Mit 25 Jahren und einer beachtlichen Anzahl an Bundesligaspielen wagte „Johnny“ Ertl den Sprung ins Ausland, in die zweite englische Liga. Was aus dem... Spieler beim englischen Meister von 1898: Das wurde aus Johannes Ertl!

Mit 25 Jahren und einer beachtlichen Anzahl an Bundesligaspielen wagte „Johnny“ Ertl den Sprung ins Ausland, in die zweite englische Liga. Was aus dem Defensiv-Allrounder geworden ist und wo er heute spielt, liest du in den nächsten Zeilen!

Im Alter von elf Jahren konnte sich Johnny Ertl endlich gegen seinen Vater durchsetzen, der wenig überzeugt von einer Fußball-Karriere war, und heuerte beim SV Feldkirchen an. Dort sollte der gebürtige Grazer nicht lange bleiben, schnell wurde Sturm Graz auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn. Nach einer zwangsmäßigen Pause aufgrund eines Kreuzbandrisses und einem halbjährigen Gastspiel in Kalsdorf, kam Ertl im September 2004 zu seinem Bundesliga-Debüt. Allerdings nicht auf seiner angestammten Position in der Innenverteidigung, denn dort setzte man seinerzeit auf eine geballte Ladung Erfahrung, Frank Verlaat und Frank Silvestre, die es zusammen auf über 70 Jahre brachten, sondern als Außenverteidiger.

Im Sommer 2006 folgte der nächste Schritt in seiner Karriere, Ertl wechselte erst vier Stunden vor Transferschluss ablösefrei zur Wiener Austria, wo er zwei Jahre erfolgreich spielte, diesmal auch auf seinen bevorzugten Positionen als Innenverteidiger bzw. defensiver Mittelfeldspieler. Als Krönung durfte er auch im österreichischen Nationalteam debütieren.

LONDON CALLING

Als der damals 25-Jährige allerdings den Sprung in den Kader für die Heim-EM verpasste, war für Ertl die Zeit gekommen sein gewohntes Umfeld zu verlassen und den Sprung ins Ausland zu wagen. Geworden ist es Crystal Palace. „Ich brauchte einige Zeit um mich einzuleben und zurechtzufinden“, sollte der Grazer später sagen, nachdem er im ersten Jahr nur sporadisch zu Einsätzen kam, da der englische Fußball, vor allem die physische Intensität, doch eine größere Umstellung war, als zuerst gedacht.

Nachdem sich der Defensiv-Allrounder durch Extraeinheiten am Fußballplatz und Sprachkurse in das Team der „Eagles“, wie das Team genannt wird, gekämpft hatte, wurde das zweite Jahr im Ausland „das schönste sportliche Erlebnis in meiner Karriere“ (Zitat Ertl). Der Ligabetrieb stellte sich als die reinste Achterbahnfahrt heraus. Nach hervorragendem Saisonstart durften die Londoner sogar schon heimlich vom Aufstieg in die Premier League träumen, als Mitte Januar die Hiobsbotschaft eintraf, dass Crystal Palace aufgrund des eingereichten Konkurses 10 Punkte abgezogen werden, was die Mannschaft vom 6. auf den 22.(!) Tabellenplatz zurückwarf. Durch die allgemeine Verunsicherung, vor allem wegen der finanziellen Situation, gelang der Mannschaft erst am letzten Spieltag in einem dramatischen Spiel gegen Sheffield Wednesday der Klassenerhalt.

DAS ERSTE UND WICHTIGSTE TOR

Doch der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere sollte das FA-Cup-Achtelfinale gegen Aston Villa im gleichen Jahr sein, das man unter anderem durch einen Sieg über die Wolverhampton Wanderers erreichte. Vor ausverkauftem Haus brachte man den haushohen Favoriten an den Rand einer Niederlage und konnte mit einem 2:2 sogar ein Rückspiel erzwingen, wobei es Johnny Ertl vorbehalten war mit seinem ersten Tor in England für die Führung zu sorgen, was ihm hierzulande viel Aufmerksamkeit brachte, da das Spiel auch im deutschen Fernsehen übertragen wurde.

COME ON BLADES!

Als im Sommer 2010 dann Sheffield United an seine Tür klopfte, musste der inzwischen 27-Jährige nicht lange überlegen und schloss sich den „Blades“ an. Man ging mit dem Ziel in die Saison um den Aufsteig mitzuspielen, doch am Ende kam es ganz anders. So geschah das Unfassbare und Ende Mai war der Abstieg in die League One, die dritten Liga Englands, beschlossene Sache. Ertl, der bis dahin unumstrittener Stammspieler war, konnte sein Team ab Mitte März nur noch von der Tribüne aus unterstützen, da ihn der zweite Kreuzbandriss seiner Karriere gestoppt hatte.

Im Mai dieses Jahres war der Grazer für zwei Wochen in seiner Heimat und verriet in einem Interview, dass seine Heilung gut voran ginge und er spätestens im Oktober wieder vollkommen fit sein und mit Sheffield, bei denen er noch Vertrag bis 2012 hat, den direkten Wiederaufstieg schaffen möchte. Bleibt nur zu sagen: Come on Blades!

AlohaHe, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen