Bayern schwächelt weiter, Dortmund kann durch die Niederlage gegen starke Leverkusener aber kein Kapital aus dem Remis des Rekordmeisters gegen Köln schlagen. Der „Effzeh“... Der sechste Spieltag in Deutschland: Schalke kann doch noch gewinnen

FC Schalke 04 - Wappen mit Farben_abseits.atBayern schwächelt weiter, Dortmund kann durch die Niederlage gegen starke Leverkusener aber kein Kapital aus dem Remis des Rekordmeisters gegen Köln schlagen. Der „Effzeh“ ist neben Hertha weiterhin die Überraschung der Saison. Im Tabellenkeller gelingt Schalke ein Befreiungsschlag. Das war der 6. Spieltag der deutschen Bundesliga.

Bayer mit starker Defensivleistung

Dortmund erwischte nach den letzten, an Highlights nicht armen Wochen gegen Leverkusen einen gebrauchten Tag. Nach vorne klappte fast nichts, hinten taten sich die bereits bekannten Lücken auf, wodurch man Bayer zu Kontern regelrecht einlud. Einen davon spielte die Werkself dann auch mustergültig zu Ende, als durch Chicharito in der 79. Minute das 2:0 und die endgültige Entscheidung fiel. Allein mit der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive ist diese Niederlage des BVBs jedoch nicht zu erklären. Damit würde man letztendlich der defensiven Leistung von Leverkusen nicht gerecht werden.

So giftig und konsequent in den Zweikämpfen wie gegen Dortmund präsentierte sich die Mannschaft von Roger Schmidt in dieser Saison selten. Insgesamt 34 Mal erkämpften sich die Leverkusener per Tackling den Ball, die Schwarz-Gelben hingegen nur dürftige 11 Mal. Zudem gewann Bayer 57 Prozent ihrer Kopfballduelle. Das Pressing funktionierte ebenfalls hervorragend und so gelang es immer wieder den Dortmunder Spielaufbau über Julian Weigl, dem meist die beiden Bayer–Stürmer Chicharito und Admir Mehmedi auf den Füßen standen, entscheidend zu stören. Der Schweizer war dann auch für das 1:0, nach einer Ecke von Hakan Calhanoglu, verantwortlich. Gerade der Türke lieferte mit zwei Assists eine starke Leistung ab. Der Dortmunder Offensive fehlte, trotz fast 70 Prozent Ballbesitz, an diesem Samstagabend einfach die zündende Idee, um die disziplinierte Bayer-Defensive ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Lobend erwähnt werden dabei muss auch Kevin Kampl, der keinem Zweikampf aus dem Weg ging. Am Ende war der Sieg absolut verdient.

Schalke nutzt Gladbacher Defensiv-Blackouts

Sie können es also doch noch! Mit einem deutlichen 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach gelang Schalke der lang ersehnte Befreiungsschlag. In der ersten Halbzeit wirkten die Knappen noch ängstlich und vor allem darauf bedacht, gegen die starke Gladbacher Offensive erstmal kein Tor zu kassieren. Da sich auch die Fohlen nicht sonderlich gewillt zeigten, im Angriff den Blau-Weißen irgendwie gefährlich werden zu wollen, entwickelte sich eine eher zähe Partie.

Gladbach-Trainer Andre Schubert nahm zur Halbzeit Verteidiger Jannik Vestergaard raus und wollte wohl mit der Einwechslung von Lars Stindl für mehr Impulse in der Offensive sorgen. Im Nachhinein betrachtet ging dieser Schachzug eher nach hinten los. Zwar versuchte die Borussia das Spiel zu Beginn der zweiten Hälfte unter ihre Kontrolle zu bringen, die folgende Schalker Explosion im Angriff machte der Elf vom Niederrhein aber einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Erst sorgte Eric Maxim Choupo-Mouting mit einem – unberechtigten – Foulelfmeter für die 1:0-Führung in der 52. Minute. Danach gelangen Breel Embolo und Leon Goretzka innerhalb von zwei Minuten zwei weiterer Treffer. Insgesamt brauchte Schalke für die Tore nur ganze sechs Minuten. Die Gladbacher Defensive wirkte in dieser kurzen Zeit wie von allen guten Geistern verlassen und half bei den Toren tatkräftig mit. Nach dem 3:0 war die Partie dann entschieden. Nach einem erneuten Patzer von Andreas Christensen und Keeper Yann Sommer gelang Embolo sogar noch das 4:0. Der 19-jährige Schweizer schoss sich, wie die gesamte Schalker Mannschaft, damit den Frust der letzten Wochen von der Seele. Gladbach bleibt auswärts weiterhin sieglos.

Köln holt einen Punkt in München

Vorm traditionellen „Wiesn-Gang“ sorgte das 1:1 gegen den 1. FC Köln für lange Gesichter beim FC Bayern. Natürlich war auch dieses Spiel gegen bissige und, aufgrund der Ergebnisse der letzten Woche, selbstbewusste Kölner keine spielerische Offenbarung. Nach der verdienten Niederlage in der Champions League unter der Woche gegen Atletico Madrid war dieses Remis sogar die zweite sieglose Partie in Folge. Dem deutschen Rekordmeister nun aber gleich eine veritable Krise andichten zu wollen, geht bei 16 von möglichen 18 geholten Punkten und Tabellenplatz eins aber doch etwas zu weit.

Dass die Bayern einen Sonderstatus in der Berichterstattung „genießen“, ist ja aber nicht erst in der Guardiola-Ära Usus geworden. Bereits unter dem Katalanen wurde jedes Spiel, das man nicht mit fünf Toren Unterschied gewann, zum sportlichen Weltuntergang hochgejazzt. Trotzdem wird immer offensichtlicher, wie instabil das bajuwarische Gebilde unter Ancelotti taktisch noch agiert. Der Mannschaft von Peter Stöger boten sich immer wieder Räume, die sie auch konsequent in gefährliche Aktionen ummünzen konnten. Ansonsten zeigten sich die Bayern spielerisch mit beispielsweise 27 Schüssen zwar überlegen, letztendlich gingen von diesen aber nur 3 direkt auf das Tor von Timo Horn. Im Zweikampf präsentierte sich der Effzeh aggressiver und hatte kurz vor Schluss durch Simon Zoller sogar noch die Riesenchance zum Sieg. Für die Tore waren auf Seite des FC Bayern der neue Goalgetter Joshua Kimmich, bei Köln Anthony Modeste verantwortlich.

Short Notes:

Individuelle Klasse entscheidend für Leipziger Sieg: Wohl dem, der in der Offensive Spieler wie Emil Forsberg, Timo Werner oder Yussuf Poulsen zur Verfügung hat. Gegner Augsburg hielt bei der 1:2-Niederlage in Leipzig zwar lange Zeit gut mit, musste sich schlussendlich jedoch der Klasse vom Angriff der Sachsen geschlagen geben. Der Schwede Forsberg brachte seine Mannschaft früh in Führung. Der Südkoreaner Chi glich für die Oberschwaben mit einem Traumtor aber postwendend aus. Schließlich brachte eine tolle Einzelleistung Poulsen den Treffer zum entscheidenden 2:1.

Hamburg verliert auch das fünfte Spiel in Folge: Der erhoffte positive Effekt durch den Trainerwechsel blieb für den HSV in der Partie gegen Hertha vorerst aus. Die Hamburger zeigten sich zwar engagiert, wobei fehlendes Engagement unter Ex-Trainer Bruno Labbadia nicht der entscheidende Faktor war. Vielmehr bereitet auch unter Gisdol das Kreieren von gefährlichen Offensivaktionen arge Probleme. Auch in Berlin präsentierten sich die Norddeutschen im Angriff viel zu harmlos. Hertha hingegen agierte im gegnerischen Strafraum beim 2:0-Erfolg erneut effizient und durchschlagskräftig. Beide Tore für die Berliner erzielte Kapitän Vedad Ibisevic.

Munteres Remis in Darmstadt: Fußballerisch war das 2:2 zwischen Darmstadt und Bremen sicherlich keine Offenbarung, aber sehr intensiv und vor allem spannend. Nachdem die Lilien in der ersten Halbzeit überzeugen konnten und durch einen Elfmeter von Antonio-Mirko Colak mit einer 1:0-Führung in die Pause gingen, gehörte die zweite Hälfte den Bremern. Abwehrspieler Lamine Sane erzielte den frühen Ausgleich in der 51. Minute, Serge Gnabry drehte das Spiel mit seinem zweiten Saisontor dann komplett zu Gunsten von Werder. Der Darmstädter Colak sorgte nach einer Vorlage vom starken Jerome Gondorf für das schlussendlich verdiente Endergebnis.

Freiburg siegt erneut zu Hause: Der Aufsteiger bleibt im Schwarzwaldstadion weiterhin eine Macht. Mit dem 1:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt ist das Team von Trainer-Rumpelstilzchen Christian Streich auch im dritten Heimspiel in Folge siegreich und bleibt mit neun Punkten vorerst im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. Dort befindet sich auch die Eintracht, die in diesem Spiel nur durch eine überharte Gangart auffiel, welche Streich an der Seitenlinie immer wieder in Rage versetzte. Das Tor des Tages erzielte Vincenzo Grifo mit seinem ersten Saisontreffer.

Zahlen und Fakten zu den restlichen Partien

FC Ingolstadt 1:2 TSG 1899 Hoffenheim

Ingolstadt wartet saisonübergreifend bereits seit 11 Spielen auf einen Sieg. Die letzten 5 Spiele gingen zudem allesamt verloren.

Sandro Wagner traf in seinen beiden Bundesliga-Einsätzen gegen Ingolstadt je ein Mal, 2015/16 auch beim Darmstädter 2:0-Heimsieg.

Örjan Nyland blieb auch in seinem zwölften Bundesliga-Spiel nicht ohne Gegentor; und gewonnen hat der Norweger auch noch nie in der Bundesliga.

Hoffenheim blieb erstmals unter Julian Nagelsmann sechs Spiele in Folge ungeschlagen: In der Bundesliga-Historie von 1899 gab es nur zwei noch längere Erfolgsserien.

VfL Wolfsburg 0:0 FSV Mainz 05

Keine Heimmacht mehr: Erstmals unter Dieter Hecking blieb Wolfsburg in den ersten drei Heimspielen einer Saison sieglos.

Wolfsburg ist seit fünf Spieltagen sieglos und bleibt im unteren Tabellenbereich hängen.

Mainz holte in dieser Saison sieben der acht Punkte in Auswärtsspielen.

Erstmals in dieser Saison blieb ein Bundesliga-Spiel ohne jede Karte.

Für die Wölfe war es bereits das dritte torlose Unentschieden dieser Saison, kein Team spielte so oft 0:0 – damit lieferten die Wölfe in dieser Spielzeit schon genauso viele Nullnummern wie in den letzten vier Spielzeiten zusammen.

Party-Crasher des Spieltages

Anthony Modeste: Der Franzose verdarb dem FC Bayern mit seinem spektakulären Ausgleichstreffer vor dem Oktoberfestbesuch gehörig die Laune.

Ral, abseits.at