenmann Badstuber perfekt. Beide klärten in der Schlussphase im letzten Moment, hatten so jeweils einen gewichtigen Anteil am deutschen Erfolg. Nachdem sein ehemaliger Bayern-Klubkollege seinen Stammplatz sicher hat, dürfte sich Hummels mit dem gestrigen Spiel auch eine dauerhafte Anstellung gesichert haben.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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