Wie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselten Jan Rosenthal und Joselu zu Eintracht Frankfurt

Eintracht FrankfurtWie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

Eine Lösung für die Problemzone der Eintracht?

Die Position des Mittelstürmers war für Eintracht Frankfurt in der erfolgreichen vergangenen Saison die wohl einzige größere Problemzone. Olivier Occean war ein typischer Zweitligastürmer – körperlich stark, dadurch durchsetzungsfähig auf mittelhohem Niveau und athletisch. Doch ihm fehlte das taktische wie spielerische Gespür für den Fußball der Frankfurter, die sich insbesondere in der ersten Saisonhälfte auf einen ballbesitzorientierten Fußball konzentrierten.

Occean schaffte es nicht, dass er vorne Räume öffnete oder sich spielintelligent am Kombinationsspiel beteiligte, einzelne Ausreißer nach oben zeigten zwar sein Potenzial, doch es mangelte an Konstanz (ein Tor und eine Vorlage in 18 Einsätzen, 10mal davon in der Startelf). Die meisten Tore der Frankfurter erzielte folgerichtig auch Alexander Meier, mit beeindruckenden 16 Treffern in 31 Partien. Auf ihn folgten die Flügelstürmer Stefan Aigner (9 Tore) und Takashi Inui (6 Tore).

Darum wurde schon im Winter Srdjan Lakic von VfL Wolfsburg verpflichtet. Er sollte einen Abnehmer für die vielen Flanken der Eintracht sein und Alex Meier an vorderster Front unterstützen. Es sollte ein gemischter Erfolg sein. Lakic hatte ebenfalls keinen Stammplatz sicher, erzielte zwar einige Tore, aber auch ihm mangelte es an Bindung zum Spiel.

In diesem Sommer holte sich Armin Veh nun zwei weitere Akteure, die an vorderster Front agieren können. Einer davon ist Jan Rosenthal vom SC Freiburg, der andere Joselu von Hoffenheim.

Jan Rosenthal – eine schwimmende Neuneinhalb

Jan Rosenthal stellt dabei in gewisser Weise die Antithese zu Olivier Occean dar. Rosenthal kommt sehr oft über die Flügel, kann aber auch als Mittelstürmer agieren. Bei Freiburg spielte er beispielsweise gemeinsam mit Max Kruse eine spielstarke und positionell variable Doppelspitze, deren jeweilige Rolle Kruse selbst als „schwimmende Neuneinhalb“ bezeichnet.

„Keinen Kopf machen und einfach loslegen“, lautet Kruses Devise. Instinktiv, so spielt er auch Fußball – und macht dabei unglaublich viel richtig. „Ein Neuneinhalber, der ein bisschen schwimmt“, so beschreibt Kruse seine Lieblingsposition, die im SC-Gefüge wie für ihn gemacht scheint. Die schwimmende Neuneinhalb, ein Begriff aus der modernen Fußballsprache, ist eine Art eierlegende Wollmilchsau mit Fußballschuhen: ein Alleskönner mit defensiven Pflichten, aber reichlich Interpretationsspielraum in der Offensive.“ – Kruse in der Badischen Zeitung

Auch Rosenthal liegt irgendwo zwischen Neun und Zehn, ist dazu sehr frei in der Raumauswahl. Außerdem kann er auch auf anderen Positionen spielen. Sehr oft kommt er mit schnellen Dribblings und intelligenten Läufen über die linke Außenbahn, kann als inverser oder diagonaler Außenstürmer agieren. Bei der Eintracht mit ihren weit aufrückenden Außenverteidigern würde ihm diese Rolle ebenfalls liegen. Der enorm spielstarke und dynamische Takashi Inui könnte dann von Linksaußen in die Mitte als hängender Stürmer rücken, Alexander Meier könnte die Position des Mittelstürmers übernehmen bzw. in den Konkurrenzkampf mit Lakic und Joselu gehen.

Alternativ ist es für Rosenthal eben auch möglich, als falsche Neun zu agieren und sich immer wieder ins Mittelfeld fallen zu lassen. Auch hier könnte dann Meier mit seiner Torgefahr, Kopfballstärke und Präsenz am Boden wie in der Luft in die Spitze gehen. Möglich wäre es auch, dass Inui als falsche Neun spielt, wie er es bereits vereinzelt tat, und Rosenthal dessen Position auf dem linken Flügel übernimmt.

Wichtig ist aber auch, dass Rosenthals Polyvalenz und der Jungstar Stendera, der ebenfalls auf mehreren Positionen einsetzbar ist, dem Kader der Frankfurter mehr Tiefe verleihen, was in der nächsten langen Saison mit Teilnahme in der Europa League sehr wichtig werden könnte. Ähnliches gilt für Joselu.

Joselu – die Mischung aus Wandstürmer und modernem Angreifer?

José Luis Sanmartín Mato ist sein voller Name und er ist ursprünglich sogar in Deutschland geboren, wechselte aber erst vergangenen Sommer von der B-Mannschaft Real Madrids zu 1899 Hoffenheim, wo er auf immerhin 25 Einsätze (ein Scorerpunkt alle 230 Minuten) kam. Allerdings konnte er zumeist nur Ansätze seines Talents aufblitzen lassen und war eher schlecht als recht ins Spiel eingebunden.

In seiner Spielweise ähnelt Joselu etwas Srdjan Lakic, wobei der Spanier etwas präziser in seinen gruppentaktischen Bewegungen ist und auch mit Ball am Fuß wohl einen Hauch besser. Dazu ist er mit seinen 23 Jahren durchaus noch entwicklungsfähig; wenn er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung geht, könnte er bei der Eintracht seine Stärken gut ins Spiel bringen und eine Mischung aus einem klassischen Wandstürmer und einem ins Spiel involvierten Mittelstürmer abgeben.

Mit seinen 1,91m, seiner Balltechnik und gutem Positionsspiel kann er das theoretisch, jedoch wird – noch stärker als bisher – seine Konstanz und Effektivität unter die Lupe genommen werden. Überzeugt er nicht oder spielt weiterhin nur ansatzweise starken Fußball, wie  es bei Hoffenheim in der letzten Saison der Fall war, könnte seine Zeit bei Frankfurt schnell enden. Sein Leihvertrag dauert nämlich nur ein Jahr.

Gut möglich ist aber, dass Joselu und Lakic um den Bankplatz des klassischen Mittelstürmers hinter Alexander Meier streiten. Beide würden von ihrer Qualität und wohl auch von ihren Ansprüchen durchaus auf der Bank Platz nehmen, um im Zuge der Rotation bei einem Europapokalteilnehmer ihre Minuten zu ergattern und eventuell langfristig die Nachfolge Meiers anzutreten.

Joselu erscheint hierbei aber der vielversprechendere Kandidat sein: Er hat keine wirkliche Schwäche, ist für seinen Spielertypus und seine Größe relativ schnell und spielstark, wodurch er schon einen kleinen Vorteil gegenüber Lakic besitzt.

Außerdem besitzt er einen größeren Aktionsradius in seiner Bewegung, geht immer wieder vor die Schnittstellen, auch in die Räume zwischen Außen- und Innenverteidiger, und bietet sich dort für seine Mitspieler an. Man könnte gar sagen, dass er richtig eingesetzt bei seinem Spielstil und Spielercharakter die Mischung aus Lakic und Rosenthal wäre. Potenziell also eine hervorragende Verpflichtung, wenn er seine Fähigkeiten adäquat reinbringen kann.

Sollte sich aber die „falsche Neun“ bei der Eintracht durchsetzen – ob Inui oder Rosenthal –, dann könnten sehr schnell beide aufs Abstellgleis geraten.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric