Auswärts in Salzburg ist es für keine Mannschaft der Liga eine leichte Aufgabe, einen Punkt zu holen. Der Wolfsberger AC stand nun vor dieser... Ketten- und Linienspiel als Sargnagel für den WAC: Bewegliche Salzburger siegen locker mit 4:1!

Auswärts in Salzburg ist es für keine Mannschaft der Liga eine leichte Aufgabe, einen Punkt zu holen. Der Wolfsberger AC stand nun vor dieser Herausforderung und hatte zwar einige interessante Ideen, doch scheiterte letztlich an der Umsetzung – sowie an einer starken Leistung des Titelfavoriten. Diese erzielten nicht nur vier Tore, sondern konnten sich mit elf Schüssen auf das Tor (der WAC hatte nur deren drei) sogar noch ein bisschen Kritik gefallen lassen, wieso der Sieg nicht höher ausfiel.

Die Aufstellung der Bullen

Der Gastgeber in Wals-Siezenheim begann einmal mehr in einem 4-3-3-System, in welchem nun Martin Hinteregger hinter Christoph Leitgeb agierte, welcher mit Valon Berisha eine Art Doppelacht bildete. Dabei fungierte Leitgeb eher als Ballzirkulator, während Berisha sich verstärkt an vorderster Front an den Angriffen mitbeteiligte. Dieser schaltete sich immer wieder als zusätzliche Anspieloption für die offensive Dreierreihe im letzten Spielfelddrittel  mit ein, wo er sich an den Räumen um Jonathan Soriano orientierte.

Dadurch unterstützte er die beiden Flügelstürmer Sadio Mane und Kevin Kampl, welche durch Kombinationen mit Valon Berisha oder dank der aufrückenden Außenverteidiger mehrmals gefährlich zum Tor ziehen konnten. Die Abwehrreihe wurde von Franky Schiemer neben Isaac Vorsah in der Innenverteidigung gebildet, auf den Außen wurde die Kette von Andreas Ulmer auf links und Florian Klein auf rechts komplettiert.

Die Ausrichtung des WAC

Die Gäste traten in einem 4-1-4-1 an, mit welchem sie das Mittelfeld verdichten wollten. Die Idee war es, dass man einen Stürmer opferte, um im Zentrum kompakter zu stehen und durch Konter gefährlich werden wollte. Es gab zwar vereinzelte gute Angriffe auf diese Art und Weise, sie waren jedoch rar gesät und den Bullen wurde zu viel Raum im Pressing überlassen, was diese Idee ineffektiv machte.

Die Salzburger hatten deswegen eine Raum- und Ballüberlegenheit, mit welcher sie ein schnelles Kombinationsspiel bei viel Ballbesitz aufziehen konnten, welches neunzig Minuten lang gefährlich war. Die offensive Doppelacht des WAC mit David de Paula und Michael Liendl verschlimmerte die Lage, da beide nur selten Zugriff auf die beweglichen Offensivspieler der Hausherren erhielten. Es wurden viele Lücken geöffnet, welche Michele Polverino niemals stopfen konnte und dadurch die Schnittstellen in der Abwehr des WAC einfach bespielt wurden. Auch Sandro Zarkany und Manuel Kerhe auf den offensiven Flügeln hatten kaum nennenswerte Offensivaktionen, diese kamen erst nach der Vielzahl an Wechseln in der Schlussphase.

Red Bull Salzburgs Erfolgsgeheimnis: beweglich, dynamisch und mit Tiefensprints

Das interessanteste an diesem Spiel war die enorme Flexibilität und Bewegung bei den Angriffen der Gastgeber. Die Offensivspieler bewegten sich relativ frei, insbesondere Mane und Kampl konnten ihre Positionen auf den Flügeln verlassen und sich in die Mitte orientierten. Nennenswert dabei ist, dass dies auch geschah, wenn sie nicht von den Außenverteidigern hinterlaufen wurden.

