Der SK Rapid kommt zu Hause gegen Admira Wacker Mödling über ein 0:0 nicht hinaus. Vielleicht sollte man sogar eher resümieren, dass die Admira... Rapid verzweifelt, Admira taktisch perfekt: Die Gründe für das gestrige 0:0 im Hanappi-Stadion

Der SK Rapid kommt zu Hause gegen Admira Wacker Mödling über ein 0:0 nicht hinaus. Vielleicht sollte man sogar eher resümieren, dass die Admira über ein 0:0 im Hanappi-Stadion nicht hinauskam, denn spielerisch und taktisch hätte sich die Admira einen Sieg verdient. Die Ideenlosigkeit Rapids war nicht etwa einem seltsamen Spielverlauf oder personellen Problemen gedankt, sondern einem sehr guten Gegner, der in diesem Spiel nur eine Sache falsch machte.

Peter Schöttel bot alles auf, was ihm zur Verfügung stand – und das war gar nicht wenig. Terrence Boyd als Solospitze, dahinter eine Achse mit Burgstaller, Hofmann und Alar, die personell betrachtet als High-End in der tipp3 Bundesliga zu bezeichnen ist. Noch dazu, wo all diese Spieler eine steigende Formkurve aufweisen. Das defensive Mittelfeld war Geschmackssache, aber mit dem zuletzt aufstrebenden Ildiz und dem wieder solideren Heikkinen Rapids Bestbesetzung. Und auch die Viererkette erstrahlte in voller Blüte: Katzer und Trimmel auf gewohnt offensiv ausgerichteten Grundpositionen, die üblicherweise bombensicheren Sonnleitner und Gerson als Innenverteidiger.

Admiras Startelf wirkte wie „B-Elf“

Sah man vor dem Spiel die Grundformation Rapids und warf dann einen Blick auf die als B-Elf anmutende Admira-Mannschaft, musste man nicht lange überlegen, wie diese Partie verlaufen würde. Rapid war vor dem Spiel klarer Favorit und musste aus logischen Gründen nach Bekanntwerden der Mannschaftsaufstellungen noch stärker favorisiert werden. Admira-Coach Didi Kühbauer ließ zum Beispiel Patrik Jezek auf der Bank, brachte überraschend Thorsten Schick.

Thürauer und Schrott kleine Überraschungen

Patrick Mevoungou war verletzt, wodurch im defensiven Mittelfeld eine Änderung hermusste. Es kam aber nicht der mit einem größeren Bewegungsradius ausgestattete Daniel Toth, sondern Lukas Thürauer. Das Mittelfeld erwies sich zudem in seinen Bewegungsabläufen verändert – dazu später mehr. In der Innenverteidigung verzichtete Kühbauer auf Drescher und ließ den „Turm“ Peter Pöllhuber, sowie den giftigen Andreas Schrott beginnen.

Weg vom 4-4-2, hin zu einer enorm modernen Mittelfeldstaffelung

Die Admira ist allgemein für ihr gutes Umschaltspiel bekannt, die Formation ist für gewöhnlich als 4-4-2 zu beschreiben. Letzteres war gestern anders. Schick und Sabitzer waren für die Flügel zuständig und mit Schachner, Thürauer und Schwab – nominell ein Angreifer – spielten auf der Zentralachse gleich drei Akteure Box-to-Box. Einzig Ouedraogo fungierte als echte Spitze und wurde nach dem Vorbild englischen Nachwuchsfußballs immer wieder in die Räume geschickt, wo er gegen Gerson zwar nie die großen Stiche machte, aber durch seine Dynamik immer wieder die grün-weiße Hintermannschaft beschäftigen konnte.

Tolle Staffelung, starke gruppentaktische Bindung zu äußeren Mittelfeldspielern

Einer der Gründe warum Rapid nie ein Mittel fand, auf spielerischem Weg durch die Mitte zu kommen war der, dass ebendiese drei agilen Mittelfeldspieler clever gestaffelt im Raum standen und auf den üblichen Rapid-Passwegen einen Irrgarten kreierten. Mit einfachen Pässen kam man praktisch nie durch – es mussten zahlreiche Diagonalbälle oder Bälle in die Spitze her. Und die sind naturgemäß schwerer zu spielen. Schick und Sabitzer mussten sich auf der Zentralachse nicht zu sehr aufopfern, sondern schoben in Rückwärtsbewegung leicht nach innen, um die Halbpositionen zuzumachen. Entschloss sich Rapid über einen Flügelangriff mussten die beiden nur wenige Schritte nach außen schieben und wurden gleich durch einen der zentralen Mittelfeldspieler unterstützt. Rapid konnte so am Flügel nie Überzahlsituationen schaffen – und das ist im modernen Fußball tödlich.

Rapid verfängt sich im Admira-Netz

Rapid musste dadurch viel in die Breite spielen, auf Chancen warten. Doch da sich die Admiraner im Raum stets gut bewegten, konnte man durch Laufspiel ohne Ball nie wirklich Räume öffnen. Eine optische spielerische Planlosigkeit war die Folge. Markant: Rapid opferte sich auf, spielte viele kurze Pässe, kam aber scheinbar nie weiter, verfing sich im Admira-Netz, das 30 – 40 Meter vor deren Tor aufgebaut wurde. Die Admira hingegen kam schnörkellos mit zwei bis drei Pässen bis an den Rapid-Strafraum. Wunderte man sich zuerst über die Startelf der Admira, wurde das Konzept schnell deutlicher: Man spielte mit den Spielern, die sich im Umschaltspiel „richtiger“ verhalten, als andere, die auf der Bank Platz nehmen mussten. Und auch Rapids Spieler, die eben nicht immer gut von Offensive auf Defensive umschalteten, wurden durch dieses Konzept überrascht.

Rapids Offensive bewegt sich weg vom Spielaufbau, statt entgegen zu gehen

Ein weiteres Problem bestand darin, dass sich Steffen Hofmann die Bälle von seinen Innenverteidigern holen musste. Heikkinen schert sich meistens nicht viel um kreativen Spielaufbau und Muhammed Ildiz war in diesem Spiel total fehlplatziert. Ob dies so gewollt war oder sich im Laufe des Spiels so ergab, ist unklar. Wir vermuten Zweites. Heikkinen versuchte sich wesentlich mehr Bälle zu holen als Ildiz, der dies normalerweise als zentrale Anspielstelle zwischen den breit gestaffelten Innenverteidigern macht. Nur konnte der Finne sie kaum verarbeiten und auch Hofmann fand wenige Anspielstationen vor, weil sich die offensiveren Spieler allesamt vom aufbauenden Spieler wegbewegten, anstatt sich konsequent anzubieten. Ildiz inklusive. In unserer Grafik wird das Spiel gerade von ganz hinten aufgebaut – Hofmann orientiert sich am ehesten zu den ballführenden Innenverteidigern.

Admira defensiv im kompakten 4-1-4-1

Das Bild, das sich dadurch ergab, war spielentscheidend. Bei Rapid klaffte im Spielaufbau immer wieder ein großes Loch in der Tiefe und die Admira platzierte sich so, wie es für die Südstädter eigentlich untypisch ist: In einem sehr kompakten 4-1-4-1 nach russischem Vorbild, in dem Bernhard Schachner den Dirigenten spielte. Inmitten von neun diszipliniert verteidigenden Spielern fanden sich nun einige wenige Grün-Weiße, die nach Räumen suchten, zumeist aber keine fanden, den Ball verloren und sich gegen eine Admira-Mannschaft, die aufgrund ihrer Kompaktheit mit großer Leichtigkeit auf Offensive umschalten konnte, nun auch defensiv sehr schwer taten. In unserer Grafik hat Hofmann bereits den Ball und ist im Begriff das Spiel aufzubauen.  Diesmal haben wir die grundlegende Abwehrstellung der Admira eingefügt, um die Kompaktheit des Auswärtsteams zu demonstrieren.

Kontroverse Spielerwechsel in der zweiten Halbzeit

In der Schlussphase war die Verwunderung der Fans über Schöttels Spielerwechsel nicht zu überhören. Zuerst kam Grozurek für Boyd (67.), wonach Alar auf die Position der Solospitze rückte. Ein Wechsel, von dem man nicht das Gefühl hatte, dass er Grundlegendes am Spiel der Hütteldorfer ändern würde. Dann kam Kulovits für Ildiz (81.), der zwar schwach war, aber im Spielaufbau immer noch hellere Momente haben könnte als Kulovits. Im Sinne eines möglichen Lucky Punch, vielleicht auch durch einen Weitschuss oder Freistoß, ein fragwürdiger Wechsel. Zu guter Letzt kam der talentierte Kristijan Dobras – und zwar für niemand Geringeren als Steffen Hofmann (85.). Ein Wechsel, den – so sich Hofmann nicht verletzte – niemand verstand. In einer Schnittpartie wie dieser, ein sehr gewagtes Unterfangen. Am Ende des Tages muss man auch über Rapids Kaderplanung sprechen, denn gerade in einer Partie wie dieser, wäre ein Stürmer der Marke Nuhiu in der Schlussphase Gold wert gewesen. Über einen solchen Spieler verfügt Rapid aber nicht und so agierte man erst gar nicht mit langen Bällen. Es hätte ohnehin keine Abnehmer gegeben. Eine kleine dauerhafte Schwachstelle des Rekordmeisters in der Saison 2012/13.

Einziger Schönheitsfehler: Die Admira traf nicht…

Wieso die Admira trotz ihrer starken Defensivstaffelung, guten Umschaltspiels, schnörkellosen Passspiels bis zum gegnerischen Sechzehner und den vielen gewonnenen Bällen auf der Zentralachse im Mittelfeld nicht gewann, ist schnell erklärt: Die Abschlüsse passten nicht. Die Südstädter hatten Rapid auswärts im Griff, erarbeiteten und erspielten sich mehr konkrete Torchancen als der Tabellenzweite und scheiterten zumeist am eigenen Unvermögen oder an Unkonzentriertheit. Was für die Südstädter nach einer taktisch nahezu perfekten Partie enorm bitter ist. Mit einer Solospitze wie Philipp Hosiner – heute für die Austria in Mattersburg im Einsatz – wäre dieses Match womöglich sogar ein voller Erfolg geworden.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen