Die Kugel rollt in der 1. deutschen Bundesliga. Mit Spannung gilt es zu beobachten, ob es dem BVB, Schalke, Bayer 04 oder den „Wölfen“...

sc_paderbornDie Kugel rollt in der 1. deutschen Bundesliga. Mit Spannung gilt es zu beobachten, ob es dem BVB, Schalke, Bayer 04 oder den „Wölfen“ aus Wolfsburg gelingt, den Titelkampf offen(er) zu gestalten. Traditionell schwächeln die Bayern in Spielzeiten nach Weltmeisterschaften ein wenig. Welches Team mausert sich zur Überraschung der Saison 2014/15? Der Abstiegskampf verspricht ebenso hohen Unterhaltungswert und wird die eine oder andere dramatische Geschichte schreiben.

Vom Abstiegskandidaten No. 1 zum (zumindest kurzfristigen) Spitzenreiter

Nicht wenige prophezeiten Sensationsaufsteiger SC Paderborn 07 eine ähnlich traurige und tragische Saison, wie sie vor zwei Jahren die SpVgg Greuther Fürth durchlebte. Das Bundesliga-Intermezzo der „Kleeblätter“ dauerte gerade einmal eine Spielzeit, ohne einen einzigen Heimsieg errungen zu haben. Sang- und klanglos verabschiedete man sich sogleich wieder aus der höchsten Spielklasse.

Breitenreiter gibt die Richtung vor – eingeschworene Truppe folgt

Paderborn ist in der noch jungen Saison auf gutem Weg, dieses Horrorszenario abzuwenden, der erste Heimsieg wurde gestern gegen Hannover 96 verdientermaßen, inklusive Stoppelkamps Rekordtor aus 83 Meter Torentfernung eingefahren. Generell scheint die Breitenreiter-Elf zurzeit auf einer richtigen Erfolgswelle zu surfen, die No-Name-Truppe setzt die Vorgaben des Chefs bisweilen exzellent um und belohnt sich für die couragierten und mutigen Auftritte. Gegen Mainz brachte ein Hünemeier-Aussetzer den Aufsteiger in letzter Minute um den verdienten Auftakterfolg, den indisponierten HSV bezwang man auswärts dank einer abgebrühten und effizienten Teamleistung deutlich mit 3:0, zelebrierte tollen Konterfußball. Die Spieler scheinen ihrem Coach zu vertrauen, die Ärmel hochzukrempeln, Fußball, wenn es sein muss, auch zu arbeiten und zum Wohle des SC Paderborn an einem Strang zu ziehen.

Emsiges Arbeiten wird belohnt – Fokus auf großes Ziel gerichtet

Die Schwarz-Blauen sammeln fleißig Punkte, um letzten Endes das große Ziel vom Klassenerhalt, ungeachtet der Rolle als „krassester Außenseiter in der Geschichte der Bundesliga“ (O-Ton Breitenreiter) zu erreichen. Paderborn bietet nicht immer Zauberfußball und spielt die Gegner reihenweise an die Wand, wie die eher müde Darbietung gegen Köln belegt, doch selbst aus dieser spielerisch durchwachsenen Vorstellung schlug man clever Kapital. Die sattelfeste Defensive sicherte einen Punkt.

In einem Duell auf Augenhöhe mit den „96ern“ war doch deutlich zu sehen, dass der Aufsteiger mehr für den Erfolg investierte, diesen unbedingt wollte. Die Bemühungen wurden spät aber doch, nach einer einstudierten Freistoßvariante belohnt: Nachwuchsnationalstürmer Elias Kachunga besorgte nach Kopfballverlängerung von Kapitän Hünemeier in Richtung zweite Stange, die, in der mit 15.000 Zusehern erstmals komplett ausverkauften Benteler-Arena, frenetisch bejubelte Führung.

Sensationsaufsteiger gastiert in München – wird SCP auch für FCB zum Stolperstein?

Moritz Stoppelkamp setzte mit seinem sensationellen Treffer dem unglaublichen Saisonstart des Underdogs das Sahnehäubchen auf. Auch wenn sich so mancher verwundert die Augen reiben mag, es stimmt tatsächlich: am Dienstag kommt es in der englischen Woche zum Spitzenspiel: Paderborn fordert die Bayern. Nach diesem Saisonstart ist selbst ein sensationeller Punktezuwachs in München nicht gänzlich auszuschließen – es wäre ein weiterer kleiner, aber feiner Schritt in Richtung Klassenerhalt.

Hjulmands Plans geht voll auf – FSV überrascht BVB

Wer hätte das noch vor kurzem gedacht? Die „05er“ blamierten sich in der Europa League-Quali bis auf die Knochen, mussten in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Drittligist Chemnitz die Segel streichen und offenbarten ein ums andere Mal eklatante Defensivschwächen. Der dänische Neo-Coach Kasper Hjulmand galt für so manchen als heißer Anwärter auf eine rasche Entlassung. Nur wenige Wochen später steht ein Heimerfolg gegen von Ex-Mainz-Trainer Klopp betreute Borussen aus Dortmund zu Buche und der FSV hat beachtliche acht Punkte auf der Habenseite. Ermöglicht wurde dies durch eine glänzende Defensivleistung, angeführt von einem bärenstarken Julian Baumgartlinger, der sein Team erstmals als Kapitän aufs Feld führte, der nötigen Portion Glück und gnadenloser Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Der FSV überließ den Dortmundern weitestgehend die Spielkontrolle, versuchte sich nicht wirklich im Gegenpressing, spannte stattdessen ein engmaschiges Netz, erschwerte so das Vortragen von überfallsartigen Angriffen nach vorangegangenem Ballverlust. Der BVB erarbeitete sich trotz alldem einige hochkarätige Gelegenheiten, ließ aber entweder die letzte Konsequenz vermissen oder fand seinen Meister in Keeper Karius. Ramos und dem eingewechselten Mkhitaryan war zudem bei ihren Versuchen das Glück nicht hold, Aluminium stand einem Torerfolg im Weg. Immobile verschenkte die Riesenchance auf den Ausgleich leichtfertig, Karius avancierte mit dem gehaltenen Penalty endgültig zu einem der Väter des Sieges.

Alles in allem Glück, das sich die Mainzer hart erarbeiteten und letztlich trugen sie auch verdient den Sieg davon.

Jairo Samperio, gerade einmal sechs Minuten für Allagui im Spiel, behauptete nach Karius-Abschlag das Leder, der BVB eigentlich mit genügend Personal hinter dem Ball, jedoch dennoch unsortiert, kann die flache Hereingabe auf Okazaki, der in der Mitte vor allen anderen an die kommt und seinen bereits vierten Saisontreffer markiert, nicht verhindern (66.). Auch bei Ginters unglücklichem Eigentor hatte Samperio seine Füße entscheidend im Spiel. Hjulmand bewies also ein wahrlich goldenes Händchen.

Mainz‘ große Effektivität sorgt für überraschende, bravourös erkämpfte Punkte. Natürlich fehlten der Klopp-Elf verletzungsbedingt einige Kapazunder, doch das soll die hervorragende Mannschaftsleistung der Mainzer um keinen Deut schmälern.

Dem BVB im Mitteldrittel des Spielfeldes das Leben so schwer wie möglich gemacht, geduldig auf seine Chancen gewartet, die Nachlässigkeit des Gegners bestraft und den Favoriten zu Fall gebracht.

0:0 gegen Guardiolas Bayern – Der hsv lebt wieder

Vorne steht auch nach 360 Minuten weiterhin die Null, dennoch hat der neue Coach Joe Zinnbauer die kleine Sensation geschafft: der taumelnde HSV knöpft dem Starensemble des FC Bayern einen Punkt ab. Nach dem Last-Minute-Erfolg gegen Manchester City rotierte Guardiola, gönnte einigen Stars eine Pause. Alonso, Götze und Lewandowski nahmen vorerst auf der Bank Platz. Zinnbauer hatte seinem Team in der kurzen Zeit eine klar erkennbare defensive Grundausrichtung verordnet, träge und behäbig agierende Münchner fanden nur selten ein Durchkommen und sorgten lediglich sporadisch für echte Gefahr. Wenngleich die Hanseaten in Hälfte eins keinen einzigen Torschuss abgaben, bedachten die Fans die Vorstellung beim Gang in die Kabinen mit Applaus. In Anbetracht der letzten Zeit durchaus bemerkenswert und ein klares Indiz für die aufopferungsvolle, kämpferisch vorbildliche Leistung. Nach dem Wechsel traten die Bayern zielstrebiger auf, Drobny der erneut den Vorzug vor Adler erhielt, hielt die Null gemeinsam mit seinen wacker kämpfenden Vorderleuten fest. Offensivaktionen auf Seiten der „Rothosen“ blieben weiter Mangelware, Neuzugang Nicolai Müller hätte mit ein wenig mehr Präzision die Führung besorgen können.

Der HSV landete mit neuem Coach den Achtungserfolg gegen enttäuschende Bayern und zeigte sich defensiv stark verbessert. Doch Zinnbauer und sein Trainerstab sollten Vorsicht walten lassen; ein Auftakt nach Maß ist für einen neuen HSV-Übungsleiter nicht unbedingt als gutes Omen zu werten – sowohl van Marwijk als auch Slomka feierten früh klare Siege und scheiterten letztlich kläglich.

David Kühhas

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