Ob Gerald Baumgartner, Michael Baur oder Oliver Glasner – die österreichische Bundesliga wird von jungen „Konzepttrainern“, die das hohe Verteidigen sowie das frühe, aggressive... Flach spielen, hoch verteidigen: Ivo Istuk renoviert den TSV Hartberg

TSV Hartberg Logo, WappenOb Gerald Baumgartner, Michael Baur oder Oliver Glasner – die österreichische Bundesliga wird von jungen „Konzepttrainern“, die das hohe Verteidigen sowie das frühe, aggressive Pressing zelebrieren, erobert. Dass es dazu weder die höchste Spielklasse noch einen jungen Trainer benötigt, beweist der TSV Hartberg, der für ihn taktisch innovative Wege bestreitet.

Es war der 19. Juni 2014. Überraschend wurde die Trennung von Bruno Friesenbichler, der die Hartberger in der vergangenen Saison betreute und nun Sportdirektor werden soll, bekannt gegeben und als sein Nachfolger Ivo Istuk bekannt gegeben. Ein 60-jähriger Bosnier, der auf seinen Fotos nicht unbedingt eine Anstellung als Fußballtrainer vermuten lässt und dessen einziger Bezug zu Österreich zwei Spiele als Trainer von Siroki Brijeg gegen die Wiener Austria im Juli 2010 (Hinspiel in Wien 2:2, Rückspiel in Bosnien 0:1) sind. Es hätte wohl logischere und auch einfachere Trainerbestellungen für die Steirer gegeben. Doch in Hartberg entschied man sich für den mutigeren Weg, der nicht nur ein neues Gesicht auf der Trainerbank, sondern auch eine gänzlich neue Spielanlage bedeuten wird.

Stationen in Kroatien und Bosnien

Istuk startete seine Trainerlaufbahn 2007 beim bosnischen Erstligisten NK Celik Zenica, wo er nach knapp eineinhalb Jahren zum Sportdirektorposten wechselte. Es folgten Stationen beim kroatischen NK Imotski, abermals Celik Zenica, eben Siroki Brijeg, dem kroatischen HNK Rijeka und zuletzt im Frühjahr 2013 beim bosnischen Zweitligisten NK Bosna Visoko. Seit einem Jahr war der 60-Jährige, der zwischendurch auch Fuad Muzurovic als Co-Trainer des bosnischen Nationalteams zur Seite stand, arbeitslos, ehe er nun fußballerisch gesehen erstmals Bosnien-Herzegowina sowie Kroatien verlässt und beim TSV Hartberg anheuert.

Ein Remis gegen Sturm Graz

Mittlerweile ist Istuk aber nicht nur sein Markenzeichen, seinen Schnauzbart, los, sondern auch die anfänglichen Hemmungen mit der Mannschaft. Nach der 1:2-Niederlage gegen die Admira folgte am Freitag-Abend vor immerhin knapp 500 Zusehern das zweite Testspiel der neuen Saison. Der SK Sturm gastierte in Hartberg und tat sich gegen die Hausherren schwer. Beim letztendlichen 1:1-Remis, für welches Friesenbichler und Beichler sorgten, war die neue Spielanlage des TSV bereits zu erkennen. Durch die erst sehr junge Vorbereitung klappte im Offensivspiel vieles noch nicht und blieben Torchancen für die Hartberger eher Mangelware, viel entscheidender waren allerdings die taktischen Erkenntnisse.

Geduldiges Kurzpassspiel und frühes Pressing

Ganz im Gegensatz zu den Grazern, die sich auf hohe Bälle beschränkten, versuchten die Oststeirer hinten flach herauszuspielen und den Spielaufbau über mehrere Stationen mit flachem Passspiel etappenweise zu gestalten. Noch signifikanter war allerdings das frühe, aggressive Pressing des TSV. Solospitze Günther Friesenbichler, mit seinen 1,93m Körpergröße nicht nur optisch noch ein Fremdkörper im neuen Offensivkonzept, ist dabei der erste Verteidiger und angehalten bereits die Viererkette des Gegners zu attackieren, wofür ihm die beiden offensiven Flügelspieler des 4-2-3-1-Systems zur Hilfe kommen. So kam die Sturm-Abwehr nie zum flachen Herausspielen und probierte es vor allem mit hohen Bällen, was mit Djuricin und Beric, sowie später Beichler im Angriff wenig zielführend ist. Selbst einmal in Ballbesitz, legte der TSV dies ganz anders an und versuchte es mit gepflegtem Kurzpassspiel, was Sturm, die mehr verschoben als pressten, nicht schwer machte. Selbst in Bedrängnis versuchte die Defensive der Hartberger allerdings den flachen Pass, was zwar nicht immer aufging, aber eine optisch angenehmere Alternative zum Grazer „Ausputzen“ war. War einmal ein hoher Ball nötig, ließ Friesenbichler diesen abtropfen, zum Beispiel auf den auffälligsten Hartberger: Daniel Gremsl. Der 21-Jährige machte am linken Flügel gehörig Dampf und ließ Sturms Außenverteidiger Sharifi vor allem dank seiner ausgezeichneten Technik und Spritzigkeit mehrmals aussteigen. Mit dem 19-jährigen Oliver Pranjic, den Ex-Innsbruckern Thomas Löffler und Alexander Fröschl sowie Routinier David Sencar, alle soeben neu verpflichtet, könnte er zu einem Schlüsselspieler der kommenden Saison werden.

Was ist 14/15 möglich?

Gemeinsam mit dem FC Liefering, dem LASK und Austria Lustenau ist es dem TSV Hartberg zuzutrauen die immer attraktiver werdende zweite Bundesliga auch spielerisch auf ein neues Level zu heben. Ivo Istuk ist ein neuer, unbekannter Name in der Oststeiermark. Er wird die Zuseher nicht mit seinem Namen oder seinen Erfolgen ins Stadion locken, sehr wohl aber mit seiner Idee Fußball zu spielen. Das Hartberger Kurzpassspiel und das aggressive Offensivpressing machte bereits im zweiten Testspiel Spaß zum Ansehen. Wird auch noch die Genauigkeit im Spielaufbau und die Passquote im letzten Spielfelddrittel („letzter Pass“) verbessert, ist dem TSV in der Saison 14/15 mehr als der vergangene achte Platz zuzutrauen.

Einen weiteren Vorgeschmack gibt es am Dienstag, 8. Juli, wenn ein gewisser Zlatan Ibrahimovic den Hartberger Rasen betritt. Um 18:30 Uhr gastiert Paris St. Germain beim TSV – Karten gibt es um moderate Preise auch online.

Pascal Günsberg, abseits.at

Pascal Günsberg

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