Während gestern Nachmittag in Wien das 299. Derby angepfiffen wurde, bahnte sich in Manchester eine kleine Sensation an. Zu diesem Zeitpunkt führten die Citizens... Historische Niederlage für Sir Alex Ferguson – City demütigt United

Während gestern Nachmittag in Wien das 299. Derby angepfiffen wurde, bahnte sich in Manchester eine kleine Sensation an. Zu diesem Zeitpunkt führten die Citizens im Old Trafford mit 3:0 und hatten zudem einen Mann mehr auf dem Spielfeld, da Abwehrspieler Jonny Evans in der 47. Minute nach einem Foul an Mario Balotelli vom Platz musste. Am Ende verlor Manchester United mit 6:1 und Sir Alex Ferguson sprach vom schwärzesten Tag seiner Karriere.

Beide Trainer entschieden sich für ein 4-4-1-1-System und sorgten mit ihren Aufstellungen für ein wenig Überraschung. Bei Manchester United bekam in der Innenverteidigung Jonny Evans den Vorzug gegenüber Phil Jones und Darren Fletcher begann gemeinsam mit dem Brasilianer Anderson im zentralen Mittelfeld – eine Option, die in der Vergangenheit für wenig Freude sorgte. Beide Spieler sorgen für zu wenig kreative Momente, was sich auch im 160. Derby gegen Manchester City zeigte. Über die Mitte gelang der Heimmannschaft so gut wie gar nichts. Auch die Nominierung von Jonny Evans stieß auf Kritik. Der 23-jährige Innenverteidiger ist regelmäßig für einen Fehler gut und viele Fans verstehen nicht, weshalb Ferguson an dem Nordiren festhält. Teilweise liefert er zwar auch souveräne Partien ab, allerdings mischen sich immer wieder haarsträubende Fehler in die ansonsten ordentlichen Vorstellungen ein.

BALOTELLI STATT DZEKO

Manchester-City-Trainer Roberto Mancini gab dem exzentrischen Stürmer Mario Balotelli den Vorzug gegenüber Edin Dzeko, obwohl der 21-jährige Italiener in der Nacht davor für einen Feuerwehreinsatz sorgte. Zusammen mit ein paar Freunden schoss er um ein Uhr früh, vor dem vielleicht wichtigsten Spiel der Saison, aus seinem Badezimmerfenster ein paar Feuerwerksraketen. Diese Aktion lief nicht wie geplant, weshalb die Feuerwehr anrücken musste und Balotelli die restliche Nacht in einem Hotelzimmer verbrachte. Die Einsatzkräfte informierten Balotellis Arbeitgeber und Mancini hoffte anscheinend, dass er ein ähnliches Feuerwerk auf dem Spielfeld zündete – der Trainer wurde nicht enttäuscht von seinem schwierigen Stürmerstar.

WHY ALWAYS ME?

Balotelli sorgte nämlich mit den ersten beiden Treffern der Partie für eine 2:0-Führung. Das erste Tor schoss er in der 22. Minute nach einer Kombination über David Silva und James Milner, der den Ball ideal für den Stürmer auflegte. Nach dem Treffer zog der Italiener sein Trikot über den Kopf, sodass man eine Aufschrift auf einem T-Shirt darunter lesen konnte: “Why always me?“ – Vielleicht weil er ein exzentrischer, unreifer Kindskopf ist, der aber das Glück hat ein genialer Fußballer zu sein? Roberto Mancini sagte nach der Partie, dass Balotelli für ihn bereits jetzt zu den besten fünf Fußballern der Welt gehört. Sollte er noch seine Dummheiten ablegen können, dann glaubt der Trainer, dass er auf einer Stufe mit Messi und Ronaldo stehen wird.

AUSCHLUSS ENTSCHEIDET DIE PARTIE

Was auch immer United-Trainer Ferguson zur Pause plante, um den Rückstand aufzuholen – wir werden es nie erfahren. In der 47. Minute sah der Nordire Jonny Evans nach einem Foul an Balotelli die rote Karte, womit alle taktischen Vorgaben des Trainers über den Haufen geworfen wurden. Das zweite Tor der Partie war wie eine Kopie des ersten Treffers, was das Zusammenspiel der Akteure betraf. David Silva spielte auf James Milner, der in der Mitte wieder Balotelli fand.

EFFEKTIVITÄT BRICHT MANCHESTER UNITED DAS GENICK

Manchester City stand in der Abwehr sehr gut und überzeugte vorne durch Effektivität. Aus insgesamt sieben Torschüssen erzielten die Gäste sechs Treffer. Das dritte Tor erzielte der Argentinier Sergio Agüero, der auch schon gegen Villareal in der Champions League in der 90. Minute für den Sieg sorgte. Die Bilanz des Stürmers kann sich sehen lassen, denn der Treffer im Old Trafford war sein neuntes Premier-League-Tor im achten Spiel. Der argentinische Nationalspieler verwertete in der 69. Minute eine Vorlage des aufgerückten Außenverteidigers Micah Richards. Darren Fletcher sorgte mit einem herrlichen Treffer bei den United-Fans für Hoffnung. Diese erlebten jedoch in Folge eine ganz bittere Schlussphase.

NAIVITÄT SORGT FÜR HISTORISCHE NIEDERLAGE

Ferguson sagte nach der Partie, dass seine Spieler anscheinend von einem der vielen unmöglichen Comebacks in Manchester Uniteds Vereinsgeschichte träumten und trotz Unterzahl die Niederlage mit allen Mitteln verhindern wollten. Die Spieler schalteten die Vernunft aus und nahmen eine historische Niederlage in Kauf. Die Außenverteidiger agierten als seien sie Flügelstürmer, wodurch es immer wieder zu Unterzahlsituationen in der Defensive von Manchester United kam. So kam es auch, dass United drei Treffer in der Nachspielzeit kassierte – Dzeko traf zwei Mal, David Silva krönte seine starke Leistung ebenfalls mit einem Tor.

FAZIT

Spätestens jetzt muss selbst der eingefleischteste United-Fan anerkennen, dass Manchester City heuer Uniteds größter Konkurrent um die Meisterschaft sein wird. Die Citizens sind heuer noch ohne Niederlage in der Meisterschaft und haben bereits fünf Punkte Vorsprung auf ihren Stadtrivalen, der knapp vor Chelsea F.C. und Newcastle United an der zweiten Stelle liegt. Sir Alex Ferguson wird sich neue Varianten im zentralen Mittelfeld einfallen lassen müssen, denn Darren Fletcher und Anderson sollten nicht mehr gemeinsam auflaufen, da sie den Spielaufbau im zentralen Mittelfeld auf diesem Niveau nicht bewerkstelligen können. Jonny Evans hat sich wohl auch den letzten Kredit bei seinen Fans verspielt.

Im Gegensatz dazu ist James Milner der große Gewinner der Partie. Der 25-Jährige überzeugte durch ein enormes Laufpensum, wechselte oft die Flügel und stellte so eine Überzahlsituation für seine Mannschaft her. Auch am Ball hatte alles was er machte Hand und Fuß – Milner wirkt spielfreudiger und spritziger als in der vergangenen Saison und hat sich wohl damit angefreundet, dass er auf den Flügeln und nicht mehr im Zentrum zum Zug kommt.

Auch Mario Balotelli hat bewiesen, dass es sich gelohnt hat, dass man trotz seiner vielen Dummheiten und Eskapaden an ihm festhielt. Dank seiner Vorstellung gegen United wird ihm der Feuerwehreinsatz von den Medien und dem Verein schnell verziehen werden. Trotzdem sollte ihm der Verein vielleicht einen Experten zur Verfügung stellen, der mit ihm die Frage „Why always me?“ gemeinsam aufarbeitet.


Hier könnt ihr euch die Höhepunkte der Partie ansehen

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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