Nach den Spielen in Lyon und Saint-Étienne wurde die Reise zur EM 2016 von Gastredakteur Pascal Günsberg in Marseille abgeschlossen. Eines ist gewiss: Torgaranten... EM-Tagebuch aus Marseille (15): Schönes Rundherum in Frankreichs Süden

Stade Velodrome MarseilleNach den Spielen in Lyon und Saint-Étienne wurde die Reise zur EM 2016 von Gastredakteur Pascal Günsberg in Marseille abgeschlossen.

Eines ist gewiss: Torgaranten sind wir keine. Nach dem 1:0-Sieg Albaniens in Lyon und der Nullnummer zwischen England und der Slowakei in Saint-Étienne war es erneut nur ein 1:0, das wir in Marseille sahen: Polen machte aus wenigen Chancen ein Tor, Ukraine selbst aus 19 Schüssen keines. Der wahre „Star“ dieses Spiels war aber nicht auf dem Spielfeld zu finden, sondern viel eher rundherum.

Sehenswertes Marseille

Die Rede ist vom Stade Veledrome, welches auch knapp 80 Jahre nach seiner Eröffnung noch mit seinen steilen Tribünen, vor allem jenen auf der Längsseite, beeindruckt. Es ist die Heimstätte von Olympique Marseille und mit ca. 67.000 Plätzen das größte Stadien Frankreichs, in welchem ein Klub spielt – bei dieser EURO das Zweitgrößte hinter dem Stade de France in Saint-Denis. Dass in diesem Stadion auch ein Halbfinale ausgetragen wird, verwundert keineswegs. Seit der Renovierung, die 2014 abgeschlossen wurde, ist es ein topmodernes Stadion, durch seine enge Bauweise ein Garant für eine heiße Atmosphäre. Blickt man von einem Aussichtspunkt auf die Stadt Marseille, ist das recht zentral gelegene Stadion kaum zu übersehen (siehe Foto unten). Doch auch abgesehen von seinem Stadion bietet Marseille sehr viel und ist äußerst sehenswert. Dass sich die Sonne nach drei Tagen des Versteckens zeigte, machte das Ambiente perfekt und war auch im Stadion nicht zu übersehen, schien sie schließlich während des gesamten Spiels auf die Haupttribüne und bescherte einigen, vor allem polnischen, Fans einen Sonnenbrand. Zugegeben, auch uns.

Miteinander statt Gegeneinander

Was sonntags die Albaner und tagsdarauf die Engländer waren, waren an diesem Dienstag die Polen: Ein Stimmungsgarant, sowohl numerisch als auch in Sachen Lautstärke dem Gegner klar überlegen. Die polnischen Anhänger sorgten bereits den ganzen Tag über in der Innenstadt für eine tolle Stimmung und waren an jeder Ecke der Stadt präsent, wie es für die fanatischen Fans üblich ist selbstverständlich mit Trikot und Schal. In Anbetracht ihres bereits vor dem Spiel feststehenden Ausscheidens waren jedoch auch die Ukrainer überraschend gut gelaunt. Außerhalb des Stadions eher zurückhaltend, sorgten sie im Stade Veledrome ebenso für lautstarke Unterstützung ihres Teams. Wie bei den beiden von uns zuvor besuchten Spielen, war auch hier wieder ein schönes Miteinander zu sehen, keine Spur von Rivalität oder Ähnlichem, viel eher wurden etliche gemeinsame Fotos von Polen und Ukrainern gemacht (siehe Foto unten).

Die EURO der Pyrotechnik

Dass die Polen nach Abpfiff glücklicher waren als ihr Gegenüber, liegt auf der Hand. Mit sieben Punkten liegen Milik, Lewandowski & Co. am zweiten Platz der Gruppe C, die Ukraine punktelos am Letzten. Ein dementsprechendes Pfeifkonzert hagelte es nach Abpfiff für die Ukrainer. Während die gute und lautstarke Stimmung so wohl auch vor dem Fernseher zu bemerken war, war etwas anderes eben dort nicht zu sehen. Die, zumindest was die von uns besuchten Spiele betrifft, „Europameisterschaft der Pyrotechnik“ fand Fortsetzung: Insgesamt wurden an diesem Nachmittag – in beiden Fanlagern – sieben bengalische Feuer gezündet, unmittelbar vor Anpfiff kam es zudem innerhalb des Ukraine-Sektors zu einer Böllerexplosion. So weit, so schlecht – das regelmäßige Betonen der hohen Sicherheitsvorkehrungen passt mit diesem Bild allerdings nicht wirklich zusammen.

Schein-Sicherheitsvorkehrungen?

Tatsächlich sind diese sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen mehr Schein als Sein. In allen Städten, in den Stadien, auf den Flughäfen, etc. sind zwar zahlreiche schwerst bewaffnete Polizisten und Soldaten zu sehen, gerade bei den relativ unkontrollierten Menschenansammlungen bei der An- und Abreise ist aber genügend Raum für Unsinn. Auch die Einlasskontrollen in die Stadien variieren. So genau diese noch in Lyon waren, so oberflächlich waren sie in Marseille. Die Beine wurden dabei komplett außen vor gelassen, Taschen ebenso mangelhaft kontrolliert.

Es möge dies bis zum Viertel- sowie Halbfinale, die in Marseille ausgetragen werden, besser werden – damit das einzigartige Stadion und die tolle Atmosphäre auch wirklich genossen werden können.

Pascal Günsberg, abseits.at

Pascal Günsberg

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