Die Europacupsaison der SV Ried ist beendet. Nach einem 2:1-Hinspielerfolg gegen Legia Warschau musste sich die Mannschaft von Trainer Heinz Fuchsbichler auswärts 1:3 geschlagen...

Die Europacupsaison der SV Ried ist beendet. Nach einem 2:1-Hinspielerfolg gegen Legia Warschau musste sich die Mannschaft von Trainer Heinz Fuchsbichler auswärts 1:3 geschlagen geben. Die Treffer erzielten Saganowski, Radovic und Ljuboja beziehungsweise der eingewechselte Zulj. Zwar waren die Oberösterreicher über weite Strecken des Spiels unterlegen, hätten aber mit etwas mehr Glück auch in die Playoff-Phase aufsteigen können.

Die 87. Minute wird so manchem Ried-Fan noch unangenehme Nächte bescheren. Als „Matchball“ könnte man die Großchance, die sich Thomas Reifeltshammer zu besagtem Zeitpunkt bot, bezeichnen. Diesen vergab der 24-Jährige aber, indem er aus kurzer Distanz übers Tor köpfte, damit wurde es nichts mit einer ähnlich Sensation wie letzte Saison bei Brøndby IF. Vielmehr als diese vergebene Topchance waren es aber Fehler in der Defensive, die durch das Tempo, das Legia vorgab, entstanden, die das Aus besiegelten.

Kaum veränderte Startformationen

Die Gastgeber begannen wie im Hinspiel in einer nominellen 4-2-3-1-Formation, die sich allerdings variabel und asymmetrisch zeigte. Entscheidend dafür war vor allem das Verhalten von Ljuboja, der auf dem Papier zwar die Zehnerposition bekleidete, auf dem Feld aber, wie schon im Hinspiel, weite Wege ging und so ein entscheidender Faktor für den Triumph seiner Mannschaft war. Personell stellte Trainer Jan Urban im Vergleich zur 1:2-Niederlage im Innviertel an einigen Positionen um. Mit Saganowski stellten die Polen einen klassischen Stürmer auf, im zentralen Mittelfeld ersetzte Vrdoljak, der in der 71. Minute Gelb-Rot sah, Gol. Für den gesperrten Wawrzyniak verteidigte Rzezniczak links in der Viererkette.

Bei der SV Ried gab es hingegen nur eine personelle Umstellung. Für Grössinger rutschte Nacho ins rechte offensive Mittelfeld. Im Gegensatz zur Bundesliga, wo Ried ausschließlich das bekannte 3-3-3-1 praktiziert, vertraute Fuchsbichler im internationalen Geschäft erneut auf ein 4-2-3-1, wobei mit Reiter ein sehr untypischer Spieler im Zentrum der offensive Dreierreihe agierte. Das Spiel des 25-Jährigen definiert sich kaum über spielerische Überraschungselemente, sondern vielmehr laufintensive Defensivarbeit, was vermutlich auch der Grund für seine Aufstellung war.

Starke Anfangsphase

Die SV Ried machte da weiter wo sie im Hinspiel aufgehört hatte. Die Innviertler versteckten sich nicht und spielten munter mit, vor allem über die rechte Seite machten sie Dampf. Rechtsverteidiger Hinum sorgte im Verbund mit der konservativen Interpretation seines Kollegen Schicker und der zentral-orientieren Spielweise von Meilinger in der Anfangsphase für ein starke Asymmetrie zur rechten Seite. Der ballferne Außenverteidiger bildete dabei zusammen mit den Innenverteidigern eine Dreierkette zur Absicherung, während Hinum seinen Vordermann überlief.

Begünstigt durch die abwartende Haltung der Polen und dem daraus resultierendem Raum im zentralen Mittelfeld konnte die rechte Außenbahn entsprechend effektiv eingesetzt werden. Auch die größte Chance der ersten Minuten geht auf dieses Szenario, das sich die Spielvereinigung bereits zum Bundesligaauftakt zunutze machte, zurück. Nach einer Hereingabe von Hinum verpasste der anstürmende Meilinger aber die frühe Führung.

Legias Asymmetrie

Mit Fortschreiten der Zeit fand Legia aber immer besser ins Spiel, vor allem der umtriebige Kosecki sorgte auf der linken Angriffsseite für viel Betrieb. Der 21-Jährige positionierte sich oft sehr nah an der Outlinie um mit Wechselpässen eingesetzt zu werden. Nachdem sein Bewacher Hinum sein Spiel sehr hoch anlegte, schon früh einen Gegenstoß witterte und dementsprechend früh aufrückte, zeigten Passkombinationen auf Kosecki eine hohe Erfolgsquote auf.

Je näher dieser dem Strafraum aber kam, umso unruhiger wurde. In der Hektik fabrizierte er Fehlpässe und schloss zu ungefährlich ab. Auf der gegenüberliegenden Seite stand Radovic hingegen zentraler und tiefer. Gemeinsam mit Lukasik, dem defensiveren der beiden Sechser, und dem nachrückenden Jedrzejczyk überlud er den rechten Halbraum im zweiten Drittel. Von dort aus wurden die Angriffe eingeleitet, entweder mit den angesprochenen Seitenverlagerungen auf Kosecki oder einem Kurzpass auf Vrdoljak, der phasenweise auf einer Linie mit Ljuboja stand.

Freigeist Ljuboja                                                                                                       

Der Serbe könnte ohne Probleme zum Man of the Match ernannt werden – und das nicht nur aufgrund seiner beiden Torvorlagen und dem sehenswerten Heber zum zwischenzeitlichen 3:0. Wie schon im Hinspiel war Ljuboja im gesamten Offensivbereich präsent und enorm laufstark – etwas, das man von seiner Bundesligazeit nicht unbedingt gewohnt war. Bei Stuttgart, Hamburg und Wolfsburg galt der 33-Jährige als Problemboy, ein lauffauler Schönwetterkicker, der zwar hervorragende fußballerische Fähigkeiten mitbringt, aber oft das Grundprinzip des Fußballs, das Laufen, vernachlässigte. Gegen Ried jedoch hatte Ljuboja einen hohen Aktionsradius, gab phasenweise einen zweiten Stürmer, lies sich tief ins zweite Spielfelddrittel fallen oder sorgte für Breite auf der sonst verwaisten rechten Seite.

Dem Angreifer merkte man seine hohe Spielintelligenz an, die sich in erster Linie in seinen Laufwegen niederschlug. Besonders als er sich zwischen der Abwehr- und Mittelfeldlinie der Rieder positionierte, stellte er seine Gegenspieler vor unangenehme Situationen. Aufgrund der zaghaften Vorgehensweise der Innenverteidigung – meist Riegler – und des nahen Sechsers – meist Ziegl – hatte er Platz um das Spiel zu ordnen. Am besten erkennt man das variable Spiels Ljubojas daran, dass er bei allen Toren auf unterschiedlichen Positionen zu finden war. Auch aufgrund des späten Anschlusstreffers im Hinspiel, der Ried eine sehr günstige Ausgangssituation kostete, war Ljuboja zweifellos die prägende Figur in diesem Qualifikationsduell.

Mutige Polen bringen Ried außer Tritt

Entscheidend für das zunehmend nervöse Auftreten der Österreicher war neben den Laufwegen von Ljuboja, die Rieds Hintermannschaft auseinander riss, das höher angelegte Pressing. Die beiden Sechser stellten sich ungefähr ab der 25. Minute höher auf, Ljuboja rückte auf Höhe von Saganowski vor. Man merkte zum einen, dass den Riedern aufgrund des Formationswechsels die Abstimmung fehlte, aber auch, dass ein österreichisches Team einen derartigen Druck aus dem Ligaalltag nicht gewohnt ist. Schon beim blamablen Ausscheiden der Salzburger letzte Saison gegen Metalist Kharkiv war dies zu erkennen. Ein weiteres Sinnbild dafür ist Legias Chance in der 29. Minute, als Reifeltshammer von der energischen Attacke von Lukasik sichtlich überrascht wurde und man in der Folge in einer drei-gegen-eins-Unterzahl einem Gegentreffer nur knapp entging.

Schlussoffensive kommt zu spät

Dass Legia aber ähnlich anfällig auf solche Drucksituationen reagierte, zeigte es zum einen im Hinspiel, aber auch in der heimischen Pepsi Arena. Wie anfangs erwähnt brachte Ried zu Spielbeginn seinen Gegner in Bedrängnis, als man selbst das Heft in die Hand nahm. Auch in der Schlussphase, als man naturgemäß offensiver agierte, kam Ried zu guten Möglichkeiten, verpasste aber entweder abzuschließen oder schoss zu unplatziert. Daher drängt sich die Frage auf, ob Fuchsbichler nicht schon früher mehr Risiko hätte gehen sollen. „Es war wirklich knapp“, so der Coach. „Unter dem Strich waren wir aber unterlegen, weil Legia ein sehr hohes Tempo gegangen ist.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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