Ein dadurch entstehender Nachteil ist natürlich die mangelnde Breite, allerdings muss hierbei relativiert werden: im letzten Spielfelddrittel ist das Spielfeld meist so eng, dass eine Spielverlagerung auf den ballfernen Spieler sehr schwer ist, dazu ein großes Risiko wegen der aufgefächerten Formation mit sich bringt. Bei Erfolg wird natürlich ein neuer Angriff aufgebaut, welcher aber oftmals wieder vor die gleichen Probleme gestellt wird wie ersterer, teilweise sogar noch stärker. Ein gutes Beispiel dürften die Champions-League-Rückspiele zwischen Chelsea und Barcelona oder auch gegen InterMailand aus dem Jahre 2010 sein.

Die Salzburger begeben sich aber durch diese situative mangelnde Breite gar nicht in dieses Terrain, sondern nutzen die technische Stärke ihrer Spieler und die enorme Bewegung, um trotz dieser Enge zu Angriffen zu kommen. Dies war gegen den WAC der Fall, wo viele Chancen durch Tiefensprints erspielt wurden.

Dazu muss gesagt werden, dass dies nicht gegen jeden Gegner funktioniert. Der WAC hatte nämlich einige anfällige Aspekte in ihrer taktischen Disziplin, welche für diese Niederlage hauptverantwortlich waren.

Das Ketten- und Linienspiel als Schwachstelle

Ein großer Nachteil war das schwache Linien- und Kettenspiel. Bei Herausrücken eines Spielers aus der Kette wurden die Schnittstellen zu groß, weil die Abstimmung beim horizontalen Nachschieben fehlte. Dies sorgte für viele Lochpässe der Salzburger in den Lauf ihrer einrückenden Flügelstürmer, welche durch die Bewegung einen Sichtfeld- und Geschwindigkeitsvorteil besaßen.

Um dagegen vorzugehen, hätte es einer passenden Abseitsfalle gebraucht. Diese aber wurde nur unzureichend bespielt, immer wieder blieb einer der Verteidiger zu tief stehen, wodurch die Bullen zu Chancen kamen und diese beim ersten Treffer auch nutzten. Zwar stellte der WAC die Angreifer des Gegners öfters ins Abseits, doch dieses riskante Herausrücken war letztlich doch ein Schuss in den Ofen – wenn man fünf Mal einen Gegner ins Abseits stellt, dieser aber dennoch über zwanzig Mal zum Abschluss kommt, davon gefühlte zehn Mal gefährlich, muss eine Taktik überdacht werden.

Diese Niederlage hatte sich somit schon im Defensivverhalten des WAC angedeutet, welche auch in anderen Bereichen oftmals zu schwach war, unter anderem in der Arbeit gegen den Ball.

Das Abwehr- und Mittelfeldpressing ohne Intensität

Ein wiederkehrender Fehler des 4-1-4-1 war die mangelnde Bedrängung der Salzburger Offensivspieler im letzten Drittel. Diese bespielten die Räume um Polverino sehr gut und obwohl der WAC die Räume eng machte, konnten die Salzburger kombinieren. Dies lag auch daran, dass die körperliche Bedrängung (neben der taktischen durch die durchaus vorhandene Kompaktheit) fehlte.

Vereinfacht gesagt: sie erhielten zwar Zugriff auf den Gegner, nutzten diese aber nicht – sie gingen schlicht nicht mit der nötigen Dynamik in die Zweikämpfe. Dies sorgte für die nötige Zeit am Ball für Berisha und Co., welche dank dieser freier Nachdenkphasen in Ballbesitz Angriffe instruieren, einleiten und zu Ende spielen konnten.

Fazit

Ein gutes Spiel der Salzburger, welche sich viel bewegten, schnell kombinierten und dennoch fast 60% Ballbesitz hatten. In diese Form ist es sehr schwer gegen sie zu spielen, wobei der WAC sich letztlich auch etwas zahnlos präsentierte. Die Pressingintervalle nach vorne, mit denen sie ein paar gute Chancen erzwingen konnten, waren zwar sehenswert, aber es fehlte an der Quantität.

Zu jeder solchen guten Pressingaktion auf die gegnerischen Innenverteidiger kamen längere Phasen im Spielgeschehen, wo sie im Mittelfeld wenige Bälle eroberten und behaupteten. In weiterer Folge dominierte Red Bull trotz der gelegentlichen Konter der Gäste das Spielgeschehen und gewann souverän wie verdient.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric