Red Bull Salzburg konnte das Spitzenspiel der Runde gegen den bisherigen Tabellenführer Sturm Graz klar und souverän mit 5:0 gewinnen. Die Charakteristik und Struktur... Analyse: Salzburg löst Sturm nach 5:0 als Tabellenführer ab

Red Bull Salzburg konnte das Spitzenspiel der Runde gegen den bisherigen Tabellenführer Sturm Graz klar und souverän mit 5:0 gewinnen. Die Charakteristik und Struktur des Spiels wurde dabei wesentlich vom Spielverlauf geprägt. Der frühe Gegentreffer und der Ausschluss von Christian Schulz nach 35 Minuten sollten den Matchplan von Franco Foda relativ schnell über den Haufen werfen. Salzburg kontrollierte daraufhin mit gewohnten Strukturen und Rhythmen Ball und Gegner und ließ dank eines sehr griffigen Gegenpressings den Grazern auch in Unterzahl keine Umschaltsituationen zu.

Die folgende Analyse greift die einzelnen Abschnitte der wechselhaften ersten Halbzeit noch einmal etwas genauer auf.

Grundordnungen und Personal

Vor Spielbeginn hatten sowohl Marco Rose als auch Franco Foda keine großen Überraschungen bezüglich taktischen Grundordnungen und deren personellen Zusammensetzung parat.

Marco Rose griff nach der Systemumstellung gegen St. Pölten wieder auf sein gewohntes 4-1-3-2 mit Raute im Mittelfeld zurück.

In der Innenverteidigung musste Paulo Miranda durch Marin Pongracic ersetzt werden. Ansonsten formierte sich die Viererkette vor Torhüter Walke wie gewohnt. Dauerbrenner Caleta-Car gab neben Pongracic den linken Innenverteidiger, die Außenverteidigerpositionen bekleideten wie gewohnt Stefan Lainer auf rechts und Andreas Ulmer auf der linken Seite.

Auch auf der so wichtigen Sechserposition im Bullen-Konstrukt musste Rose eine personelle Änderung vornehmen. Krankheitsbedingt konnte Samassekou nicht auflaufen, ihn ersetzte Youngster Xaver Schlager auf dieser Position, der vor allem im Gegenpressing gegen Sturm seine überdurchschnittlichen Qualitäten eindrucksvoll zeigen konnte.

Die Achterpositionen vor Schlager besetzten Valon Berisha auf halblinks und Reinhold Yabo auf halbrechts, der sich wie schon beim ersten Aufeinandertreffen in Graz bei eigenem Ballbesitz sehr weit am rechten Flügel positionierte.

Auch in der Sturmlinie gab es bei den Salzburgern keine Überraschungen. Hannes Wolf kam wieder auf der Zehn zum Einsatz, Dabbur und Gulbrandsen gaben die beweglichen und ausweichenden Sturmspitzen.

Neo-Teamchef Foda schickte seine Grazer wieder in der gewohnten 3-4-3/5-4-1-Grundordnung auf das Feld, nachdem er in seinem ersten Länderspiel gegen Uruguay auf ein 4-4-2 bzw. 4-2-3-1 zurückgriff.

Vor Torhüter Siebenhandl bestand das zentrale Abwehrtrio wieder aus Koch, Maresic und Kapitän Schulz. Die Wing-Back-Positionen auf den Flügeln besetzten Hierländer auf rechts und Lykogiannis auf links. Sechser James Jeggo bekam nach seinen Reisestrapazen mit dem australischen Nationalteam eine Pause und wurde von Allrounder Potzmann ersetzt, der auf dieser Position in der bisherigen Saison schon sehr starke Vorstellungen ablieferte. Neben ihm bekleidete Peter Zulj die zweite zentrale Mittelfeldposition im Spiel der Blackies. Gleich wie bei Salzburg gab es auch bei den Grazern (zu Spielbeginn) keine Wechsel bei den vordersten drei Akteuren. So kam Röcher wieder über die linke Seite, Huspek über rechts und Alar positionierte sich im Sturmzentrum.

Allerdings musste bereits nach 15 Minuten Philipp Huspek verletzungsbedingt vom Platz. Für ihn kam Sandi Lovric in die Partie und damit einhergehend auch zwei weitere personelle Rochaden. Lovric sortierte sich auf der Sechs neben Zulj ein, Potzmann ging dafür auf die Position des rechten Flügelverteidigers und Stefan Hierländer rückte von dieser Position eine Linie nach vorne und ersetzte damit Huspek. Foda kam dabei bereits nach einer Viertelstunde die Vielseitigkeit von Spielern wie Hierländer und Potzmann zugute, um einen solch schwerwiegenden Ausfall (vor allem gegen Salzburg) halbwegs ausgleichen zu können. Die rote Karte von Schulz sollte weitere Umstellungen notwendig machen.

Sturm geht mit defensiven Fokus in das Spitzenspiel

Bei der ersten geordneten Aufbausituation im Spiel der Salzburger war recht deutlich zu erkennen, mit welcher Ausrichtung und mit welchem Plan die Mannschaft von Franco Foda das Spiel angehen wollte. Defensive Stabilität und ein gewisses Herauslocken der Salzburger für eigene Umschaltaktionen standen dabei wohl ganz oben auf dem Matchplan.

Dafür positionierten sich die Grazer mit ihrem 5-4-1-Block tief in der eigenen Hälfte und ließen den Salzburger Innenverteidigern beim Aufbau jede Menge Zeit und Raum. Ähnlich wie beim 1:0-Sieg in Graz wollte man wieder die zentralen Zonen und den Zwischenlinienraum kompakt verteidigen, um die Salzburger in ihren gewohnten Angriffszonen nicht zur Geltung kommen zu lassen. In den ersten Minuten sah dies auch wieder ganz ordentlich aus. Die Dynamik im Spiel war hoch, man verwickelte die Salzburger in viele enge Zweikampfsituationen und die ballführenden Spieler bekamen äußerst wenig Zeit. Dadurch entstand vor allem zu Beginn ein Spiel mit vielen Ballbesitzwechseln und potentiellen Gegenpressing-Situationen.

Die Strukturen beider Mannschaften bis zum Ausschluss von Schulz nach 35 Minuten.

Die Salzburger waren auf eine solche Herangehensweise vermutlich schon eingestellt und wirkten bezüglich Positionsfindung, Passrhythmus und Gegenpressing bzw. dessen Absicherung gut vorbereitet.

Die Verbindungen zwischen den Spielern waren dabei eigentlich so wie immer in der Rose-Raute. Interessant war die Position bei eigenem Ballbesitz von Reinhold Yabo, der sich von seiner Achter-Position häufig sehr weit rechts auf den Flügel fallen ließ und sich dort zwischen den Linien der Grazer für die Innenverteidiger bzw. für Verlagerungen von der linken bzw. halblinken Seite anbot. Er ging einige Male auch von dieser Position hinter die letzte Linie von Sturm, meistens nach Kombinationen über die Außenverteidiger und dem entgegenkommenden Gulbrandsen oder Wolf. Solche diagonalen Pässe der Außenverteidiger in den Zwischenlinienraum mit anschließenden Schnittstellenpässen hinter die Abwehrlinie des Gegners sieht man häufig als Angriffsvariante bei den Bullen.

Auf der linken Seite übernahm Dabbur diesen Part. Er positionierte sich konstant im Raum zwischen Koch und Potzmann und band dadurch immer zwei Spieler. Dies ermöglichte ein effektiveres Nachrücken von Ulmer sowie etwas mehr Platz für Achter Berisha. Zudem ist Dabbur mit seiner Ballsicherheit und Robustheit immer eine sehr gute vertikale Anspieloption und verhilft dadurch der gesamten Mannschaften ein besseres Nachrücken und bessere Positionen für ein sofortiges Gegenpressing. In der Passmap sieht man auch gut, dass sich die Salzburger bei ihren Angriffen hauptsächlich auf diese linke Seite konzentrierten. Diese Qualitäten von Dabbur sind neben seiner Torgefahr ungemein wertvoll für die Salzburger Mannschaft.

Aber wie bereits in der Einleitung erwähnt, war Sturm zu Beginn gut in der Partie und es war eine unglückliche Standardsituation, die den ersten Gegentreffer herbeiführte und den Spielverlauf zum ersten Mal in eine neue Richtung lenken sollte.

Sturm gewinnt nach dem Gegentor mehr Spielkontrolle

Aber die Grazer ließen sich zuerst von diesem frühen Gegentreffer nicht sonderlich aus der Bahn werfen. In dieser zweiten Phase nach dem Gegentreffer und vor dem Ausschluss kontrollierten sie sogar das Spielgeschehen mit mehr Ballbesitz und ließen die Bullen laufen. Einige Pressingsituationen im Mittelfeld konnten mit guten Verlagerungen aufgelöst werden, allerdings fehlte bereits zu diesem Zeitpunkt in der Regel die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Der verletzungsbedingte Wechsel von Huspek tat in dieser Phase natürlich besonders weh, ist doch er ein Spieler, der mit seiner Schnelligkeit 1 gegen 1 Situationen sucht und diese auch gewinnen kann.

Trotzdem gelangen in der geordneten 3-4-3-Ordnung längere Ballbesitzphasen und durchaus gefällige Kombinationen. Man versuchte sich vom Angriffspressing der Salzburger nicht einschüchtern zu lassen und baute das Spiel nach wie vor flach aus der Abwehr heraus auf. Wie so oft in der Saison war es Peter Zulj, der mit seiner Passqualität und Pressingresistenz das Spiel in geordnete Bahnen lenken konnte und ein paar Angriffe einleiten konnte. Aber wie bereits beschrieben, fehlten den Blackies die Durchschlagskraft und auch der Mut im letzten Drittel, um zu qualitativ guten Torchancen zu kommen.

In der Grafik ist grob die Spielcharakteristik nach dem Führungstreffer der Salzburger und vor dem Ausschluss von Schulz zu erkennen. Sturm Graz versuchte in der gewohnten Raumaufteilung das Spiel besser unter Kontrolle zu bekommen. Ebenfalls zu sehen ist das Angriffspressing der Salzburger, mit dem man die Grazer nicht in ihren gewohnten Rhythmus kommen lassen wollte.

In dieser Phase waren auch einige Male die Mechanismen im Salzburger Angriffspressing zu sehen. Durch die Dreierkette von Sturm im Aufbau gab es recht klare Zuordnungen in der ersten Pressinglinie von Salzburg. Hannes Wolf positionierte sich dafür wieder im gegnerischen Sechserraum, schob aus dieser Zone immer wieder nach vorne und attackierte den ballführenden Maresic. Mit seinen Bewegungen nahm er dabei in der Regel einen der beiden Sechser von Sturm in seinen Deckungsschatten. Um den zweiten Sechser kümmerte sich Xaver Schlager, der situativ von seiner Sechserposition weit nach vorne rückte und den freien Sechser neben Wolf übernahm. Dadurch war die Geschlossenheit des Salzburger Pressingsystems gewährleistet und die Intensität konnte hochgehalten werden. Durch diese Bewegungen im Pressing war Schlager oft höher positioniert als die beiden Achter.
Die Achter wiederum bleiben in der ersten Pressingphase in den Halbräumen und attackieren dann bei einem Pass auf die gegnerischen Außen- bzw. Flügelverteidiger aggressiv hinaus.

Meist kommt dort für den ballführenden Gegenspieler ein solcher Zeit-, Raum- und Gegnerdruck zustande, dass ihm nur noch ein unkontrollierter weiter Ball übrig bleibt. Oft war dort auch für Sturm Graz Endstation, auch wenn sie ansonsten solche Situationen extrem gut lösen können. Dies spricht auch für die Intensität des Salzburger Pressings.

Salzburgs Gegenpressing erdrückt Sturm in Unterzahl

Ließen die beiden ersten Phasen in Halbzeit eins noch auf ein halbwegs ausgeglichenes Spitzenspiel hoffen, war der Ausschluss von Christian Schulz und der anschließende 0:2-Rückstand der endgültige Wendepunkt in dieser Partie. Spätestens nach dem dritten Treffer der Salzburger war das Spiel gelaufen und die Charakteristik des Spiels sollte sich auch bis zum Ende nicht mehr wesentlich verändern.

Franco Foda stellte nach dem Ausschluss wie schon gegen Altach (damals wurde Lovric ausgeschlossen) auf ein sehr tiefes und passives 4-4-1 um. Die Marschroute war ähnlich klar wie zu Spielbeginn: Die Räume vor dem eigenem Tor mit zwei Viererketten möglichst eng machen und Schadensbegrenzung betreiben. Alles andere wäre an diesem Tag auch vermessen gewesen.

Diese Systemumstellung war auch wieder mit einigen Personalrochaden verbunden. Lykogiannis rückte in die Innenverteidigung neben Maresic, Koch ging auf die rechte Abwehrseite. Mit dem Wechsel auf die linke Seite wechselte Marvin Potzmann bereits zum zweiten Mal in diesem Spiel seine Position. Zulj und Lovric bildeten im Mittelfeld das Sechser-Duo und die beiden Außen Röcher und Hierländer fügten sich ebenso flach in das Mittelfeldband ein. Solospitze Alar sah in diesem Konstrukt praktisch überhaupt keinen Ball mehr.

Das Spiel nach dem Ausschluss von Schulz in der 35. Minute.

Diese tiefe und passive Ausrichtung in Verbindung mit mangelnden Optionen im Umschaltspiel war natürlich ein gefundenes Fressen für das Salzburger Gegenpressing. Sie schufen durch die engen Abstände der Spieler im eigenen Ballbesitz die passenden Voraussetzungen und konnten nach einem Ballverlust (von denen es in der zweiten Halbzeit doch relativ viele gab) aggressiv und kollektiv in das Gegenpressing übergehen. Das Gegenpressing in Verbindung mit einer soliden Restverteidigung war mit Sicherheit der Hauptgrund, warum das Spiel überhaupt keine Spannung mehr aufnehmen konnte. Nicht einmal eine halbwegs vernünftige Abschlussaktion war für die Steirer drin.

In dieser Tonart plätscherte das Spiel bis zum Schluss hin, ehe Dabbur mit einem Doppelpack für noch klarere Verhältnisse sorgte.

Fazit

Man sollte dieser Begegnung und diesem Ergebnis nicht allzu viel Bedeutung beimessen, sowohl von Salzburger wie auch von Grazer Seite. Salzburg war nicht so gut und Sturm nicht so schwach wie das Ergebnis vermuten lässt, auch wenn der Sieg für die Salzburger natürlich völlig in Ordnung geht. Der Spielverlauf hat diese Partie tatsächlich entscheidend beeinflusst, angefangen vom frühen Gegentreffer nach einer Standartsituation über die Verletzung von Huspek samt Umstellungen bis hin zur roten Karte für Schulz, die das Spiel endgültig entschied.

Vermutlich ist es für die Grazer gar nicht so schwer, eine derartige Pleite zu verarbeiten. Einfach auch deshalb, weil so viele Dinge gegen sie gelaufen sind, welche in jeder anderen Partie schlichtweg nicht vorkommen. Zuhause gegen den LASK ist ihnen eine sofortige Antwort auf jeden Fall zuzutrauen.

Auch Red Bull Salzburg hat in der kommenden Woche zweimal die Chance, die eigenen Grenzen weiter nach oben zu verschieben. Am Donnerstag kann gegen Guimaraes der Aufstieg in der Europa League fixiert werden, am Sonntag wartet dann ein extrem heißes Spiel im Allianz Stadion gegen die wieder erstarkten Rapidler.

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank

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