Nicht nur in der Premier League spitzt sich das Titelrennen zu, auch eine Etage tiefer in der Championship hoffen zahlreiche große Namen auf ein... Die englische Championship auf der Zielgeraden: Wer steigt auf?

Nicht nur in der Premier League spitzt sich das Titelrennen zu, auch eine Etage tiefer in der Championship hoffen zahlreiche große Namen auf ein begehrtes Ticket fürs Oberhaus. Noch neun Spieltage stehen am Programm und sowohl der Kampf um die beiden direkten Aufstiegsplätze als auch die Duelle um die Relegationsplätze drei bis sechs spitzen sich zu. Den Aufstiegsaspiranten fühlen wir heute vor dem Topspiel Zweiter gegen Dritter etwas näher auf den Zahn.

Norwich City – der große Favorit

Mit 75 Punkten spricht momentan vieles für ein Comeback der „Canaries“ in die Premier League.  Die Kanarienvögel bieten in dieser Saison der meist ausverkauften Carrow Road (26.000 im Schnitt) ein tor- und erfolgreiches Spektakel. Bei den Spielen des Absteigers von 2016 fallen die meisten Tore der Liga. Mit 75 erzielten und 47 kassierten Treffern hält man in beiden Kategorien Höchstwerte innerhalb des Aufstiegskreises. Der Spielort ist für das Team von Daniel Farke dabei scheinbar gar nicht so bedeutend, fühlt man sich sowohl daheim (41 Punkte) als auch auswärts (37) pudelwohl – beides aufstiegswürdige Topwerte.

Ein Bekannter aus der deutschen Bundeliga trägt wesentlich zum Höhenflug bei. Der Finne Teemu Pukki führt die Torschützen- und Scorerliste an. Der ehemalige Schalker traf schon 24-mal ins Schwarze und bereitete acht Treffer vor. Auch der Blick auf die Formkurve stimmt optimistisch, von den letzten zehn Partien wurden acht gewonnen. Das Huddersfield 2.0 – bedingt durch den personell starken deutschen Einfluss sowohl auf der Trainerbank als auch am Spielfeld – ist nach drei Saisonen Championship aktuell am besten Weg zurück ins Oberhaus.

Leeds United – der CL-Halbfinalist möchte wieder rauf

Nach dem Höhenflug zur Jahrtausendwende samt Champions League Halbfinale rutschte der dreifache englische Meister ins Chaos ab. Dem Abstieg 2004 folgte der totale Absturz, zwischenzeitlich für drei Spielzeiten sogar in die dritte Liga. Zuletzt war man in der Championship eher im Mittelfeld angesiedelt. Auch der aktuelle Kader hat am Papier wohl nicht ganz das Niveau eines Titelfavoriten, somit kommt der zweite Platz doch etwas überraschend. Oder vielleicht auch nicht! Mit Marcelo Bielsa steht der schillerndste Trainer der Liga an der Seitenauslinie. Der sorgte zuletzt mit seinen intensiven Gegneranalysen im Boulevard für Schlagzeilen, Stichwort „Spygate“.

Der Argentinier macht gerade in Leeds sowas wie den Klopp, hauchte dem zuletzt etwas angegraut schlafenden Riesen wieder neues Leben ein, sorgt für Euphorie und Spektakel. In der Tabelle stand man heuer nie schlechter als auf Platz vier, dazu führte man zwanzig Spieltage lang die Liga an. Die Elland Road dankt es, ist mit im Schnitt 33.000 Besuchern nach Aston Villa die Nummer zwei der Liga punkto Zuschauerinteresse. Dies geht Hand in Hand mit der Heimtabelle, in der „The Whites“ den höchsten Punkteschnitt aufweisen.

Mit 73 Zählern ist der Playoff-Platz eigentlich schon abgesichert. Um das direkte Aufstiegsticket zu verteidigen, sollte heute nachgelegt werden, wenn der erste Verfolger zum Spitzenspiel in der Stadt ist: Sheffield United (live auf DAZN / 13:30).

Sheffield United – PL-Fußball für die Fußballstadt

Damit sind wir schon beim ersten Jäger der beiden Fixaufstiegsplätze. Der englische Fußballfan Anfang-Mitte vierzig wird vielleicht etwas in Nostalgie schwelgen, wenn der Name Sheffield fällt. Die Industriestadt in den Midlands war bis Mitte der Neunziger lange Zeit fixer Bestandteil auf der Oberhaus-Landkarte. Doch dies ist nur mehr ein Fall für die Fußballchroniken, nach dem Absturz von United und Wednesday blasen aber heuer die Rot-Schwarzen zum Angriff auf ein Comeback im Oberhaus.

Damit dies gelingt, sollte die gute Form konserviert werden. Von den letzten 15 Partien ging nur eine verloren und so konnte das zwischenzeitlich enteilte Spitzenduo wieder gestellt werden. Mit 42 Punkten führt man die Heimtabelle an, die Bramall Lane ist also wieder in. „The Blades“ standen die meiste Zeit im Schatten von Wednesday, doch aktuell sind sie die klare Nummer eins der Stadt. Personell stellt man den wahrscheinlich dünnsten und billigsten Kader der Top-Sechs. Doch mit den Routiniers Billy Sharp (23 Tore / 2 Assists) und David McGoldrick (11/3) verfügt man über das gefährlichste Angriffsduo der Liga. Mit 34 Gegentreffern steht man auch hinten relativ sicher. Das Playoff-Ticket hat United ziemlich fix in der Tasche, mit dieser Absicherung könnte man jetzt unbekümmert zum Schlussspurt Richtung fixer Aufstiegsplätze ansetzen. Der letzte Premier League Auftritt resultiert aus einem einjährigen Kurzcomeback in der Saison 2006/07. Unter Coach Chris Wilder soll sich die bald ändern.

West Bromwich – der Absteiger am Weg ins Playoff

Wenn man so sagen kann, befindet sicher der Premier League Absteiger im Niemandsland des Aufstiegsrennens. Neun Punkte Rückstand auf einen Fixplatz und genauso viele als Polster für die Playoff-Teilnahme. Somit wird der Weg zum Saisonziel „sofortige Wiederaufstieg“ über die Hoffnungsrunde führen.

Während Sheffield über das in Summe gefährlichste Offensivduo verfügt, haben die „Baggies“ das am wenigsten ausrechenbare. Jay Rodríguez (17 Tore / 5 Assists) und Dwight Gayle (16/7) treffen und bereiten schier nach Belieben vor. Womit man mit 71 erzielten Treffern zu den Torfabriken der Liga gehört, hinten mit 48 erhaltenen aber auch einiges zulässt. Vom engsten Aufstiegskreis verfügt man nominell – bedingt durch den Bonus Premier League Fußball samt Einnahmen in den Vorjahren – noch über den teuersten Kader.

Middlesbrough – die graue Maus aus dem hohen Norden

Nach dem Totalabsturz von Sunderland und den internen Turbulenzen bei Newcastle wäre Platz für eine – zumindest vorübergehende – neue Nummer eins im hohen Norden. Eine Rolle die man sich in Middlesbrough nur allzu gerne schnappen möchte. Doch dazu müsste erst mal der Wiederaufstieg gelingen, von einer Euphorie ist man zurzeit weit entfernt. Zu den Heimspielen ins Riverside Stadium kamen heuer bislang nur durchschnittlich 23.700 Fans, damit bleiben meist um die 10.000 Plätze leer.

Aber die Spieler tragen das ihrige zur tristen Kulisse bei. So holte man daheim nur 27 Punkte, so wenige wie kein Team im Aufstiegsrennen. Dazu ist die Stammelf mit im Schnitt über 29 Jahre der Methusalem der Liga, was sich in der Schlussphase der 46 Runden dauernden Saison noch bemerkbar machen könnte. Was noch die Begeisterung bremst: 40 zu 28 lautet ein ganz sparsames Torverhältnis, bei keiner Mannschaft wird mit Treffern so gegeizt. Passend dazu: Britt Assombalonga hält als gefährlichster Angreifer von „Boro“ lediglich bei zehn Scorerpunkten. Unter dem aktuellen Three-Lions-Teamchef Gary Southgate endete 2009 ein 14-Jähriges Gastspiel im englischen Oberhaus mit dem Abstieg. Nach einem wenig erfolgreichen Kurzcomeback 2016/17 soll zehn Jahre später mit Tony Pulis wieder die Basis für eine kontinuierliche, positive Erstliga-Entwicklung gelegt werden.

Derby County und das Playoff-Trauma

Drei Play-Off-Duelle um einen millionenschweren Platz in der Premier League gingen in den letzten fünf Jahren verloren. Damit sind die „Rams“ zwar ein stetiger Anwärter auf einen Spitzenplatz in der Championship, doch für den finalen Schritt rauf, zurück ins Oberhaus reichte es nie. Dort vermisst man die Mannschaft von Frank Lampard schon seit elf Saisonen.

Derby steckt zur Zeit etwas in einer Formkrise, nur ein Sieg aus den letzten sechs Partien lassen das Playoff-Ticket wackeln. Mit nur 46 erzielten Toren hinkt man dem Spitzenquartett punkto Offensivpower klar nach. Rechtsaußen Harry Wilson – eine Leihgabe aus Liverpool – ist mit 10 Toren und 2 Assists schon der gefährlichste Spieler.

Das Verfolgerfeld

Derby County hält also Platz sechs mit 56 Punkten inne. Mit knappen Rückständen ist das Play-Off-Ticket für Bristol (55), Aston Villa (54), Preston North End (54) und Nottingham (53) in Reichweite. Mit einem Schlussspurt und den nötigen Umfallern der Konkurrenz darf man sich auch bei Sheffield Wednesday (52), Birmingham City (50), Hull (50) und eventuell Brentford (49) Hoffnungen machen.

Am anderen Ende der Tabelle ist Ipswich quasi abgestiegen, die Bolton Wanderers wohl auch. Eine Mannschaft aus dem Quartett Wigan, Reading, Millwall oder Queens Park Rangers wird das Absteigerfeld komplettieren.

Der Zwischenstand

Und hier noch die Tabelle nach 37 von 46 Spieltagen:

1.Norwich City37229675:4775
2.Leeds United37227863:3873
3.Sheffield United37218863:3471
4.West Bromwich Albion371810971:4864
5.FC Middlesbrough361513840:2858
6.Derby County3715111146:4456
7.Bristol City3615101145:3855
8.Aston Villa371315965:5454
9.Preston North End3714121157:5054
10.Nottingham Forest3713141051:4353
11.Sheffield Wednesday3713131144:4952
12.Birmingham City3712141153:4850
13.Hull City371481552:5450
14.FC Brentford3613101360:4949
15.Swansea City361381545:4647
16.Blackburn Rovers3712111450:5647
17.Stoke City3710161137:4246
18.Queens Park Rangers371271843:5743
19.FC Millwall379101841:5537
20.FC Reading378121740:5636
21.Wigan Athletic37991936:5536
22.Rotherham United377151539:5936
23.Bolton Wanderers37782224:5829
24.Ipswich Town373142029:6123

Werner Sonnleitner