Am Samstagabend gastierte der SK Sturm Graz in Wals-Siezenheim und wollte die 32 Spiele andauernde Serie ohne Niederlage von Red Bull Salzburg brechen. Dabei... Sieg dank Ilsanker-Tor: Sturm hält Salzburgs Gegenpressingwellen aber lange stand

Roger Schmidt - Red Bull SalzburgAm Samstagabend gastierte der SK Sturm Graz in Wals-Siezenheim und wollte die 32 Spiele andauernde Serie ohne Niederlage von Red Bull Salzburg brechen. Dabei traten sie sehr engagiert auf, hatten allerdings nur eine klare Torchance. Die Salzburger waren das dominante Team, konnten dies aber nicht in Tore ummünzen. Erst ein Tor von Stefan Ilsanker sorgte für den verdienten Sieg.

Ein Ballbesitzanteil von 58 Prozent sowie 25:7 Torschüsse zugunsten der Salzburger verdeutlichen, wie einseitig diese Partie war. Allerdings verschossen sie in der ersten Halbzeit einen Elfmeter und bissen sich an den defensiven Grazern lange die Zähne aus. So ist es letztlich logisch, dass das entscheidende Tor nach einer Standardsituation fiel und nicht von einem der begnadeten Offensivspieler erzielt wurde.

Red Bull fehlen zwei Schlüsselspieler

Aufseiten der Salzburger fehlten mit Jonathan Soriano und Sadio Mane zwei Schlüsselspieler. Der Spanier – derzeit mit zwölf Saisontoren Führender der Torschützenliste – agiert im 4-4-2 zwar auf dem Papier als Stürmer, bindet sich aber immer wieder in das Aufbauspiel mit ein. Ersetzt wurde der angeschlagene Kapitän von Valon Berisha, der im Cup gegen Kapfenberg mit zwei Toren und zwei Assists groß aufspielte. Der Norweger spielte noch einen Tick tiefer, wodurch die Grundordnung der Salzburger am ehesten als 4-4-1-1 aufzufassen war.

Mane fehlte aufgrund einer Gelbsperre, was wegen des zu erwartenden tiefstehenden Gegners durchaus Probleme mit sich brachte. Der Senegalese gilt als einer der besten Individualisten und Dribbler in der Liga und schoss sein Team gegen Grödig alleine zum Sieg. Sein Ersatzmann, Dusan Svento, ist weniger variabel. Der Slowake ist ein zuverlässiger Kollektiv- und Kombinationsspieler, jedoch ohne Überraschungseffekte. So liefen die meisten und gefährlichsten Angriffe über die rechte Seite.

Vorsichtige Grazer

Sturms Trainer Darko Milanic setzte auf das gewohnte 4-4-2, formierte sein Team aber sehr tief. Dadurch hatten vor allem die beiden Angreifer der Bullen Probleme ins Spiel zu kommen. Alan wurde situativ in Manndeckung genommen – meist von Nikola Vujadinovic – und Berisha konnte seine Stärken im Zwischenlinien kaum ausspielen, da dieser von den beiden defensive Viererketten äußerst eng gemacht wurde. Nur vier seiner 19 Zweikämpfe konnte er gewinnen. Probleme gab es jedoch auf den Seiten, wo das Zusammenspiel zwischen Außenverteidiger und Flügelspieler nicht immer stimmte.

Das Sturmduo bildeten Robert Beric und Daniel Beichler. Da sich die beiden aber in relativ großem Abstand zur restlichen Mannschaft positionierten, konnten sie kaum Akzente setzen und standen in den wenigen Offensivaktionen, die Sturm hatte, gegen die physisch starke Red Bull-Innenverteidigung (71% gewonnene Zweikämpfe) auf verlorenem Posten.

Kampl als Dreh- und Angelpunkt

Im Offensivspiel ragte aufseiten der Salzburger einmal mehr Kevin Kampl heraus. Der Slowene begann zwar nominell auf dem rechten Flügel, sein Zuständigkeitsbereich erstreckte sich aber über weite Teile des Platzes. Aufgrund seines Einrückens diagonal nach hinten ergaben sich immer wieder Zuteilungsschwierigkeiten zwischen den Grazern. Christian Klem verfolgte Kampl nicht immer konsequent übernahm aber auch nicht den aufrückenden Christian Schwegler, da dies gemäß Zuordnung die Aufgab des linken Mittelfeldspielers war. So hatte man gegenüber dem Schweizer zwar eine Überzahl, allerdings spielt dieser offensiv in den Plänen der Salzburger keine große Rolle.

Da die beiden Sechser meist blockiert waren – zum einen vom zurückstoßenden Berisha, zum anderen vom nach vorne rückenden Christoph Leitgeb – konnte Kampl aus dem Halbraum immer wieder zu Vertikalläufen ansetzen. In hohem Tempo und mit dem Ball am Fuß ist er dann kaum noch zu bremsen. Zwei solcher Szenen sieht man im obigen Video. Nach Abpfiff standen beim 23-Jährigen 72 Ballkontakte und vier Torschussvorlagen zu Buche – für einen Flügelspieler außerordentlich gute Werte.

Gegenpressing lässt Sturm nicht atmen

Sturm reagierte auf diese Aktionen – wie bereits in einem früheren Aufeinandertreffen – zwar nicht besonders schön, dafür aber effektiv. Die taktische Ordnung konnten die Grazer unter dem enormen Druck nicht mehr aufrechterhalten, jedoch gelang es ihnen, im entscheidenden Moment doch noch einen Fuß an den Ball zu bekommen und die Gefahr vorübergehend abzuwenden. Allerdings hielten die Bullen danach den Druck weiter hoch.

Verantwortlich dafür war das schnelle Umschalten ins Gegenpressing. Die ballnahen Spieler attackierten umgehend den Gegner und dahinter rückten vor allem die beiden Sechser immer schnell auf, sicherten die erste Pressingreihe entsprechend ab. Da Sturms Angriffsduo weit vorne stand, konnten diese den Ball umgehend wieder in die gefährliche Zone bringen. Dem Gegner wurde also keine Verschnaufpause gegönnt. Für beide Szenarien ist im obigen Video je ein Beispiel angeführt.

Aufbäumen währt nur kurz

Die Leidtragenden davon waren vor allem die Spieler der Grazer Viererkette – insbesondere die beiden Innenverteidiger, die kaum Zeit hatten ihre Pässe vorzubereiten. So waren die Passerfolgsquoten von Vujadinovic (60%) und Michael Madl (29%) zur Halbzeit äußerst schlecht. Nach dem Seitenwechsel versuchten sie sich anstatt mit blinden Befreiungsschlägen aus der Umklammerung des Gegners heraus zu kombinieren. Mit dieser Strategie hatten sie zu Beginn der zweiten Halbzeit auch ihre beste Phase.

Allerdings währte dieses Aufbäumen nur kurz, denn die Salzburger intensivierten den Druck auf den Gegner. So rückte in einzelnen Szenen sogar ein Innenverteidiger als Absicherung tief in die gegnerische Hälfte auf. Mit dieser Sicherheit im Rücken konnte vor allem Ilsanker seinen Schwerpunkt im Ballbesitzspiel nach vorne verlagern. So leitete er mit einem Fernschuss und einem Vertikalpass im Anschluss an den darauf folgenden Einwurf den Eckstoß, der zum Tor führte, selbst entscheidend ein.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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